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Chemieparks bieten gutes Umfeld für Energieerzeugung

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04.08.2008 Das vom Bundestag Anfang Juni verabschiedete Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung kommt Industrie- und Chemieparks zupass. Als Betreiber des Chemparks in Leverkusen, Krefeld und Dormagen hat Currenta bereits im Frühjahr in Sachen Energieeffizienz gestartet. Die CT-Redaktion sprach mit Currenta-Chef Dr. Klaus Schäfer über Ziele, Rahmenbedingungen und Konsequenzen.

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Entscheider-Facts Für Betreiber



  • Zu den von Currenta betriebenen Chempark-Standorten gehören Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen.
  • Der Standortbetreiber produziert oder liefert jährlich rund 5,4 Mio. MWh Strom, 1,2 Mio. t Dampf und 430 Mio. m3 Wasser. Dazu kommen Druckluft, Kälte, technische Gase und Erdgas.
  • Der Eigenbedarf des Unternehmens beträgt rund 20% der Energie.
  • Durch die Initiative „Effizienzklasse A++“ soll die dazu emittierte CO2-Menge um jährlich 200000t sinken.

Kraftwerke mit einem bescheidenen Wirkungsgrad haben in der Regel eines gemeinsam: Ihnen fehlen in der unmittelbaren Nähe Verbraucher, welche die bei der Stromerzeugung entstehende, aber nicht für die Stromerzeugung nutzbare Wärme einsetzen. Geht es nach dem Willen der großen Koalition, den diese Anfang Juni im neuen Gesetz zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) niedergeschrieben hat, dann soll sich der Anteil der Stromerzeugung aus KWK bis 2020 auf etwa 25 % verdoppeln. Gerade Chemie- und Industrieparks bieten für diesen Ansatz aufgrund des häufig vorhandenen Bedarfs an Wärme ideale Bedingungen.

Welche Maßnahmen sich für Industrieparkbetreiber aufgrund der mit dem Gesetz einhergehenden Förderung rechnen werden, ist dabei noch unklar. „Wir prüfen, ob und welche Projekte, die bislang nicht wirtschaftlich waren, nun sinnvoll sein könnten“, erklärt dazu Dr. Klaus Schäfer, Geschäftsführer des Chemieparkbetreibers Currenta im Interview mit der CHEMIE TECHNIK. Die ehemals unter „Bayer Industry Services“ bekannte Gesellschaft hat das Energiethema allerdings bereits frühzeitig angepackt: Ende April startete der Standortbetreiber ein eigenes Klimaschutzprogramm unter der Bezeichnung „Effizienzklasse A++“. Dieses sieht vor, durch verschiedene Maßnahmen die CO2-Emissionen für den unternehmenseigenen Verbrauch und die Energieerzeugung an den Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen bis 2012 jährlich um 200000 Tonnen zu senken.

Einsparmaßnahmen rechnen sich

Herzstück der Kampagne ist die Aktion „100 plus 100 Klimaprojekte“. Bereits 2005 begann Currenta, die eigenen Prozesse auf ihre Effizienz hin zu überprüfen und zu optimieren. Inzwischen wurden 100 Projekte zur Steigerung der Energieeffizienz in den Anlagen des Standortdienstleisters auf den Weg gebracht. „Dabei haben wir festgestellt, dass sich die Projekte im Durchschnitt bereits nach einem Jahr bezahlt gemacht hatten“, berichtet Schäfer. Zu den realisierten Maßnahmen gehört beispielsweise das Absenken des Leitungsdrucks in der Betriebswasserversorgung am Standort Dormagen von 4,5 auf 4,2 bar. Der dort vorhandene Wasserturm wird nun anders in das Leitungsnetz eingebunden und schaltet sich nur bei einem Druckabfall im Netz automatisch zu. Durch die Maßnahme werden in der Wasserversorgung 15% der eingesetzten Energie (rund 4800 MWh p.a.) eingespart.

Weitere 1800 MWh, die ca. 1000t CO2 entsprechen, konnten in Dormagen durch die Drehzahlregelung der Umwälzpumpen in den Rotationswäschern der Rückstandsverbrennungsanlage gespart werden. In den Kläranlagen des Standortbetreibers reduziert der Einsatz neuer Turboverdichter- und Belüftungssysteme den Energiebedarf um rund 8000 MWh. Die für den biologischen Klärprozess notwendige Luft wird nun exakt dosiert.
Neben den Großverbrauchern hat der Betreiber aber auch weitere Einsparungen – bis hin zur Bürotechnik – im Blick. In einer internen Aktion („Energiefüchse“) werden im Rahmen des betrieblichen Vorschlagswesens Vorschläge für weitere Energiesparmaßnahmen prämiert. Die Kooperation mit externen Forschungseinrichtungen soll zudem beispielsweise Erkenntnisse darüber bringen, welches die optimale Isolierungsstärke für Dampfleitungen ist.
Mit der Effizienz-Initiative zielt der Parkbetreiber primär auf den eigenen Energiebedarf. Beratungsdienstleistungen, oder gar die Analyse der Prozesse von Industriepark-Nutzern im Hinblick auf Energieeffizienz, sieht der Parkbetreiber nicht als Geschäftsmodell. „An den Schnittstellen diskutieren wir zwar intensiv mit den Nutzern, ob die Produktspezifikation – wie beispielsweise ein hoher Leitungsdruck – notwendig ist, aber in dessen Anlagen gehen wir nicht hinein“, verdeutlicht dazu Klaus Schäfer. Um die Produzenten, die immerhin rund 80 Prozent der im Chemiepark eingesetzten Energien umsetzen, zusätzlich für das Thema Energieeffizienz zu sensibilisieren, will Currenta Ende Oktober ein Energieforum organisieren, in dem Ideen und Erfahrungen aus Effizienz-Projekten diskutiert werden sollen.

„Ich glaube, dass die Wärmesenke thermischer Kraftwerke in Chemieparks noch nicht maximal ausgereizt ist“, sieht Schäfer weiteres Optimierungspotenzial. Aus seiner Sicht bieten Chemieparks ein ideales Umfeld für die Ansiedlung weiterer Kraftwerke – auch über den eigenen Bedarf der Standorte hinaus (siehe Interview auf Seite 48).

Heftausgabe: August 2008

Über den Autor

Armin Scheuermann , Redaktion
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