EU-Austritt

Brexit: VCI warnt vor Schwächung der EU

27.03.2017 Der Verband der Chemischen Industrie (VCI) betont vor dem offiziellen Beginn der Austrittsverhandlungen Großbritanniens mit der EU, dass die Errungenschaften der europäischen Einigung nicht aufs Spiel gesetzt werden dürfen.

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Brexit-Motiv auf Steinwand

Je nachdem, mit welchem Ergebnis die Verhandlungen enden, könnte auch die chemische Industrie unter dem Brexit leiden. (Bild: psdesign1 – Fotolia)

„Die Brexit-Verhandlungen dürfen die EU nicht weiter schwächen. Für die chemisch-pharmazeutische Industrie hat der Zusammenhalt in der EU unter Wahrung der Grundfreiheiten hohe Priorität“, erklärt Utz Tillmann, Hauptgeschäftsführer des VCI. Politik und Wirtschaft müssten gerade jetzt die Vorteile der Kooperation herausstellen und für das Integrationsprojekt EU werben. Gleichzeitig müssten beide Seiten darauf achten, den wirtschaftlichen Schaden durch den Brexit möglichst gering zu halten, so Tillmann weiter. Um dies sicherzustellen, sollte die EU in den Austrittsverhandlungen ein umfassendes Partnerschafts-, Investitions- und Handelsabkommen mit Großbritannien anstreben. „Mit Partnerschaft erreichen wir mehr als mit Protektionismus.“

Auswirkungen auf die chemisch-pharmazeutische Industrie

Die Auswirkungen auf die deutschen Chemieunternehmen durch den Brexit hängt von der Ausgestaltung der zukünftigen Handelsbeziehungen ab: Sollte die britische Regierung etwa Chemie- und Pharmazölle auf Höhe der heutigen EU-Außenzölle einführen, würden jährliche Zollzahlungen von 200 Mio. Euro für Deutschlands drittgrößte Branche anfallen. Weitere Belastungen für die chemisch-pharmazeutische Industrie seien zu erwarten, wenn künftig die Regulierung zwischen der EU-27 und dem Vereinigten Königreich divergierende Pfade einschlägt – sei es bei der europäischen Chemikalienverordnung REACH, der Zulassung von Medikamenten, Kosmetika und Pflanzenschutzmitteln oder auch bei neuen Regulierungen zur Kreislaufwirtschaft. So würden beispielsweise unterschiedliche rechtliche Anforderungen zu Einstufung, Kennzeichnung und Verpackung chemischer Produkte bürokratische Hürden für den Handel bedeuten.

Wirtschaftliche Bedeutung in Zahlen

Das Vereinigte Königreich ist nach den Niederlanden und Frankreich wichtigster Handelspartner in der EU für die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland. 2016 verkaufte die Branche Produkte im Wert von 11,7 Mrd. Euro dorthin (6,6 % aller Exporte). Den größten Anteil machten Spezialchemikalien und Pharmazeutika aus. Gleichzeitig importierten deutsche Chemieunternehmen Erzeugnisse für 6,2 Mrd. Euro von der Insel. Dazu gehörten vor allem pharmazeutische Vorprodukte und Petrochemikalien. Großbritannien spielt aber auch als Produktions- und Vertriebsstandort eine wichtige Rolle für die Branche: Derzeit sind 63 Tochtergesellschaften deutscher Chemieunternehmen in Großbritannien aktiv. Sie beschäftigen insgesamt rund 6.000 Mitarbeiter und erwirtschaften einen Umsatz von 4,1 Mrd. Euro. Der Bestand an Direktinvestitionen auf der Insel beläuft sich auf rund 1,6 Mrd. Euro. Britische Investoren sind mit gut 2 Mrd. Euro in der deutschen Chemie engagiert.

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