Auf Nummer sicher gehen

Gefahrstoffschränke Made in Germany

Anlagenbau
Chemie
Pharma
Ausrüster
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

04.10.2016 Das Handling von Gefahrstoffen und der Umgang mit Chemikalien gehören in vielen Arbeitsabläufen der Industrie zum Alltag vieler Mitarbeiter. Oberste Priorität dabei hat der Schutz von Mensch und Umwelt. In Deutschland ist daher die dezentrale Lagerung von Chemikalien bereits Stand der Technik. Doch erst die Möglichkeit zur direkten Lagerung der Gefahrstoffe am Arbeitsplatz macht viele Prozesse effizient.

Anzeige

Entscheider-Facts für Sicherheitsbeauftragte

  • Sicherheitsschränke müssen im Brandfall den Inhalt gegen Flammen und Hitze abschirmen und somit Explosionsgefahr eindämmen und Zeit für Gegenmaßnahmen schaffen.
  • An die Ausführung eines Sicherheitsschrankes gelten hohe Anforderungen, die in verschiedenen internationalen Normen geregelt sind. Diese Normen unterscheiden sich teilweise deutlich.
  • Während der Umgang mit Gefahrstoffen in Deutschland strikt reglementiert ist, kommt dem Thema international noch nicht die nötige Aufmerksamkeit zu. Aufklärung darüber leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit.

Die sachgemäße Lagerung von Gefahrstoffen ist genauso wichtig wie Schutzkleidung und sichere Arbeitstechniken. Doch in vielen Ländern der Welt erhält dieses Thema bislang wenig bis gar keine Aufmerksamkeit, obwohl der fahrlässige Umgang und die unsachgemäße Lagerung von Gefahrstoffen schwerwiegende Konsequenzen haben können. So entsteht dem Unternehmer im Schadensfall neben den unkalkulierbaren Produktionsausfällen und erheblichen Sanierungskosten auch ein langfristiger Imageschaden. Zudem drohen der Verlust des Versicherungsschutzes sowie die persönliche Haftung für entstehende Sach- und Personenschäden.

Deutschland setzt Maßstäbe

Allein in Deutschland werden mehr als fünfzigtausend Gefahrstoffe gehandelt. Wichtige Voraussetzung für den Umgang mit gefährlichen Substanzen ist die Kenntnis ihrer Eigenschaften sowie der entsprechenden Schutzmaßnahmen. Mit der Einführung des GHS (Global harmonisiertes System zur Einstufung und Kennzeichnung von Chemikalien) wurde ein weltweit einheitliches System zur Einstufung sowie der Kennzeichnung auf Verpackungen geschaffen. Dieses System klassifiziert Gefahrstoffe entsprechend ihrer Eigenschaften in Kategorien wie „entzündlich“, „giftig“, „ätzend“, „explosionsgefährlich“ oder „umweltgefährlich“.

Eine optimale Lösung zur Lagerung gefährlicher Stoffe sind Sicherheitsschränke. Sie sind darauf ausgelegt, im Brandfall das Risiko der Brandausweitung und Explosionsgefahr zu minimieren und ausreichend Zeit für Evakuierungsmaßnahmen zu schaffen. Den bestmöglichen Schutz dafür bieten Gefahrstoffschränke mit 90 min Feuerwiderstandsfähigkeit. Diese bereits vor 20 Jahren in Deutschland entwickelte Technologie fand nicht nur Einzug in nationale Gesetze, sondern war auch die Basis der Europäischen Norm EN 14470-1 für „Feuerwiderstandsfähige Lagerschränke“ im Jahr 2002. Diese Norm legte europaweit einheitliche Anforderungen für die beschriebenen Produkte fest und schuf einen hohen Sicherheitsstandard. Die ineinandergreifenden Schutzfunktionen eines DIN-EN-14470-1-Sicherheitsschrankes machen ihn zu einem sicheren Lagerplatz für gefährliche und entzündbare Substanzen.

Welche Auswirkungen ein geringerer Standard haben kann, zeigt ein Schrank-Vergleichstest unter Realbedingungen. Der Test führt vor Augen, dass ein einwandiger Stahlblechschrank ohne jeglichen Standard und auch ein doppelwandiger Stahlblechschrank mit Mineralwollisolierung nach kürzester Zeit im Feuer explodieren. Ohne zusätzlich getroffene Sicherheitsmaßnahmen in den Betrieben bliebe mit solchen Gefahrstofflagern kaum genug Zeit, um Evakuierungs-, Lösch- und Rettungsmaßnahmen einzuleiten. Sicherheitsschränke nach DIN EN 14470-1 mit 90 min Feuerwiderstandsfähigkeit ermöglichen im Ernstfall zehnmal mehr Zeit für Evakuierungs- und Löschmaßnahmen.

Besondere Effekte schaffen Sicherheit

Besonders wichtige Sicherheitsmechanismen sind das selbsttätige Schließen der Türen und Abluftventile. So müssen geöffnete Schranktüren aus jeder Ausgangsposition grundsätzlich nach ca. 20 s schließen. Sind die Türen mit einem Arretierungsmechanismus ausgestattet, muss dieser die Türen bei einer Umgebungstemperatur ab 40 °C vollständig schließen. Bei abschließbaren Türen darf die Verschlussvorrichtung die Selbstschließung der Türen nicht verhindern. Ebenso müssen Lüftungsöffnungen bei einer Temperatur von 60 bis 80 °C automatisch schließen.

Zusätzlich versiegeln unter Hitzeeinwirkung selbstaufschäumende Fugendichtungen den Sicherheitsschrank in diesen kritischen Bereichen. Somit ist Flammen und Hitze der Weg in das Schrankinnere versperrt. Um die brandschutztechnischen Anforderungen zu erfüllen, werden Sicherheitsschränke mit speziellen Brandschutzplatten ausgestattet. Diese bestehen beispielsweise aus Kalziumsulfat, welches bei größerer Hitze zuvor kristallin gebundenes Wasser in Form von Wasserdampf abgibt. Der auftretende Kühleffekt verhindert einen kritischen Temperaturanstieg im Schrankinneren.

Durch das Zusammenspiel aller dieser konstruktiven Maßnahmen und unter Einsatz geprüfter hochwertiger Brandschutzmaterialien hält der Sicherheitsschrank den enormen Belastungen im Brandkammertest mit Temperaturen über 1.000 °C stand. Die im Inneren des Schrankes eingelagerten Gefahrstoffgebinde mit entzündbaren Chemikalien sind geschützt und bleiben unbeschadet, sicher und geprüft.

Auf der Folgeseite: Sieben Regeln für den Umgang mit Gefahrstoffen

Heftausgabe: Oktober 2016
Seite:
Sven Sievers, Bereichsleiter Produktmanagement & Marketing, Asecos

Über den Autor

Sven Sievers, Bereichsleiter Produktmanagement & Marketing, Asecos
Loader-Icon