Puzzle aus 100.000 Teilen komplett

Bayer Material Science schließt Mega-TDI-Projekt in Dormagen ab

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04.03.2015 Auch wer in Deutschland eine Anlage für Kunststoff-Zwischenprodukte baut, kann nicht kleckern, sondern muss klotzen. So auch die Bayer-Tochter Material Science, die sich mit dem Abschluss ihrer Großinvestition im rheinischen Dormagen nun ein großes Kuchenstück der weltweiten Produktionskapazität für den Weichschaum-Rohstoff TDI sichert. Und verfahrenstechnische Tricks und Raffinesse sorgen dafür, dass die 400-Mio.-Euro-Investition auch den globalen Wettbewerbsvergleich nicht scheuen muss.

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Entscheider-Facts


Für Stauner

  • Im Chempark Dormagen hat der Kunststoff-Hersteller Bayer Material Science im Dezember eine Anlage zur Produktion von 300.000 Jahrestonnen TDI in Betrieb genommen.
  • Die von Bayer Technology Services geplante und gebaute Anlage besteht aus über 100.000 Einzelteilen.
  • Den Komplex hat sich die Bayer-Tochter 250 Mio. Euro kosten lassen, zusammen mit Ausgaben für Infrastruktur wurden rund 400 Mio. Euro investiert.

März 2015

Mit der neuen TDI-Anlage in Dormagen hat Bayer die größte Einzelinvestition der vergangenen Dekade in Deutschland abgeschlossen (Bildquelle: Bild: Bayer)

 

Sehr geduldige Menschen wagen sich schon mal an Puzzles mit mehr als 1.000 Teilen. Doch wer den Faktor 100 sucht, wird auch auf spezialisierten Hobbyseiten im Internet nicht mehr fündig. Anders dagegen im Chempark Dormagen. Dort hat der Kunststoff-Hersteller Bayer Material Science im Dezember eine Anlage in Betrieb genommen, die aus über 100.000 Einzelteilen zusammengesetzt wurde. In dem 50 Meter hohen Komplex wurden 4.000 Tonnen Stahl, 62 Kilometer Rohre und 3.200 einzelne Leitungen verbaut. Geplant wurde die neue Anlage von der konzerneigenen Technologieschmiede Bayer Technology Service. Das Ziel der Mühen: Jährlich sollen künftig 300.000 Tonnen des Weichschaum-Rohstoffs Toluol-Diisocyanat (TDI) in der neuen Anlage produziert werden. Den Komplex hat sich die Bayer-Tochter 250 Mio. Euro kosten lassen, zusammen mit Ausgaben für Infrastruktur sowie die zum Projekt gehörenden Investitionen weiterer Unternehmen am Standort wurden sogar rund 400 Mio. Euro ausgegeben.

Kostenvorteile durch Verfahren und Stoffverbund
Ob die Rechnung aufgehen wird, hängt an einer Reihe von Faktoren: Auf der einen Seite steigt der Bedarf an Weichschäumen für die Möbelindustrie, Matratzen, als Lackrohstoff und im Automobilbau kontinuierlich. Alleine für Europa, den Mittleren Osten und Afrika wird mit einem Bedarfszuwachs von rund 3 Prozent pro Jahr gerechnet. Auf der anderen Seite eröffnet das in Dormagen genutzte Verfahren der Gasphasenphosgenierung signifikante Kostenvorteile: Während die klassische Basenphosgenierung des Toluol-Diamins (TDA) im Lösemittel (ortho-Dichlorbenzol) erfolgt, und dieses anschließend energieaufwendig per Destillation vom Produkt TDI getrennt wird, reagieren bei dem in Dormagen verwendeten Verfahren TDA und Phosgen in der Gasphase bei 300 °C.  Das spart rund 80 Prozent Lösemittel.
Weil dadurch bei der sich an die Reaktion anschließenden Reinigung deutlich weniger Lösemittel destillert werden muss, sinken die Energiekosten gegenüber der Basenphosgenierung um bis zu 60 Prozent. Außerdem ist die Verweilzeit der Reaktionspartner im Reaktor deutlich niedriger – sie sinkt von knapp einer Stunde bei der Basenphosgenierung auf weniger als eine Minute in der Gasphase. Dabei werden rund 40 Prozent weniger Phosgen benötigt. Und schließlich werden die Anlagenteile so deutlich kleiner, was sich in niedrigeren Investitionskosten auszahlt. „Von solchen Zahlen träumen unsere Wettbewerber – das bringt entscheidende Vorteile im Markt“, freut sich Steffen Kühling, Programm Manager TDI bei Bayer Material Science in Dormagen, über die wirtschaftlichen Vorteile des Verfahrens im an sich eng kalkulierten Kunststoffmarkt.

Heftausgabe: März 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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