Schluss mit ganz oder gar nicht

Basotect als Schwappschutz

01.08.2013 Digitalfahrt ist vielleicht der Begriff, der es am besten beschreibt. Bisher standen Unternehmen, die Flüssiggastanker über die Weltmeere schicken, vor der Wahl: 1 oder 0. Entweder die Tanks waren voll oder leer (in der Realität hieß das: Entweder waren die Tanks zu über 80 oder unter 10 % befüllt). Lag der Wert dazwischen, drohte das flüssige Gas bei Seegang ins Schwappen zu geraten – und das Schiff zum Kentern zu bringen.

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Der Stoff, der in die Kälte kam
In der Praxis führte diese Limitierung zu Nachteilen für alle Beteiligten: Auf der Logistikseite standen die Unternehmen vor dem Problem, dass jedes Schiff immer nur einen Hafen anlaufen konnte, um dann wieder an die Basisstation zurückfahren zu müssen. Leerfahrten, die Zeit und damit Geld kosten. Die Flüssiggasabnehmer hingegen waren insofern in ihrer Freiheit beschränkt, als dass es für sie Mindestbestellmengen gab. Im Alltag führte dies oft zu sehr unwirtschaftlichen Lösungen – und das bei einem Transportaufkommen, das rund einem Drittel der weltweiten Gasproduktion entspricht. Eine Lösung haben nun die BASF und Samsung Heavy Industries entwickelt. Kern des Systems ist ein in der Kryotechnik bereits bekannter Werkstoff: Basotect, ein ebenfalls vom Ludwigshafener Chemiekonzern entwickelter Schaumstoff aus Melaminharz, der bereits für die Isolation der LNG-Tanks zum Einsatz kommt. Die Auswahl fiel auf das Material, da es selbst bei Temperaturen unter -200 °C noch flexibel bleibt und damit auch bei schwerem Seegang keine Schäden an der Behälter-Innenwand verursachen kann. Um den erwünschten Schutz gegen das sogenannte Sloshing zu erhalten, bilden jeweils zwei Quader des Kunststoffs einen Würfel, in dessen Mitte ein Auftriebskörper eingebracht ist. Dieser wirkt wie eine Boje und verhindert, dass das mit Flüssiggas vollgesaugte Basotect mehr als 80 % einsinkt. Diese Würfel sind wiederum mit einem für den kryogenen Einsatz geeigneten Faserstoff aus Polyarylat verbunden, wodurch sie einen schwimmenden Teppich auf dem LNG bilden. Da der Teppich zwar schwimmfähig, aber durchlässig für Flüssigkeiten und Gase ist, können Betreiber die Anti-Sloshing-Anwendung bereits vor dem Befüllen mit Flüssiggas in den Tank einbringen und auch danach verbleiben lassen.

Schwappt nicht, verdampft nicht
Untersuchungen der Fakultäten für Schiffsbau und Meerestechnologie der Seoul National University sowie der Busan National University, beide ansässig in Südkorea, ergaben, dass die Technologie die bis dato durch das Schwappen verursachten Druckspitzen auf ein Fünftel reduziert. In direkter Folge können Konstrukteure künftig auf die bisher nötige oktogonale Form der Tanks verzichten und diese nun rechteckig abschließen lassen. Hierdurch ergibt sich zum einen ein Mehrvolumen von 5 %, gleichzeitig ermöglicht die vereinfachte Tankergeometrie Einsparungen in der Herstellung. Dritter und letzter Vorteil ist ein vermindertes spontanes Verdunsten des Flüssiggases, die sogenannte Boil-Off-Rate (BOR). Hierdurch verbessert sich nicht nur die Sicherheit, gleichzeitig erhöht sich auch die Menge an LNG, die letztendlich am Zielhafen ankommt. Daher lautet der volle Name der Anti-Schwapp-Technologie auch: Abas-Konzept (Anti-Boil-Off Anti-Sloshing).

Mehr Informationen über Basotect erhalten Sie hier.
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Heftausgabe: August 2013

Über den Autor

Philip Bittermann, Redakteur
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