ZVEI-Marktbericht Automatisierung

Auf dem Olymp

Anlagenbau
Chemie
Pharma
Ausrüster
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

04.06.2008 Automatisierungsbranche wächst weiter

Anzeige

Olympia steht vor der Tür und „die Automatisierungsbranche spurtet durch. Wir haben sozusagen ein Abonnement auf das Siegertreppchen“, sieht Dr. Gunther Kegel, Vorsitzender des Vorstands des ZVEI-Fachverbands Automation die Analogie zur guten Konjunktur in der Automatisierungsbranche. Die deutsche Automatisierungsindustrie verzeichnet für 2007 ein Umsatzplus von knapp elf Prozent gegenüber dem Vorjahr und konnte über 15Prozent mehr Aufträge akquirieren, gab der ZVEI im Rahmen der Hannover Messe bekannt.

Nach einem mehr als zufriedenstellenden Jahr 2007 ist ein erfolgreicher Anlauf für 2008 gelungen. Eine robuste Konjunktur in Deutschland und ein weltweit gutes Wachstum veranlassen anhaltend zu guter Stimmung in der Automatisierungsbranche. Mit einem Auftragspolster sei vorerst keine Abschwächung in 2008 zu erwarten. Das überdurchschnittliche Wachstum schlägt sich auch in den Beschäftigtenzahlen nieder. Michael Ziesemer, Mitglied des Vorstands des ZVEI-Fachverbands Automation, teilt mit, dass in der Prozessautomatisierungsbranche mehr als 3700 neue Arbeitsplätze geschaffen worden seien. Insgesamt habe die Automatisierungsindustrie 2007 etwa 15000 neue Stellen geschaffen und damit im Vergleich zum Vorjahr über sieben Prozent mehr Menschen in Arbeit gebracht.

In Rohstoffverarbeitung investieren

Trotz hohem Eurowechselkurs konnte die Prozessautomatisierung inDeutschland bei einem Produktionswachstum von sechs Prozent den Umsatz um sieben Prozent steigern. Der Import an Automatisierungstechnik stieg um fast zehn Prozent. Dabei weist der ZVEIden Importen deutscher Firmen aus eigenen ausländischen Produktionsstätten eine wachsende Rolle zu.

Die Energiebranche sei ein wichtiger treibender Motor, wie Michael Ziesemer berichtet. Von der klassischen Öl- und Gasförderung bis zur Bioethanolherstellung reichen die Projekte. „Ein anderer Wachstumsfaktor liegt in den Rohstoffen. Die Preise für Kupfer, Stahl und Aluminium sowie für Öl und Gas sind sehr hoch. Damit werden auch Investitionen in deren Verarbeitung attraktiv“, erklärt Ziesemer. „Das spült Geld in die Kassen unserer Kunden und führt insbesondere die Prozessautomatisierung geradezu zu einer Sonderkonjunktur.“ Auch für das Wachstum in der Kraftwerkstechnik, der Chemie-, Nahrungsmittel- und Pharmaindustrie sind die Aussichten sehr gut. Nur die Papier- und Zellstoffindustrie leide derzeit unter Stagnation.

Mittlerer Osten wächst am stärksten

Der Weltmarkt Automatisierung ist nach Angaben des ZVEI um etwa sieben Prozent auf 253Mrd. Euro gewachsen. Unternehmen inDeutschland haben daran einen Anteil von 14 Prozent. Insgesamt verzeichnen alle Regionen der Welt einen Zuwachs. Nur in Japan und den USA lässt das Wachstum nach, während sich der Mittlere Osten als wachstumsstärkste Region entwickelt hat. Für die Prozessautomatisierung sieht Michael Ziesemer unter Vorbehalt gute sechs Prozent Wachstum in 2008, für 2009 noch vier Prozent. Die Abschwächung führt er auch darauf zurück, dass wegen der Turbulenzen auf den Finanzmärkten wichtige Projektentscheidungen verschoben würden. „Dennoch geben die vollenAuftragsbücher Anlass zu vorsichtigem Optimismus“, meint Dr. Gunther Kegel.

Technische Perspektiven

Einen Trend sieht der ZVEIin der Entwicklung vernetzter Automatisierungssysteme. „Nehmen wir die Integration der Leitsysteme mit den MES-Systemen als Beispiel. Die Vernetzung geht hoch bis auf ERP-Ebene, also SAP-Ebene. Empfängt das SAP-System einen Auftrag, stößt dieser die Vorgänge bis zur Rezeptursteuerung im MES-System und dann die entsprechende Regelung und Steuerung der Anlage über das Leitsystem an. Das nenne ich eine gesamthafte Lösung“, legt Ziesemer dar. Jedoch werde diese Entwicklung durch unklare Schnittstellendefinitionen behindert. Von der VDI-Richtlinie 5600 werde dahingehend eine entsprechende Klarheit erwartet. „Interessant ist der MES-Weltmarkt allemal mit ca. 20Mrd. US-Dollar und einer Wachstumsrate von ca. fünf Prozent nur in der Prozessindustrie.“

Auch für das Plant Asset Management steigt der Bedarf an Automatisierungstechnik. Die Feldbusse entwickeln sich in den Projekten nur langsam und noch immer findet sich in über 80Prozent der Projekte das Hart-System. Die Wireless-Anknüpfung schreitet ebenso langsam voran und Michael Ziesemer betont: „Bevor das wirtschaftlich breit an Bedeutung gewinnen wird, werden noch viele Jahre vergehen.“ Sinn mache der Einsatz dort, wo Messstellen in entlegenen Außenbereichen oder in räumlich weit verbreiteten Strukturen eingesetzt werden müssen. Auf Basis der verbreiteten Hart-Geräte werde Wireless Hart an Bedeutung gewinnen, wobei interessant sein werde, welcher Standard sich durchsetzen wird.

Energieeffizienz als Konjunkturmotor

Energie einzusparen ist nicht mehr nur ein Schlagwort, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil. Es geht einerseits darum, denEnergiebedarf zu senken wie auch die Kohlendioxidemission zu reduzieren. Die Automatisierung von Prozessanalagen „leistet hierfür nicht nur einen Beitrag, sie ist der wichtigste Treiber“, betont Michael Ziesemer. Im Fokus stünden neben den Hauptprozessen auch die Nebenprozesse wie Lüften oder Pumpen, die Einsparpotenziale zwischen 30 und 70Prozent böten.

Fazit: Nach einigen guten Jahren kann die Automatisierungsbranche auch 2007 sehr zufrieden sein. Alle Kennzahlen stehen deutlich im Plus und bereits erteilte Aufträge lassen für 2008 einen positiven Abschluss erwarten. Zwar verteuern hohe Rohstoffpreise die Produktion, machen jedoch Investitionen in deren Verarbeitung interessant. Dazu verstärken die hohen Energiepreise die Entwicklung von energieeffizienten Prozessen, die vor allem eine moderne Automatisierung erfordern. Als Bremse könnte sich der Fachkräftemangel auswirken, denn „für Innovationen braucht es vor allem eines: gut ausgebildete Ingenieure“, unterstreicht Dr. Gunter Kegel.

Heftausgabe: Juni 2008

Über den Autor

Dr. Etwina Gandert, Redaktion
Loader-Icon