BAVC: höher qualifizierte Beschäftigte haben zugenommen

11.08.2014 In der deutschen chemisch-pharmazeutischen Industrie hält der Trend zu Arbeitsplätzen mit höherer Qualifikation weiterhin an. Dies geht aus einer Analyse des Bundesarbeitgeberverbandes Chemie (BAVC) in Wiesbaden hervor, über die der Verband in seinem Newsletter „Impuls“ vom August berichtet.

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Der Trend zu höher qualifizierten Arbeitsplätzen hat sich aber in den letzten Jahren verlangsamt. Der Anteil der weiblichen Beschäftigten liegt bei über einem Viertel. Ein weiteres Charakteristikum der Chemie-Branche ist die weit verbreitete Schichtarbeit. Dies sind zentrale Ergebnisse einer BAVC-Analyse zur Beschäftigungsstruktur und zur Besetzung der tariflichen Entgeltgruppen E1 bis E13 für das Erhebungsjahr 2013.

Anhaltender Qualifizierungstrend
Seit der Einführung des Bundesentgelttarifvertrags (BETV) im Jahr 1988 ist ein kontinuierlicher Trend zu einer höheren Qualifikation der Chemie-Beschäftigten und zu anspruchsvolleren Tätigkeiten zu verzeichnen (siehe Tabelle). Die Bedeutung der Arbeitsplätze in den Entgeltgruppen E1 bis E5 hat über die Jahre stetig abgenommen. Der Anteil der typischen Facharbeitergruppen und vergleichbaren Angestellten (E6 bis E8) und auch das Segment der gehobenen Tätigkeitsgruppen (E9 bis E13) ist hingegen angewachsen.

Im Vergleich zum Jahr 1988, in dem die Entgeltgruppen-Klassifikation eingeführt wurde, hat sich der Anteil der un- und angelernten Beschäftigten im Bereich E1 bis E3 von 21 % auf heute 8,6 % mehr als halbiert. Einfache Tätigkeiten in der chemischen Industrie haben damit im Zeitverlauf deutlich an Boden verloren. Ursächlich hierfür sind neben gestiegenen qualifikatorischen Anforderungen an die Belegschaften auch lohnkostenbedingte Rationalisierungspotenziale, die einfachere Tätigkeiten durch Automatisierung oder Auslagerung obsolet machen.

In den Entgeltgruppen E4 und E5, in denen hauptsächlich Beschäftigte mit einer zweijährigen Berufsausbildung tätig sind, sank der Anteil von einstmals 18 % auf nunmehr 11,4 % im Berichtsjahr 2013. Deutlich zugelegt hat hingegen der Bereich E6 bis E8, in dem Facharbeiter und Angestellte mit einer dreijährigen Berufsausbildung tätig sind. Hier stieg der Anteil von 30 % auf aktuell 40,5 %.
Die Bedeutung der Beschäftigten in den Entgeltgruppen E9 bis E13, in denen zum Teil auch Angestellte mit Fachhochschul- und Universitätsabschlüssen eingruppiert werden, hat ebenfalls zugenommen: von 31 % auf 39,6 %.

Überdurchschnittliche Vergütung
Das im Branchenvergleich hohe Anforderungs- und Qualifikationsniveau der Mitarbeiter in den Chemie- und Pharma-Unternehmen spiegelt sich auch in deren Vergütung wider. Mit einem durchschnittlichen Entgelt von 55.401 Euro je Beschäftigten im Jahr 2013 übertrifft die Chemie das Vergütungsniveau des Verarbeitenden Gewerbes (44.564 Euro) um fast 25 %.

Frauen und Männer in der Chemie
Im Jahr 2013 waren von den Tarifbeschäftigten der chemischen Industrie 72 % männlich und 28 % weiblich. Der Anteil der jungen Frauen bei den Auszubildenden lag mit 30,1 % etwas höher. Bemerkenswert erscheint der Unterschied in der Beschäftigungsstruktur bei Männern und Frauen. Bei den männlichen Mitarbeitern dominiert der Entgeltbereich E6 bis E8 – dies ist die klassische Domäne der häufig produktionsnahen Tätigkeiten. Der Schwerpunkt bei Frauen liegt hingegen in den Entgeltgruppen E9 bis E11 und damit im Segment der mittleren und gehobenen Aufgabenbereiche.

Schichtarbeit weit verbreitet
Im Rahmen der BAVC-Statistik wurden auch Strukturdaten zu den Arbeitszeitmodellen und Beschäftigungsformen erhoben. Von den Tarifbeschäftigten des Jahres 2013 befanden sich 84,9 % in Vollzeitbeschäftigung und 10,9 % in Teilzeit. Weitere 4,2 % befanden sich in der aktiven oder passiven Phase der Altersteilzeit. Während der Anteil der Teilzeit-Arbeitsverhältnisse seit einigen Jahren stabil bei einer Größenordnung von 11 % liegt, sind Altersteilzeit-Arbeitsverhältnisse seit dem Jahr 2009 (7,2 %) rückläufig.

Kennzeichnend für die Produktions- und Arbeitsanforderungen in der chemischen Industrie ist der Einsatz von Schichtarbeit – mit einem Anteil von gut 30 %. Zuletzt arbeiteten 69,4 % der Beschäftigten in Tagschicht, 24,4 % in vollkontinuierlicher und 6,2 % in teilkontinuierlicher Schichtarbeit. Der Schwerpunkt findet sich bei den produktionsnahen Entgeltgruppen E1 bis E7. Hier liegt der Anteil derjenigen, die im Schichtbetrieb arbeiten, zumeist zwischen 40 und 50 %.

(dw)

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