Excel ade

Aveva rollt datenbankzentrierten Ansatz auf 2D-Engineering in der Verfahrenstechnik aus

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12.12.2011 Im Anlagenbau dominiert die Tabellenkalkulation Excel zahlreiche Arbeitsschritte, wie zum Beispiel das Listenmanagement. Die Crux: Versionen zu verwalten und Änderungen zu erkennen, ist damit eine schier unlösbare Aufgabe. Mit einer neuen, datenbankzentrierten Lösung hat sich Aveva dieses Problems angenommen – und will mit dieser und weiteren Engineering-Softwarelösungen im verfahrenstechnischen Anlagenbau deutlich wachsen.

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Excel ist das liebste Tool des Ingenieurs: Ob Rohrleitungslisten, Instrumentierungstabellen oder andere Stücklisten und Komponentenkataloge, meist werden die Informationen dazu in der beliebten Tabellenkalkulation von Microsoft angelegt, bearbeitet und archiviert. Und auch als Datenaustausch-Format spielt Excel im Engineering heute eine dominierende Rolle. Schwierig wird es allerdings, wenn mehrere Bearbeiter auf ein Dokument zugreifen und Änderungen im Planungsprozess verfolgt und transparent gemacht werden sollen.
Häufig müssen im Projektablauf Planungsstände zu bestimmten Zeitpunkten eingefroren und konsistent gemacht werden (Freezing Point). Dabei geschieht beispielsweise der Abgleich zwischen dreidimensionaler Rohrleitungsisometrie, zweidimensionaler Rohrleitungsisometrie und Rohrleitungs- bzw. Stücklisten. Je nach Integrationsgrad ein schwieriges Unterfangen. Sollen schließlich auch noch Änderungen bzw. Abweichungen zu einem früheren Freezing Point deutlich gemacht werden, kann der Zeitaufwand mit klassischen Tools enorm sein. Dazu kommt, dass zum Zeitpunkt des Abgleichs meist nicht nur ein Gewerk – im Beispiel die Rohrleitungen – konsistent gemacht werden muss, sondern verschiedene Disziplinen aus der verfahrenstechnischen Planung, der Bauplanung oder der Automatisierung abzugleichen sind.

Datenbankzentrierter Ansatz für
das Listenmanagement

Der CAE-Anbieter Aveva will dieser Problemstellung nun mit einem neuen Werkzeug zu Leibe rücken: Das Modul Aveva Engineering bewerkstelligt das Datenmanagement von Listen mit einem datenbankzentrierten Ansatz. „Damit ist es möglich, Listen zentral zu pflegen und deren Inhalte mit allen Produkten unseres Hauses konsistent zu halten“, erläuterte Helmut Schuller, Geschäftsführer bei Aveva, den Ansatz im Rahmen einer Pressekonferenz. In der kollaborativen Datennutzung sieht der Anbieter einen Weg, den Einfluss von Änderungen auf Kosten, Zeitplan, Qualität und Risiko zu reduzieren, da Änderungen schnell kommuniziert werden können. Durch die Möglichkeit, Daten-Inkonsistenzen schon während der Planung zu ermitteln, steigt die Planungsqualität und lässt sich vermeiden, dass späte Änderungen zu teurer Mehrarbeit führen.
Aber auch beim Vergleichen von Lieferanten, Lieferpaketen und Lieferantenlisten ist ein Versionsabgleich interessant: „Anwender haben die Möglichkeit, jederzeit On-demand-Abgleiche zu unseren anderen Werkzeugen, aber auch zu Produkten dritter Anbieter – darunter auch Excel – durchzuführen“, erläutert Markus Herrmann, Technical Manager bei Aveva. Der Anbieter geht dabei einen anderen Weg als klassische Lösungen, die alle Informationen in einer einzigen Datenbank sammeln, oder mit einer streng geführten Organisation und Datenbus-Lösungen verschiedene Werkzeuge zusammenführen: So soll die neue Softwarelösung eine verteilte Datenhaltung kontrolliert unterstützen. Parallele Prozesse und Inkonsistenzen sind dabei ebenfalls möglich.

Änderungen und Löschungen in Listen werden sichtbar
Im Projektablauf finden die Softwareexperten häufig die Situation vor, dass Listen aus vorhandenen Projekten als Grundlage (Masterdokument) genutzt werden. Dieses Dokument dient im späteren Projektablauf als Vergleichsgrundlage, Änderungen – beispielsweise bei Nennweiten und Abmessungen – ziehen sich danach wie ein roter Faden durch das Projekt. Häufig ist dieses Masterdokument eine Eigenentwicklung, die auf Excel basiert. Wir speichern in unserer Lösung alle Änderungen mit ab und ersetzen damit den heute meist noch manuellen Prozess“, erläutert Schuller. Die Übernahme der Listen erfolgt per Excel-Import. Dadurch ist es möglich, Listen jederzeit anzunehmen und Änderungen zu verfolgen – insbesondere Löschungen sichtbar zu machen. Lieferanten von Package Units können auf dem selben Wege ihren Kunden einfach Informationen über Komponenten zur Verfügung stellen, die beispielsweise zur Instrumentierung oder Konfiguration der Leittechnik benötigt werden.
Das Engineering-Werkzeug basiert auf einem skalierbaren Datenbank-Ansatz, der multidisziplinäre und Mehrbenutzer-Arbeitsumgebungen unterstützt. „Weil Excel aufgrund seiner einfachen Bedienung und Anpassbarkeit so beliebt ist, haben wir die Benutzerschnittstelle mit der gleichen Technik realisiert, die auch modernen MS-Office-Umgebungen zu Grunde liegt“, erläutert Schuller. Die MS-Office-Fluent-Schnittstelle schließt vertraute Funktionalitäten aus aktuellen Tabellenkalkulationspaketen ein, ist konfigurierbar und beinhaltet die Programmmiersprache PML sowie .Net APIs, über die das Tool an die Anforderungen von Projekten, Anwendern und Branchen angepasst werden kann. „Allerdings lag ein Entwicklungsschwerpunkt darauf, die Implementierung möglichst einfach zu halten“, ergänzt Schuller.
Das Engineering-Werkzeug ist Teil der Strategie des CAE-Anbieters Aveva, den Marktanteil im Segment Verfahrenstechnik deutlich auszubauen (siehe Textkasten). Dazu hat der Anbieter des Klassikers PDMS in jüngster Zeit Module für die Instrumentierung, die Elek­troplanung sowie für die Fließbilderzeugung (Diagrams) vorgestellt.

Fragen an Helmut Schuller, Geschäftsführer
„Für jede physikalische Anlage eine digitale Version“

Vier neue Softwaremodule in zwei Jahren – welche Ziele verfolgen Sie mit dieser Ausweitung Ihres Angebots?
Schuller: Wir wollen den digitalen Engineeringprozess über den kompletten Lebenszyklus einer Anlage begleiten und unterstützen. Im Kern geht es darum, dass für jede physikalische Anlage eine digitale Version vorhanden ist, die über den gesamten Lebenszyklus gepflegt wird. Mit den neuen Produkten, insbesondere dem Modul „Engineering“ haben wir uns vorgenommen in der Verfahrenstechnik rasant zu wachsen. Hier wollen wir im deutschen, österreichischen und Schweizer Raum unseren Umsatz von 2011 bis 2013 jedes Jahr verdreifachen.

Mit Aveva.net hatten Sie den Ansatz „Offenheit und Integration“ für und von Fremdprodukten vertreten. Nun also auch eine monolithisch integrierte Engineering-Lösung von Aveva?
Schuller: Nein. Die Software-Module sind austauschbar – es können auch Wettbewerbsprodukte eingesetzt werden. Aber wir sind davon überzeugt, dass der objektorientierten, datenbankzentrierten Technik die Zukunft gehört. Die Besonderheit unserer Lösung besteht darin, dass wir Dokumente wie Listen, Diagramme, 3D-Planung etc. automatisch vergleichen können.

Wie sieht der technologische Ansatz dafür aus?
Schuller: Wir nutzen hier unsere Erfahrungen aus über drei Jahrzehnten PDMS: Grundlage ist ein datenbankzentrierter Ansatz und der bereits in PDMS realisierrte Änderungsvergleich. Diese Funktion bildet die Basis für das neue Werkzeug „Engineering“.

Wie wollen Sie den bereits gut besetzten Markt für Planungstools in der Verfahrenstechnik aufrollen?
Schuller: In vielen großen Planungsunternehmen wird im Listenmanagement immer noch von Hand gearbeitet. Wenn wir solche Anwender von unserer Lösung überzeugen, dann werden die Zulieferer nachfolgen.

Heftausgabe: Dezember 2011

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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