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Chemie-Tarifrunde: Alle Zeichen auf Streik?

24.03.2015 Die Verhandlungen zwischen IG BCE und Chemie-Arbeitgebern gehen in die vierte und möglicherweise letzte Runde. Ob es am 26. und 27. März in Stuttgart zu einer Einigung kommt, ist jedoch fraglich. Die Gewerkschaft will Streiks nicht ausschließen.

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Chemie-Tarifrunde: Alle Zeichen auf Streik?

Am 26. und 27. März 2015 findet die vierte Runde der Chemie-Tarifverhandlungen statt. Sollte es keine Einigung geben, droht die Gewerkschaft mit Streik (Bild: © Eisenhans – Fotolia.com)

Die IG BCE hatte ihre Mitglieder vergangene Woche bereits zu Großdemonstrationen aufgerufen – als Reaktion auf den Vorschlag der Arbeitgeber, die Entgelte um 1,6 % statt der geforderten 4,8 % anzuheben (siehe CT-Bericht). Von den Zusammenkünften fanden die ersten bereits statt: In einigen Städten, darunter Köln und Frankfurt, strömten mehrere tausend Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus der Chemiebranche auf die Straße. IG-BCE-Vorsitzender Michael Vassiliadis erklärte bei der Kundgebung in Köln: „Wir erwarten, dass jetzt endlich ein ernsthaftes Angebot als Grundlage für seriöse Verhandlungen und einen akzeptablen Abschluss auf den Tisch kommt.“

Dagegen stellt sich der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Hans-Carsten Hansen, in einem Gespräch mit der Wirtschaftswoche. Man wolle weiter verhandeln: „Auf beiden Seiten sind noch große Schritte nötig – vielleicht auch mal ein Spagat.“ Die von der Gewerkschaft geforderte Lohnerhöhung bezeichnet er als unverhältnismäßig. In der Elektroindustrie habe man eine Erhöhung von 3,4 % durchgesetzt, in der Chemie herrsche aber eine ganz andere Konjunktur, alleine schon aufgrund der zurückgegangenen Produktivität.

Gewerkschafts-Verhandlungsführer Peter Hausmann sieht den Termin in Stuttgart als letzte Möglichkeit für freie Verhandlungen. Sollten Gewerkschaft und Arbeitgeber wieder zu keinem Ergebnis kommen, schließe er einen Arbeitskampf nicht weiter aus: „Wir wissen: Am Ende ist jeder Tarifabschluss ein Kompromiss, das ist nicht erst seit gestern so. Es kommt allerdings sehr darauf an, dass ein solcher Kompromiss auch tragfähig ist. Wir wollen eine faire Teilhabe am wirtschaftlichen Erfolg. Das haben die Beschäftigen verdient. Täusche sich niemand über die Kraft und Stärke unserer Gewerkschaft. Wenn es sein muss, dann sind wir jederzeit handlungsfähig.“

Die Friedenspflicht gilt für die Gewerkschaft noch bis 31. März – in den ostdeutschen Tarifbezirken bis 30. April. Käme es zu einem Streik, wäre das der erste der Branche seit 44 Jahren.

Hier finden Sie alle CT-Meldungen zu den Tarifverhandlungen.

Hier finden Sie den Artikel der Wirtschaftswoche.

(su)

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