Chemieparks unter der Lupe

Chemie-Werkfeuerwehren leisten Hilfe auf hohem Standard, häufig über den Industriepark hinaus

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23.04.2015 Unfälle mit Chemikalien können trotz aller Vorsichtsmaßnahmen sowohl in der Produktion als auch beim Transport und bei der Lagerung vorkommen. In Einzelfällen haben sie erhebliche Auswirkungen auf die Umgebung, sei es, dass Wohngebiete evakuiert werden oder dass die zuständigen Behörden Verzehrverbote für Agrarprodukte verfügen müssen, weil die Chemikalien in der Umgebung auf den Boden sinken und dort angebaute Nutzpflanzen schädigen.

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Entscheider-Facts Für Betreiber

 

  • Mitarbeiter von Werkfeuerwehren kennen nicht nur genauestens die geographische Lage der einzelnen Betriebe in ihrem jeweiligen Industriepark, sondern sie sind auch über die Art, Menge und Gefährlichkeit der dort zum Einsatz kommenden oder lagernden Chemikalien informiert.
  • Empfehlenswert ist es, wenn im Industrieparkvertrag Regelungen über die Art und Häufigkeit von Notfallübungen sowie über die Fortbildung der Mitarbeiter getroffen werden.

Mai 2015

Werkfeuerwehren verfügen über das zur Beherrschung von Chemieunfällen erforderliche technische Gerät. Bild: © davis – Fotolia.com

Eine frühzeitige und effektive Gefahrenabwehr ist bei solchen Vorfällen von entscheidender Bedeutung. Je früher die notwendigen Sicherungs- und Rettungsmaßnahmen ergriffen werden, umso eher lassen sich solche Auswirkungen, die immer auch von einem erheblichen Medieninteresse begleitet werden, vermeiden. (Gesparte) Zeit ist hier im wahrsten Sinne des Wortes Geld wert!

Öffentliche Feuerwehren sind auf die Gefahren von Chemieunfällen in der Regel nur unzureichend vorbereitet. Nicht selten fehlt es am erforderlichen Gerät. Auch der Ausbildungsstand der dortigen Feuerwehrleute ist mehrheitlich nicht auf die Beherrschung von Chemieunfällen ausgerichtet.
Dies unterscheidet die öffentlichen Feuerwehren augenscheinlich von den Werkfeuerwehren in den deutschen Industrieparks. Diese kennen nicht nur genauestens die geographische Lage der einzelnen Betriebe in ihrem jeweiligen Industriepark, sondern sie sind auch über die Art, Menge und Gefährlichkeit der dort zum Einsatz kommenden oder lagernden Chemikalien informiert. Zudem verfügen sie über das zur Beherrschung von Chemieunfällen erforderliche technische Gerät.

TUIS: Beratung und Unterstützung
Was liegt also näher, als dass die Werkfeuerwehren bei Chemieunfällen die öffentlichen Feuerwehren unterstützen? Durch Initiative des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI) wurde deshalb mit dem TUIS (Transport-Unfall-Informations- und Hilfeleistungssystem) ein System eingerichtet, bei dem rund 130 Chemie-Werkfeuerwehren den öffentlichen Feuerwehren und der Polizei bundesweit ihre Unterstützung bei Transport- und Lagerunfällen mit Chemikalien anbieten. Diese Hilfe umfasst sowohl eine telefonische Fachberatung als auch die Beratung durch Fachberater vor Ort und die Unterstützung durch eine oder mehrere Werkfeuerwehren vor Ort mit speziellem Gerät und Fachpersonal.

Übung tut not
Für einen erfolgreichen Verlauf der Einsätze in einem Industriepark ist es also wichtig, dass die Einsätze regelmäßig geübt werden. Aus diesem Grund sind turnusmäßige Notfallübungen unter Einbeziehung der Industrieparknutzer unumgänglich, auch wenn das gesetzliche Regelwerk dazu nur wenig konkrete Aussagen bereithält.

So verpflichtet § 3 Abs. 1 Arbeitsschutzgesetz jeden Arbeitgeber dazu, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Zu diesen Umständen gehört im Industriepark der Umgang mit den dort gehandhabten Chemikalien. Gemäß § 10 Arbeitsschutzgesetz hat der Arbeitgeber auch für die Erste Hilfe und für sonstige Notfallmaßnahmen zu sorgen, wobei ausdrücklich die Art der Arbeitsstätte und deren Tätigkeiten sowie die Zahl der Beschäftigten zu berücksichtigen sind. Er muss dazu diejenigen Beschäftigten benennen, die Aufgaben der Ersten Hilfe, Brandbekämpfung und Evakuierung der Beschäftigten übernehmen. Anzahl, Ausbildung und Ausrüstung der Beschäftigten müssen in einem angemessenen Verhältnis zur Zahl der Beschäftigten und zu den besonderen Gefahren bestehen. Die besonderen Gefahren im Industriepark liegen gerade darin, dass es hier mehrere teilverantwortliche Unternehmen gibt, die auf engem Raum chemienah tätig sind. Aus Sicht der einzelnen Industrieparknutzer ist es zulässig, sich der Hilfe des Industrieparkbetreibers und insbesondere der von ihm unterhaltenen Werkfeuerwehr zu bedienen.

Heftausgabe: Mai 2015
Seite:
Prof. Dr. jur. Hans-Jürgen Müggenborg, Rechtsanwalt und  Fachanwalt für  Verwaltungsrecht

Über den Autor

Prof. Dr. jur. Hans-Jürgen Müggenborg, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht

Prof. Dr. jur. Hans-Jürgen Müggenborg, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Verwaltungsrecht

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