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01.04.2015 Die wirtschaftlichen und politischen Unsicherheiten hören nicht auf, der Wettbewerbsdruck steigt. So fassen die Chemieverbände VCI und Cefic die aktuelle Lage der chemischen Industrie in Europa zusammen. Nachdem das Jahr 2014 vor allem für die deutsche Chemiebranche gut begonnen hatte und noch zur Jahresmitte alle Zeichen auf Rekord standen (siehe CT-Meldung vom 07.08.2014), verlief nach Angaben der Verbände vor allem das vierte Quartal 2014 enttäuschend. Zuletzt konnte die Branche für das wechselhafte Gesamtjahr lediglich eine Seitwärtsbewegung verzeichnen.

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Entscheider-Facts


Für Marktbeobachter und Planer

  • Der Traum vom Aufschwung in der deutschen und europäischen Chemieindustrie scheint nach einem schwachen vierten Quartal 2014 geplatzt. Die Produktion stieg nach zunächst guten Aussichten in Deutschland letztendlich nur um 1,5 %, in ganz Europa um 0,3 %.
  • Für 2015 änderten VCI und Cefic ihre Produktionserwartungen auf +1,5 % in Deutschland und +1 % in der EU.
  • Problematisch sehen die Verbände vor allem die niedrigen Öl- sowie die hohen Energiepreise, da sich diese negativ auf die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Chemiebranche auswirkten.

Im Rückblick ein wechselhaftes Jahr 2014
Zur Jahresmitte hatte der VCI  für seine Mitgliedsunternehmen noch einen Produktionszuwachs von 3 % vermeldet – und ging für das Gesamtjahr 2014 von einem Zuwachs der Produktion von insgesamt 2 % und einem Umsatzplus von 1,5 % auf 193 Mrd. Euro aus. Das vierte Quartal 2014 war jedoch von Rückgängen geprägt: In Deutschland sank die Produktion um 0,3 % verglichen zum Vorquartal und um 0,8 % im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Letztendlich stieg sie im Gesamtjahr um 1,5 %. Dass der Saldo positiv blieb, vermeldete der VCI, ist lediglich den Pharmazeutika und Spezialchemikalien zuzuschreiben. Sowohl für Petrochemie als auch für Polymere sank die Produktion deutlich. Die Chemikalienpreise gingen um 1,4 % zurück – auch hier riss das vierte Quartal mit 0,9 % Rückgang zum Vorquartal wie zum Vorjahr die Linie nach unten. Der Umsatz sank gegenüber dem drittem Quartal 2014 um 0,4 % und gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 0,2 %. Auf das gesamte Jahr konnte sich die Branche aufgrund der starken ersten Monate mit 193,2 Mrd. Euro Umsatz um 1,4 % steigern. Erwartet hatte der Verband mit 1,5 % dennoch mehr.

In Europa meldet der Branchenverband Cefic ähnliche Zahlen – hier ließ sich die Entwicklung aber schon früher absehen. Insgesamt stieg die Produktion im gesamten Jahr 2014 leicht um 0,3 %. Der Umsatz in der EU stieg in den ersten elf Monaten um 0,8 % verglichen zum Vorjahreszeitraum.  Die Chemikalienpreise sanken im Vergleich zu 2013 um 1,8 %.

Niedriges Wachstum schmälert Aussichten
VCI sowie Cefic erwarten, dass die Dynamik auch weiterhin niedrig bleibt. In Deutschland rechnet der VCI für das Gesamtjahr 2015 mit einem leichten Anstieg der Chemikalienproduktion um 1,5 %. Für die EU hat der Cefic die Erwartungen von 1,5 % auf 1 % Wachstum zurückgeschraubt, nachdem deren Generaldirektor Hubert Mandery im Oktober bereits betont hatte, dass sich ein Zuwachs von 1,5 % nur erreichen ließe, wenn sich die Geschwindigkeit des Wachstums weiter stabilisiert.

Der VCI erwartet, dass die Chemikalienpreise in Deutschland um 2 % sinken: Aufgrund des Ölpreisverfalls und den Turbulenzen an den internationalen Rohstoffbörsen sind die Rohstoffpreise zwar gefallen. Die Chemieunternehmen müssen diese niedrigen Preise aufgrund des internationalen Wettbewerbsdrucks jedoch meist direkt an ihre Kunden weitergeben. Und das wird sich nach VCI-Angaben auch erst einmal so fortsetzen. Der Branchenumsatz gehe daher um 0,5 % auf vermutlich 192,2 Mrd. Euro zurück.

Heftausgabe: April 2015
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Über den Autor

Sonja Utsch, Redaktion
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