Temporäre Abkühlung

Anlagenbauer rechnen mit sich besserndem Investitionsumfeld zur Achema

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12.03.2009 Seit Herbst 2008 verzeichnet auch der Chemieanlagenbau eine sinkende Nachfrage. Doch die Gründe liegen vor allem in den enormen Preissteigerungen in Projekten bis Ende 2007. Die Kunden spekulieren auf sinkende Preise – und darin liegt die Chance für 2009.

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Es sind nicht nur die weltwirtschaftlichen Entwicklungen, welche den Auftragseingang im Chemieanlagenbau in den vergangenen Monaten beeinflusst haben. Bereits zum Ende 2007 hin waren die Projekte im Mittleren Osten infolge des Booms und der Nachfrage nach Baumaterial, qualifiziertem Personal und Montagekosten nahezu unerschwinglich geworden. Dazu kommt seit Mitte 2008 der gesunkene Ölpreis, durch den die Wirtschaftlichkeit mancher Projekte in Frage gestellt ist. „Zahlreiche Kunden spekulieren auf sinkende Investitionskosten“, stellt Dr. Aldo Belloni, Vorstandsmitglied der Linde AG und Vorsitzender des Achema-Komitees fest, und nennt die Verschiebung von mehreren Raffinerieprojekten der Ölgesellschaft Saudi Aramco als Beispiel. Aber Belloni gibt sich zuversichtlich: „Der gegenwärtige Rückgang im Auftragseingang sollte nicht als der Beginn eines dauerhaften Niedergangs missverstanden werden. Es handelt sich aus unserer Sicht vielmehr um eine temporäre Phase der Abkühlung.“ Eine Sichtweise, die auch Klaus Schneiders, Sprecher der Geschäftsführung bei Uhde teilt: „Zahlreiche Investoren warten zurzeit ab, wie sich die Preissituation und Kapazitätsauslastung wichtiger Zulieferer und Dienstleister zu ihren Gunsten entwickeln.“

Angesichts der derzeitigen Ausstellerzahlen zur Achema 2009 rechnet auch Dr. Thomas Scheuring, Leiter des Ausstellungskongresses der Dechema nicht mit gravierenden Konsequenzen: „Bislang haben die gegenwärtigen wirtschaftlichen Turbulenzen keine messbaren Auswirkungen auf die Veranstaltung“, gibt sich Scheuring optimistisch. „Der Trend zu Mega-Anlagen ist ungebrochen“, bestätigt Klaus Schneiders. Aus Sicht der Anlagenbauer ist es vor allem die technologische Kompetenz der deutschen Anbieter, die zu deren Wettbewerbsfähigkeit beiträgt. „Wir sehen mehrere Indikatoren dafür, dass sich die Situation in 2009 verbessern wird“, bestätigt Aldo Belloni. Dazu gehören aus seiner Sicht der hohe Inlandsbedarf und die starke Kapitalbasis der Investoren im Nahen und Mittleren Osten. Dazu kommt, dass mit sinkenden Projekt- und Ausführungskosten auch die infolge des Booms verschobenen Projekte wieder aufgenommen werden. Belloni: „Alles in allem gibt es keinen Grund, weshalb wir nicht vorsichtig optimistisch sein sollten.“ [AS]

„Zahlreiche Kunden spekulieren auf sinkende Investitionskosten“
Dr. Aldo Belloni ist Vorsitzender desAchema-Komitees
„Bislang haben die wirtschaftlichen Turbulenzen keine messbaren Auswirkungen auf die Achema“
Dr. Thomas Scheuring, Dechema
„Zahlreiche Investoren warten zurzeit ab, wie sich die Preissituation zu ihren Gunsten entwickelt“
Klaus Schneiders ist Sprecher der Geschäftsführung bei Uhde

Heftausgabe: März 2009

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Gandert
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