Von Fliegen und Pilzen

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27.10.2012 Die moderne Agrarwirtschaft hat keine geringe Aufgabe: Sie muss bei gleichbleibender, wenn nicht sinkender, verfügbarer Ackerfläche eine steigende Zahl von Menschen ernähren. Um dies realisieren zu können, müssen folgerichtig die Erträge steigen. Neben unempfindlichen Pflanzensorten und Düngemitteln, sind Insektizide hierfür wichtige Hilfsmittel. Deren Entwicklung ist jedoch mit Risiken für Mensch und Natur verbunden.

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Entscheider-Facts Für Anwender

  • Bereitet das Laborpersonal eine Probe unbekannten Inhalts zur Analyse vor, so ist diese zu behandeln wie ein Gefahrstoff.
  • Gefahrstoff-Arbeitsplätze reduzieren das Risiko für Mensch und Umwelt, indem Sie Dämpfe, Gase sowie Schwebstoffe direkt an der Austritts- oder Entstehungsstelle absaugen.
  • Durch die konstante Luftbewegung im Arbeitsbereich können sich keine entzündbaren Gas-Luft-Gemische anstauen.
  • Die Gefahrstoff-Arbeitsplätze lassen sich den verschiedenen Anwendungen der Betriebe anpassen.
  • Ver- und Entsorgung von zur Arbeit benötigter Gase oder Flüssigkeiten lassen sich integrieren.

Die Gegner heißen Rapsglanzkäfer, echter und falscher Mehltau oder Weiße Fliege – auch auf Blattläuse und Krautfäule auslösende Pilze sind die Weißkittel nicht gut zu sprechen. Die Rede ist von Chemikern, Biologen und anderen Wissenschaftlern, die sich bei Pharma-Unternehmen wie Bayer mit dem Entwickeln von Insektiziden und Fungiziden beschäftigen. Diese Forschungsarbeit im Dienste unbeschädigter und ertragreicher Kartoffel- oder Getreideernten ist gewissermaßen eine groß angelegte Sisyphusarbeit – mit dem Unterschied, dass sich die Arbeit der Forscher mit der Zeit sogar erschwerte. Das liegt an der Bildung von Resistenzen, die beispielsweise Krautfäulepilze gegen Fungizide ausbilden. Gegen die immun gewordenen Pilzpopulationen hilft nur ein neuer Wirkmechanismus – und diesen zu finden ist eine zunehmend aufwendige Arbeit. Für die Erforschung solcher Wirkmechanismen gibt es keine einfachen allgemeinen Regeln. An Trial-and-error und ständigen intensiven Tests führt kein Weg vorbei. Dafür haben die Wissenschaftler der Unternehmen eigene Gewächshäuser, in denen Sie alle möglichen, für unsere Ernährung wichtigen Kulturpflanzen ziehen, beispielsweise Getreide, Reis, Soja, aber auch Obst. Neue Mittel testen die Forscher in vitro. Sind sie dort erfolgreich, müssen sie aber Tests am kompletten Organismus bestehen. Ist auch diese Hürde gemeistert, folgt ein umfangreiches behördliches Zulassungsverfahren nach strengen Richtlinien.

Kerne mit Spin

Der Weg zu den Wirkstoffen besteht aus vielen Versuchen und Syntheseschritten – nicht selten kommen dabei unerwartete Ergebnisse zustande. Dann schlägt die Stunde der Analytiker: Deren Aufgabe ist es, Molekülstrukturen zu Überprüfen beziehungsweise Aufzuklären. Stets mit dem Ziel, die entstandenen Substanzen zu identifizieren. Eine der heute dafür genutzten Technologien ist die Kernresonanz-Spektroskopie (NMR). Dafür setzten die Wissenschaftler die Proben einem starken Magnetfeld aus. Das geschieht mit Hilfe von supraleitenden Magneten, an denen sich die magnetischen Momente der Kerne im Feld ausrichten. Dies ermöglicht dann die Aufnahme von Signalen der Kerne, die Aufschluss über die Molekülstruktur geben.

Gefahrenpotenzial: unbekannt

Um die NMR bestücken zu können, muss das Laborpersonal die Proben vorbereiten – die von den einzelnen Syntheselabors hierher gebrachten Stoffe sind teils feste Substanzen, von denen erst eine Lösung in bestimmten Konzentrationen herzustellen ist. Zum Schutz darf das Personal diese Stoffe nur unter dem Abzug beziehungsweise den Gefahrstoff-Arbeitsplätzen verwenden. Denn die möglicherweise toxische Wirkung der Chemikalien ist in diesem Stadium unbekannt. Der konstante Abzug der Gefahrstoffe funktioniert in den Lufttechnik-Geräten lückenlos – und die Mitarbeiter können die Proben frei und ungehindert jederzeit handhaben.

Luftschleier und direktes Absaugen

Wie ihr Name schon sagt, stellen Gefahrstoffe eine wesentliche Belastung beziehungsweise eine Gefahr für die Mitarbeiter dar: Sie sind giftig, wirken reizend und können im schlimmsten Fall sogar zum Ersticken führen. Entzündbare Gefahrstoffe, beispielsweise Lösemittel, können zudem explosiv wirken. Zum Schutz der Menschen setzen Betreiber deshalb auf Gefahrstoff-Arbeitsplätze. Eine besondere Lüftungstechnik ermöglicht das Rückhalten der Schadstoffe, die während der Reinigungs-, Misch-, Umfüll- oder Analysetätigkeiten entstehen. Durch die Kombination von Zu- und Abluft erfasst und saugt die Lüftung Dämpfe, Gase oder Schwebstoffe sofort an der Austritts- beziehungsweise Entstehungsstelle ab. Und zwar noch bevor sich diese zu einer Gefahr für die Gesundheit der Mitarbeiter und Umwelt entwickeln können. Auch das Aufkommen einer explosionsfähigen Atmosphäre lässt sich so vermeiden, da sich keine entzündbaren Gas-Luft-Gemische im Arbeitsbereich anstauen. Im Frontbereich des Gefahrstoffarbeitsplatzes generiert das System Luftschleier, die zudem verhindern dass Gefahrstoffe aus dem Arbeitsbereich entweichen und in die Atemluft des Nutzers gelangen. Entstehende oder vorhandene Schadstoffe transportiert die Luftbewegung sofort an die Prallwand im hinteren Bereich des Arbeitsbereiches. Von dort leiten Ansaugschlitze die Gefahrstoffe an das angeschlossene Abluftsystem weiter. Für das Überwachen der lufttechnischen Funktion des Gefahrstoffarbeitsplatzes sorgen serienmäßig eingebaute Überwachungseinrichtungen, die die vorhandenen Luftmengen im Ab- und Zuluftschacht per Druckmessung ermitteln. Treten Abweichungen von einem definierten Sollwert auf, erfolgen ein akustisches und optisches Alarmsignal.

Individualisierung erhöht Sicherheit

Individualisierung ist kein Einzelfall, sondern sie liegt im Trend. Immer häufiger fragen Anwender beim Hersteller nach Sonderkonzeptionen. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Die Lösungen sind bestmöglich auf die jeweiligen Tätigkeiten abgestimmt und erhöhen hierdurch Sicherheit und Effizienz. Auch tätigkeitsspeziell ausgerichtete Gefahrstoffarbeitsplätze für die verschiedenen Bereiche von Industrieanwendungen gibt es bereits in Serie. Dazu gehören beispielsweise Apothekenarbeitsplätze, Wägearbeitsplätze oder Arbeitsplätze für Ex-Schutz-Bereiche. Eine interessante Alternative zeigt das modulare System auf, bei dem der Nutzer direkt beim Bestellen unter Kombinationsmöglichkeiten in Bezug auf Materialien oder Art und Anzahl der benötigten Medienversorgung auswählen kann. Manchmal reicht aber auch diese Standard-Vielfalt nicht aus. Dann sind Spezialkonstruktionen gefragt. Das ist der Fall, wenn bestimmte Geräte in den Gefahrstoffarbeitsplatz zu integrieren sind. Oder wenn die Maße der genutzten Arbeitsmittel oder -geräte Sonderabmessungen der Arbeitsfläche und damit des gesamten Gefahrstoffarbeitsplatzes verlangen. Hier ist dann Konstruktionsleistung gefordert. Denn die Integration von Sonderleistungen in den Standard-Gefahrstoffarbeitsplatz macht manchmal auch eine Modifikation der Technik notwendig.

Versorgen und Lagern

Auch die Ausrüstung des Arbeitsplatzes lässt sich an die Anforderungen der Nutzer und der ausgeführten Tätigkeit anpassen. Es ist beispielsweise möglich, die Ver- und Entsorgung mit Flüssigkeiten oder Gasen über entsprechende Leitungen direkt in die Medienversorgung zu integrieren. Die Lagerung der entsprechenden Ver- und Entsorgungsgebinde übernehmen Unterbauschränke. Diese Sicherheitsschränke sind speziell für die Gefahrstofflagerung im Fußraum konzipiert. Geeignet sind sie in den entsprechenden Ausführungen für die Lagerung verschiedener Gefahrstoffklassen. So erfolgt die Lagerung entzündbarer Flüssigkeiten wie Reinigungsmittel in speziellen feuerwiderstandsfähigen Unterbauschränken.

Walter Bolik, Produktmanager Lufttechnik bei Asecos

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Walter Bolik, Produktmanager Lufttechnik bei Asecos
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