Licht und Schatten

Die Lage der globalen Kunststoffindustrie

06.10.2016 Schwankungen beim Ölpreis ziehen Schwankungen bei Polymerrohstoffen nach sich. Noch nie war dieser Zusammenhang so gut zu beobachten wie in den vergangenen zwei Jahren. Inzwischen hat sich beides eingependelt, doch die Volatilität war für Kunststoffproduzenten und -verarbeiter ein echtes Problem.

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Die Schwierigkeiten addierten sich insbesondere in Europa zu einem weiteren Phänomen: Seit der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 stagniert die aus 1,45 Mio. Beschäftigten bestehende europäische Kunststoffbranche – auch die wirtschaftlichen Probleme einiger Mitgliedsstaaten der Eurozone setzen den 62.000 Herstellern zu. Das Beratungsunternehmens AMI rechnet bis 2019 für Europa mit einem jährlichen Wachstum der Nachfrage nach Polymeren von einem Prozent – allein im Jahr 2014 setzte die Branche 350 Mrd. Euro um.
Doch wo es Schatten gibt, dort ist auch das Licht nicht weit: Einige Hersteller von Polymeren profitierten im vergangenen Jahr von Produktionsausfällen bei Konkurrenten und konnten bei den Abnehmern von Primärkunststoffen höhere Preise durchsetzen. So erklärt beispielsweise  Mark Garrett, CEO bei Borealis, Österreich, dass die Margen „historische Dimensionen“ erreicht haben.
Für die Kunststoffverarbeiter erhöht die Kombination aus Beschaffungsproblemen und hohen Preisen den Leidensdruck. Deren europäischer Dachverband EUPC gründete deshalb unlängst die „Allianz für Polymerversorgung in Europa“, mit dem Ziel, „detaillierte Informationen zum aktuellen Polymermarkt bereitzustellen.“ Außerdem will die Organisation Unternehmen beim Beantragen der Aussetzung von EU-Importzöllen helfen, um Engpässen auf den Polymermärkten entgegenzuwirken.
Doch die EU-Kommission erhöht an anderer Stelle den Druck auf die Polymerbranche: Angesichts der Tatsache, dass in Europa weniger als 25 % des Kunststoffabfalls recycelt werden und die Hälfte des Abfalls auf Deponien landet, fordert die Kommission ein Maßnahmenpaket zur Kreislaufwirtschaft. EU-weit soll bis 2030 für den Löwenanteil der Kunststoffabfälle – nämlich solche aus Verpackungen – eine Recyclingquote von 75 % erreicht werden. Unsere Infografiken zeigen einige wissenswerte Fakten zur Kunststoffproduktion.

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Heftausgabe: Oktober 2016
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