Bremsspuren bei Lanxess: Umsatz sinkt um 12 Prozent

07.08.2013 Bei dem Chemie-Konzern Lanxess, Köln, sank der Umsatz im Vergleich zum starken Vorjahresquartal um rund 12 % auf 2,1 Mrd. Euro. Das Ebitda vor Sondereinflüssen fiel gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 45 % auf 198 Mio. Euro und lag damit in der Mitte der veröffentlichten Prognose von 174 bis 220 Mio. Euro.

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Bremsspuren bei Lanxess: Umsatz sinkt um 12 Prozent

Der anhaltende Druck auf die Preise Butadien-basierter Kautschuke und die schwache Nachfrage aus der Automobil- und Reifenindustrie belastete die Umsatzentwicklung des Konzerns (Bild: Lanxess)

Das Konzernergebnis lag mit 9 Mio. Euro um 95 % unter dem Vorjahreswert. Entgegen der im Mai geäußerten Erwartungen sieht das Chemieunternehmen in der 2. Hälfte des Jahres keine Verbesserung der Geschäftslage. Der Lagerabbau bei den Kunden setzt sich insbesondere in Asien fort. Das allgemeine Konsumklima bleibt schwach.

Für das Gesamtjahr 2013 hat das Unternehmen seine im Mai veröffentlichte Prognose eines Ebitda vor Sondereinflüssen von unter 1 Mrd. Euro konkretisiert – es erwartet nun Zahlen in Höhe von 700 bis 800 Mio. Euro. Mögliche Wertberichtigungen auf Vorräte sind dabei nicht berücksichtigt.

„Die Ergebnisse im ersten Halbjahr entsprechen nicht unseren hohen Erwartungen“, sagte Lanxess-Vorstandsvorsitzender Axel C. Heitmann. „Die Rahmenbedingungen für unsere Geschäfte bleiben schwierig und die angespannte Stimmung in Europa zeigt sich nun auch in anderen für uns wichtigen Märkten wie China und Brasilien.“

Vor dem Hintergrund der anhaltenden Nachfrageschwäche im laufenden Geschäftsjahr hält der Konzern die Erreichung des für 2014 gesetzten Ziels von 1,4 Mrd. Euro Ebitda vor Sondereinflüssen auch bei einer zu erwartenden Nachfrageerholung im kommenden Geschäftsjahr nicht mehr für realistisch.

Heitmann: „Die Megatrends, vor allem Mobilität und Landwirtschaft, bleiben unverändert intakt, und auch die aufstrebenden Volkswirtschaften werden wieder bessere Zeiten erleben. Daher sehen wir uns grundsätzlich richtig aufgestellt.“

Überprüfung der Strategie
In den kommenden Monaten wird der Konzern die bewährten Maßnahmen, flexibles Anlagenmanagement und strikte Kostendisziplin, fortsetzen. Darüber hinaus wurde bereits das diesjährige Investitionsbudget auf 600 Mio. Euro reduziert. Wichtige Maßnahmen zur langfristigen Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der Business Unit Rubber Chemicals wurden bereits im zweiten Quartal eingeleitet.

„Wir haben bereits in der Vergangenheit erfolgreich bewiesen, dass wir mit schwierigen Rahmenbedingungen umgehen können. Derzeit arbeiten wir an einer Überprüfung der Strategie und weiteren Maßnahmen. Dazu zählen sowohl kurzfristige und nachhaltige Kostenentlastungen, weitere Effizienzsteigerungen sowie strukturelle Veränderungen. Ergebnisse werden wir Mitte September vorstellen“, sagte Heitmann.

Ergebnisse des 2. Quartals 2013
Der rückläufige Umsatz im 2. Quartal 2013 beruhte vor allem auf gesunkenen Verkaufspreisen, die unter anderem auf niedrigere Rohstoffpreise zurückzuführen waren. Der anhaltende Druck auf die Preise Butadien-basierter Produkte wirkte sich vor allem auf das Segment Performance Polymers aus. Darüber hinaus belastete die anhaltend schwache Nachfrage aus der Automobil- und Reifenindustrie die Umsatzentwicklung des Konzerns. Die Nachfrage nach Agrochemikalien, insbesondere in Europa, blieb dagegen erfreulich und trug zur soliden Entwicklung des Segments Advanced Intermediates bei.
Das Ebitda vor Sondereinflüssen von 198 Mio. Euro beinhaltet Wertberichtigungen auf Vorräte aufgrund gesunkener Butadien-Preise. Die Ebitda-Marge ging von 14,9 auf 9,2 % zurück. Im Konzernergebnis von 9 Mio. Euro sind Einmalaufwendungen von rund 40 Mio. Euro für die angekündigten Restrukturierungen im Segment Performance Chemicals enthalten.

Entwicklung in den Segmenten
Im Segment Performance Polymers (mit den 5 Geschäftseinheiten Butylkautschuk, Hochleistungs-Butadien-Kautschuk, Hochleistungs-Materialien, Hochleistungs-Elastomere, Keltan-Elastomere) fiel der Umsatz um 17 % auf 1,2 Mrd. Euro. Das Ebitda vor Sondereinflüssen sank um 63 % auf 94 Mio. Euro. Weiterhin fallende Rohstoffpreise führten zu einem negativen Preiseffekt. Darüber hinaus waren die Absatzmengen aufgrund der geringeren Nachfrage aus der Automobil- und Reifenindustrie niedriger. Leerkosten in Folge einer niedrigeren Anlagenauslastung belasteten das Ergebnis.

Die Entwicklung im Segment Advanced Intermediates war angesichts der soliden Nachfrage nach Agrochemikalien stabil. Der Umsatz sank im 2. Quartal um 2 % auf 393 Mio. Euro. Das Ebitda vor Sondereinflüssen fiel um 6 % auf 74 Mio. Euro. Die Nachfrage aus der Automobil- und Farbenindustrie blieb weiterhin schwach. Lanxess setzt verstärkt auf den Bereich Agrochemikalien und erweitert für das chemische Zwischenprodukt Kresol in Leverkusen die Kapazitäten um 20 %. Die Business Unit Saltigo wird ihren Hauptsitz mit rund 100 Mitarbeitern im September nach Leverkusen verlegen und rückt damit näher an die Produktion.

Der Umsatz im Segment Performance Chemicals ging um 4 % auf 561 Mio. Euro zurück. Das Ebitda vor Sondereinflüssen lag mit 67 Mio. Euro um 14 % unter dem des Vorjahreszeitraums. Die Nachfrage nach anorganischen Pigmenten und Produkten zur Wasseraufbereitung blieb stark, während die Business Units mit Fokus auf die Automobil- und Reifenindustrie schwächere Ergebnisse erzielten. Die Business Unit Rubber Chemicals leitete im zweiten Quartal Restrukturierungsmaßnahmen an Produktionsstandorten in Belgien und Südafrika ein. Daraus resultierten die bereits genannten Einmalkosten. Das Lederchemikalien-Geschäft wurde unter anderem durch einen Streik in der konzerneigenen Chromerzmine in Südafrika beeinflusst, der zu geringeren Produktionsmengen führte.

Geschäftsentwicklung nach Regionen
Die schwierige Geschäftsentwicklung spiegelte sich auch in den regionalen Umsätzen wider. In der Region EMEA (Europa ohne Deutschland, Naher Osten, Afrika) sank der Umsatz um 4 % auf 624 Mio. Euro. Der Umsatz in Deutschland fiel um 9 % geringer aus als im Vorjahreszeitraum und betrug 362 Mio. Euro. Die Region Asien/Pazifik verzeichnete einen Umsatzrückgang von 14 % auf 522 Mio. Euro. In Nordamerika verringerte sich der Umsatz um 19 % auf 357 Mio. Euro. In Lateinamerika sank der Umsatz um 17 % auf 276 Mio. Euro. Die Umsätze in den 5 BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) verminderten sich insgesamt um 17 % auf 495 Mio. Euro.

(dw)

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