Inflation wieder auf breiter Front spürbar

Exklusiv: CT-Baupreisindex für Chemieanlagen

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30.11.2016 Davon kann Mario Draghi nur träumen: Die Preise für Einzelgewerke in Chemieanlagen folgen der von der EZB gewünschten aber trotz Geldvermehrung nicht erreichten Inflationsrate von rund 2 %. Lediglich der Preisrückgang bei Apparaten und Maschinen – dem im Gesamt-Index für die Preisentwicklung von Chemieanlagen am stärksten gewichteten Gewerk – drücken die Preisentwicklung für Anlagenprojekte in der Chemie auf knapp 1 %.

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Entscheider-Facts für Planer und Betreiber

  • Seit anderthalb Jahren haben sich Chemieanlagen im Quartalsvergleich erstmalig wieder um ein halbes Prozent verteuert.
  • Grund dafür ist die zuletzt positive Preisentwicklung bei Apparaten und Maschinen.
  • Im Vergleich zum Vorjahr haben sich Rohrleitungen und Armaturen sowie MSR-Einrichtungen am stärksten verteuert.

Immerhin hat damit die zuletzt beobachtete Stagnation bei den Preisen für Chemieanlagen ein Ende gefunden: Seit anderthalb Jahren haben sich Chemieanlagen damit im Quartalsvergleich erstmalig wieder um 0,5 % verteuert. Grund dafür ist die zuletzt positive Preisentwicklung bei Apparaten und Maschinen. Waren hier seit Februar 2015 stets rückläufige Preise zu verzeichnen, stiegen Kosten für Maschinen und Apparate zwischen Mai und August 2016 um 0,6 %.

Im Vergleich zum Vorjahr haben sich Rohrleitungen und Armaturen sowie MSR-Einrichtungen am stärksten verteuert. Hier stiegen die Preise um jeweils 2,2 %. Für Isolierung und Anstrich sowie elektrotechnische Ausrüstung mussten 1,9 bzw. 1,7 % mehr ausgegeben werden. Die Bauteilkosten sind im Vergleich zwischen August 2015 und August 2016 um 2 % gestiegen.

Trendwende bei Apparaten und Maschinen

Bei Apparaten und Maschinen scheint dagegen eine Trendwende erreicht zu sein: Im August waren diese zwar um 1 % billiger als noch vor einem Jahr, allerdings war der Preisrückgang zwischen Februar und Mai 2016 bereits auf -0,1 % gefallen und zwischen Mai und August konnten Maschinen und Apparate um 0,58 % zulegen. Für Chemieanlagen insgesamt steht damit zwischen Mai und August ein Plus von 0,46 % zu Buche.

Die positivie Gesamtentwicklung ist offenbar ein Indikator für die gesamte Projekttätigkeit im europäischen Raum – diese zeigt sich zuletzt robuster als die weltweite Entwicklung, die stark von den Rückgängen bei Explorationsprojekten im Öl- und Gassektor geprägt ist. Insbesondere die Chemiebranche hat für viele Lieferanten von Anlagenkomponenten wieder stärker an Bedeutung gewonnen, nachdem sich die großen Öl- und Gaskonzerne aufgrund des gesunkenen Ölpreises eine strikte Ausgabendisziplin verordnet haben. Weltweit wurden im Öl- und Gassektor Projekte im Wert von mehreren 100 Mrd. US-Dollar auf Eis gelegt. Analysten des Marktforschungsunternehmen Wood Mackenzie hatten vor einem Jahr prognostiziert, dass der anhaltend niedrige Ölpreis Investitionen in Höhe von 1,5 Bio.US-Dollar gefährden könnten.

Vierteljährig aktualisiertes Trendbarometer

Der CT-Preisindex für Chemieanlagen wird vierteljährlich aktualisiert. Er dient als Trendbarometer für Planer von Chemieanlagen sowie Betreiber, die die Kosten von Projekten näherungsweise abschätzen wollen. Im CT-Preisindex werden nach einer von H. Kölbel und J. Schulze entwickelten Methode die Gewerke Apparate und Maschinen, Rohrleitungen und Armaturen, MSR-Einrichtungen, Isolierung und Anstrich, elektrotechnische Ausrüstung sowie Bauteilkosten zu einem Index berechnet, dessen Basis das Jahr 2010 (=100) bildet. Aus der Gewichtung der Einzelgewerke resultiert ein Index für die Preisentwicklung von Chemieanlagen.
Die detaillierten Daten senden wir Ihnen per E-Mail gegen Rechnung gerne zu. Zahlende Abonnenten der CHEMIE TECHNIK erhalten den Preisindex kostenlos. Anfragen an: susanne.berger@huethig.de.

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Heftausgabe: Dezember 2016

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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