Generator auf heißer Mission

Autarke Stromerzeugung in der Wüste

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17.08.2016 In einer denzentral gelegenen Gegend der arabischen Wüste betreibt die BASF-Tochter Wintershall einen Standort, bei dem der benötigte Strom aus einem Generator stammt. Ob der hohen Umgebungstemperatur spielte der Ex-Schutz natürlich eine ganz besondere Rolle.

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Entscheider-Facts für Betreiber und Planer

  • Eine mit Begleitgas gespeiste Gasturbine zusammen mit einem Synchrongenerator ersetzt ein Diesel-Kraftwerk an einem Standort zur Ölförderung in Libyen.
  • Durch den Betrieb mit anfallendem Begleitgas ist der Standort unabhängig von Diesellieferungen per Lkw. Mit dem Wegfall des Lkw-Transports sinken Unfallrisiko, Kosten und CO2-Emissionen.
  • Die Bedingungen in der nordafrikanischen Wüste setzen einen robusten Generator voraus, der auch unter hohen Temperaturen und nach Sandstürmen zuverlässig ist.

Anlagenbau in der libyschen Wüste: Wintershall-Mitarbeiter bei Inspektionen am Standort Nakhla. Bild: Wintershall

Anlagenbau in der
libyschen Wüste:
Wintershall-Mitarbeiter bei Inspektionen am Standort Nakhla. Bild: Wintershall

Die Insellösung aus Generator und Gasturbine erzeugt Tag und Nacht Strom aus Begleitgas der Separierungsanlage in Nakhla. Bild: WEG

Die Insellösung aus Generator und Gasturbine erzeugt Tag und Nacht Strom aus Begleitgas der Separierungsanlage in Nakhla. Bild: WEG

Energie vor Ort statt Diesel-Transport: Um den Diesel-Durst des Kraftwerks am libyschen Wintershall-Standort Hamid zu stillen, legten Lkw-Fahrer bis ins Jahr 2009 Tausende Kilometer pro Jahr zurück. Rund 300-mal im Jahr fuhren sie hierfür die Strecke von Marsa al-Burayqah an der libyschen Küste bis ins 300 km weiter südlich gelegene Hamid, um den Diesel-Bedarf von 40.000 l pro Woche zu decken. Der Standort Hamid sowie die 26 km entfernte Gas-Öl-Separierungsanlage am Standort Nakhla bezogen aus dem Diesel-Kraftwerk ihre Energie, bis der Betreiber im Jahr 2009 in Nakhla mit Modernisierungsarbeiten begann.

Begleitgas nutzen, nicht abfackeln

Die Lösung mit regelmäßigem Lkw-Transport war auf Dauer kostenintensiv und barg außerdem ein gewisses Unfallrisiko. Durch das mögliche Ausbleiben eines Versorgungs-Trucks bestand latent die Gefahr eines Stromausfalls und einem damit verbundenen kostspieligen Produktionsstopp. Hinzu kam ein gestiegener Energiebedarf an beiden Standorten, den die Einführung des Wasserinjektions-Verfahrens mit sich brachte.

Statt das alte, abgelegene Dieselkraftwerk am Standort Hamid aufzurüsten, entschied der Betreiber, die Stromerzeugung an der Separierungsanlage am Standort Nakhla zu zentralisieren, um das dort anfallende Begleitgas zur lokalen Stromerzeugung zu nutzen. Das Gas wird dort nicht wie häufig üblich abgefackelt, sondern aufwendig aufbereitet, was einen wesentlichen Beitrag zur Minderung des Kohlendioxid-Austoßes in Libyen leistet. Zu diesem Zweck installierte das Unternehmen eine Hochleistungs-Gasturbine mit einer Nennleistung von 7 MW in Kombination mit einem kundenspezifischen Synchrongenerator inklusive passendem Automatisierungs- und Steuerungspaket von WEG. Das Ergebnis ist eine redundante, autarke Stromerzeugung, die das anfallende Begleitgas aus der Separierungsanlage nutzt. Dadurch steigen sowohl Umweltfreundlichkeit als auch die Verfügbarkeit der Anlage.

Heftausgabe: November 2016
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Über den Autor

Andreas Schulte Mesum, Director European High Vol­tage Solutions, WEG
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