Deutlicher Rückstand

Branchenvergleich Chemie und Pharma zur Digitalisierung

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02.03.2016 Der aktuelle Digitalisierungsgrad in den verschiedenen Branchen weist nach einer Studie im Auftrag der d.velop-Gruppe sehr deutliche Unterschiede auf. Weil die Chemie- und Pharmaunternehmen noch erhebliche Strategiedefizite aufweisen und sie mit Papierdokumenten als digitalem Störenfried der Geschäftsprozesse zu kämpfen haben, belegen sie nur den drittletzten Platz im Ranking der zehn untersuchten Wirtschaftssektoren.

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Entscheider-Facts Für Manager und Betreiber

 

  • Der Untersuchung mit insgesamt 1.143 befragten Unternehmen liegt mit dem Digital Process Index (DPI) eine Methode zugrunde, die den digitalen Reifegrad der Geschäfts- und Produktionsprozesse in den Unternehmen analysiert.
  • Es ist inzwischen unbestritten, dass sich in der Digitalisierung eine Erfolgsformel für das Wachstum und die Rentabilität von Unternehmen verbirgt. Insofern besteht ein erheblicher Handlungsbedarf, um die Konkurrenzfähigkeit im Markt zu sichern.
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Der Untersuchung mit insgesamt 1.143 befragten Unternehmen liegt mit dem Digital Process Index (DPI) eine Methode zugrunde, die den digitalen Reifegrad der Geschäfts- und Produktionsprozesse in den Unternehmen analysiert. Der Index setzt sich aus den gewichteten Ergebnissen von insgesamt zehn Parametern zusammen, wozu beispielsweise die strategische Positionierung und das Investitionsengagement für die digitale Transformation sowie die Entwicklung neuer Business-Modelle ebenso gehören wie die aktuellen Digitalisierungsbedingungen in der Unternehmensorganisation. Auch die mobile und kollaborative Ausrichtung der Geschäfts- und Arbeitsprozesse sowie der systematische Umgang mit den digitalen Veränderungen wurden analysiert.

Die ITK-Unternehmen weisen hier einen deutlichen Vorsprung gegenüber dem Finanzsektor auf, auf den mit ebenfalls schon deutlicher Distanz die Medien- und Unterhaltungsbranche folgt. Im Mittelfeld des Rankings liegen die Elektronik-, Automotive- und Energieversorgungsunternehmen hingegen relativ eng beieinander, während die letzten drei Branchen wieder einen deutlichen Abstand zeigen. Schlusslicht ist die Logistik, davor rangieren Pharma/Chemie, der Maschinen- und Anlagenbau sowie der Handel.

Noch Zurückhaltung bei den Digitalisierungsstrategien
Zu ihren Kernproblemen gehört, dass in diesem Sektor nur sehr unterdurchschnittlich wachsende Entwicklungskräfte zur verstärkten Digitalisierung bestehen. Dies lässt sich insbesondere daran ablesen, dass aktuell lediglich 20 % der 84 befragten Chemie- und Pharmaunternehmen der digitalen Transformation strategisch eine elementare Bedeutung beimessen. Für 28 % hat sie gegenwärtig nur eine mittlere Relevanz, bei ähnlich vielen ist es erst demnächst ein Thema der Unternehmensausrichtung. Doch selbst dort, wo eine klare Position zur Digitalisierung vorhanden ist, muss daraus noch keineswegs abgeleitet werden, dass sie auch zielstrebig umgesetzt wird. Hier sind tatsächlich Zweifel angebracht, denn die digitale Transformation wird bisher nur in Ausnahmefällen zentral über die Geschäftsleitung gesteuert. Vielmehr befindet sie sich mit unterschiedlicher Verantwortungsbreite in den Fachbereichen, in jedem vierten Fall ist die Zuständigkeit sogar noch überhaupt nicht geklärt. „Damit droht die Gefahr, dass viele den Anschluss an die Entwicklung verlieren“, warnt d.velop-Vorstand Mario Dönnebrink.

Bei den Investitionen im Mittelfeld
Etwas besser sieht es bei den Chemie- und Pharmafirmen hinsichtlich der Investitionsbereitschaft aus. Branchenübergreifend weisen die Unternehmen hier nur in jedem vierten Fall ambitionierte Planungen zur Realisierung des digitalen Wandels auf. Fast die Hälfte will jedoch nur in einem geringfügigen Umfang zusätzlich in digitale Lösungen investieren oder hat hierfür keinerlei Budget vorgesehen.

Hier heben sich wiederum die Unternehmen aus der Informations- und Kommunikationstechnologie deutlich vom Durchschnitt ab, immerhin haben zwei Drittel von ihnen mit dem Ziel einer stärkeren Digitalisierung zusätzliche Finanzmittel in deutlichem Umfang vorgesehen. Auch in der Medien- und Unterhaltungsbranche, inzwischen ohnehin von digitalen Produkten geprägt, besteht eine höhere Investitionsbereitschaft als in den meisten anderen Branchen. Ein entgegengesetztes Bild zeigen vor allem die Logistikunternehmen.

Dagegen liegt der Chemie- und Pharmasektor im Mittelfeld. Immerhin ein Viertel will sehr verstärkt in digitale Technologien investieren, zudem plant ein ähnlich großer Anteil, deutlich mehr als bisher dafür auszugeben. Doch die zusätzlichen Budgets dürften sich vermutlich in deutlichem Maß auf die Vorbereitungen von Industrie 4.0 konzentrieren, also der Digitalisierung der Produktionsprozesse zukommen.

Medienbrüche erzeugen digitale Hürden
Dadurch würde der digitalen Ausrichtung der Geschäftsprozesse nicht die notwendige Aufmerksamkeit geschenkt werden. Dabei stellt die unverändert breite Nutzung von Papierdokumenten ein weiteres Problemfeld dar, weil dieses Medium noch längst nicht aus den Organisationen verbannt worden ist. Der Finanzsektor und Medienunternehmen geben im Branchenvergleich in dieser Hinsicht gemeinsam mit den IT- und Telekommunikationsfirmen das beste Bild ab. Auch der Automotive-Sektor liegt deutlich über dem Durchschnitt. Sie weisen einen relativ hohen Anteil an digital orientierten Geschäftsprozessen auf und nutzen Papierdokumente nur noch in unterdurchschnittlichem Umfang. Demgegenüber zeigen der Handel und die weiteren Produktionsbranchen einen signifikanten Nachholbedarf.

Heftausgabe: März 2016
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Wilfried Heinrich,  freier Fachjournalist

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