Chargenrückverfolgung und Probenahme sind eng miteinander verbunden

Auf die Ziehung kommt es an

11.05.2007 Rückverfolgungssysteme haben nicht nur den Zweck, im Falle von Rückrufaktionen den Schaden zu begrenzen, sondern helfen auch, Prozesse zu optimieren. Das Beispiel zeigt, wie wichtig eine intelligente Probenahme aus den einzelnen Produktionsprozessen für die Chargenrückverfolgung tatsächlich ist.

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Das Thema Rückverfolgbarkeit einzelner Chargen rückt je nach Branche immer stärker in den Vordergrund. Mit Containersystemen, intelligenter Prozessleit- und Visualisierungstechnik einerseits und entsprechenden Probenahmesystemen andererseits lassen sich die EU-Verordnung 178/2000 oder andere Gesetze/Vorschriften für die Pharmaindustrie oder andere Branchen erfüllen.

Für diesen Zweck können die Container mit entsprechenden Transpondersystemen, Barcode-Identifikationssystemen oder mit RFID-Technologien ausgerüstet werden. Wesentlicher Vorteil: Bei einer weitläufigen Produktion weiß der Betreiber jederzeit, welche Bestände vorhanden sind, wo sich die Container befinden, wie viele Vormischungen es gibt und welche Fertigmischungen bereits produziert wurden. Das macht eine optimale Produktionsplanung, verbunden mit einer reproduzierbaren Chargenrückverfolgung, möglich. Dabei spielen die Prozessleit- und Visualisierungssysteme eine entscheidende Rolle. Hinzu kommen neue Entwicklungen im Bereich der Probenahme, die diese Maßnahmen erheblich unterstützen.

Probebehälter sind einfach zu entnehmen und wieder zu montieren

Pneumatische Probenehmer zur Entnahme von Proben aus Silobefüllleitungen werden in erster Linie bei der Befüllung von Außen- und Innensilos eingesetzt. Sie dienen dazu, bei der Anlieferung durch Silofahrzeuge entsprechende Proben zu entnehmen. Ein besonderer Vorteil ist die kompakte Bauweise, die es ermöglicht, mit dem Probenehmer aus mehreren pneumatischen Silobefüllleitungen Proben zu entnehmen und diese entsprechend in Probebehälter abzufüllen. Pneumatische Probenehmer bestehen aus einem Abscheider, an den die einzelnen Silobefüllleitungen angeschlossen werden können. Ein kleiner Filter mit Druckluftspülung gehört ebenfalls zum Ausstattungspaket. Ausführungen mit Füllstandmelder und Abschlussklappe sind ebenfalls verfügbar. Die manuell oder pneumatisch betätigte Absperrklappe dient als Absperrorgan. Durch den bei der Silobefüllung anstehenden Überdruck wird eine definierte Menge des Produktes in den Abscheider gedrückt, die Luft entweicht dabei über einen Filter ins Freie. Der Füllstand kann über den Füllstandmelder überwacht werden. Dieser meldet dem Bediener, dass die Probe über die manuelle Abschlussklappe in den folgenden Probebehälter entleert werden kann. Danach wird der Probebehälter einfach über einen Schnellverschluss demontiert, mit einem Deckel verschlossen und ins Labor gebracht. So kann nacheinander aus jeder Befüllleitung, während des Befüllvorgangs eine entsprechende Probe entnommen werden. Erst wenn das Labor die Proben freigegeben hat, wird das im Silo eingefüllte Produkt für die weitere Produktion freigegeben. Werden bei den Probenahmen Fehler bzw. Unregelmäßigkeiten festgestellt, besteht die Möglichkeit, bei entsprechender Anlagenkonfiguration die Anlieferung für die weitere Produktion zu sperren, das Produkt wieder auszuschleusen und an den Lieferanten zurückzugeben. Diese Systeme eignen sich auch, um bei Big-Bag- oder Sackwareanlieferungen aus den Big-Bag-Entleerstationen oder Einfülltrichtern Proben zu entnehmen oder während der Produktion aus Fallrohren und Behältern Stichproben zu ziehen.

Es sind Systeme mit Entnahmekolben oder mit Schnecken verfügbar

Mit Probenehmern mit Entnahmekolben können Stichproben aus Fallrohren oder drucklosen Behältern entnommen werden. Sie sind einsetzbar bis zu einer maximalen Trichterschräge von 30° bei gut fließenden Produkten und Schüttgütern. Durch die modulare Bauweise ist dieser Probenehmer auf den jeweiligen Einsatzfall anpassbar. Konstruktionsbedingt kann das Gerät schnell demontiert und gründlich gereinigt werden. In verschiedenen Ausführungsvarianten ist der Probenehmer sowohl mit pneumatischem Schwenkantrieb, als auch mit manuellem Antrieb über eine Handkurbel lieferbar. Der Einbau des Probenehmers erfolgt entweder über eine Tri-Clamp-Verbindung oder über einen Flansch. Das Gerät besteht aus einem Gehäuse, dem Kolben mit einer Durchgangsbohrung, dem Anschlussstutzen, dem Probebehälter sowie dem Antrieb. Durch den pneumatischen Schwenkantrieb oder manuellen Kurbelantrieb wird die schräge Bohrung im Kolben, welcher sich in der Produktsäule befindet, freigegeben. Dadurch kann das rieselfähige Produkt in den Probebehälter fließen. Nach der Probenahme wird der Drehkolben wieder gedreht und dicht geschlossen. Dann kann der befüllte Probebehälter abgenommen und mit einem Deckel verschlossen werden. Damit auch das System geschlossen bleibt und eine Kontamination im Behälter oder Fallrohr vermieden wird, sollte sofort wieder ein neuer gereinigter Probebehälter angebracht werden.

Stich- oder kontinuierliche Proben können entnommen werden

Als Alternative zu dem Probenehmer mit Entnahmekolben sind auch Systeme mit Entnahmeschnecke einsetzbar. Bevorzugte Einsatzgebiete sind hier: Entnahme von Stichproben oder kontinuierliche Probenahme aus Fallrohren oder drucklosen Behältern mit einer Trichterschräge bis 30°. Durch die modulare Bauweise ist es möglich, sowohl die Schneckenwellen-Steigung als auch den Antrieb auf die gewünschte Probenahmeleistung anzupassen. Die reinigungsfreundlichen Ausführungen lassen sich durch die modulare Bauweise an den jeweiligen Einsatzfall leicht anpassen. Das Gerät gibt es in verschiedenen Varianten sowohl mit pneumatischem oder elektrischem Antrieb, als auch mit manueller Handkurbel als einfachste Ausführung. Der Einbau z.B. in ein Fallrohr oder einen Behälter kann über eine Tri-Clamp-Verbindung oder über einen Flansch erfolgen. Das Gerät besteht aus einem Schneckengehäuse, der Schnecke, dem Anschlussflansch sowie dem Auffanggefäß für die Proben. Ob die Probenahme stichprobenartig oder kontinuierlich erfolgt, ist in der jeweiligen Ansteuerungseinheit festgelegt. Durch das pneumatische, elektrische oder manuelle Drehen der Schnecke wird eine gewisse Menge aus dem vorbei fließenden Produkt entnommen und in ein transparentes Auffanggefäß gefördert. Ist die Probenahme beendet, wird der Sammelbehälter mit der Probe durch einen Schnellverschluss gelöst und mit einem Deckel verschlossen. Das geschlossene Gefäß kann nun zum Labor gebracht werden. Damit auch das komplette System geschlossen bleibt und einer Kontamination im Behälter vorgebeugt wird, sollte auch hier sofort wieder ein neuer Probenahmebehälter angebracht werden.

Fazit: Die Beispiele zeigen, dass die Chargenverfolgung eng mit der Probenahme verbunden ist und in modernen Produktionsbetrieben für die permanente Qualitätssicherung einen wesentlichen Beitrag leistet. Die Betreiber sollten immer wissen, wo sich die Rohstoffe befinden, wie sie beschaffen sind und wo gegebenenfalls eingegriffen werden muss. Es lohnt sich also, den Herstellungsprozess vieler Produkte und Mischungen in dieser Hinsicht zu durchleuchten, um letztendlich Rationalisierungspotenziale aufzudecken und die Qualität der Produkte entsprechend zu verbessern.

Heftausgabe: Mai 2007

Über den Autor

Walter Sonntag, Leiter Marketing, AZO
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