Die Losgröße 1 im Glas

CT-Spotlight: 4.0 mit 5.5 Vol.-%

09.12.2015 Wer an der diesjährigen Namur-Hauptsitzung teilnahm, der sah sich in vielen Vorträgen und Workshops mit dem Begriff der Losgröße 1 konfrontiert. Dabei geht es um Produktionsprozesse, bei denen es kostenmäßig keine Rolle mehr spielt, ob ein Produkt nun Massenwahre oder Einzelstück ist. Wem die ganze Sache mit den smarten Sensoren bisher zu trocken war, für den gibt es nun feuchtfröhliche Praxisbeispiele.

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Bilder: colourbox

Alle reden darüber, ein paar glauben sogar zu wissen was das genau heißt: Industrie 4.0. Einig ist man sich auf jeden Fall, dass nach Abschluss der vierten industriellen Revolution auch endlich die unbelebten Dinge so vernetzt sein sollen, wie wir Menschen es bereits jetzt über Facebook und Xing sind. Und somit dann alle Teile einer Prozessanlage wissen, was das andere gerade tut. Warum sollte einer Dosierpumpe auch mehr Privatsphäre vergönnt sein als unsereins. Betreiber aus der chemischen Industrie halten sich mit ihrer Euphorie allerdings derzeit noch bedeckt; zu komplex und dadurch unüberschaubar sind die Möglichkeiten und Verwerfungen dezentraler Automatisierungslösungen, die sich langsam durch die Nebelwand ferner Technikzukunft abzeichnen. Aber vielleicht kann man das Thema den Zögerlingen ja irgendwie schmackhaft machen.

Blended Beer

Wir wissen jetzt natürlich nicht, ob die Gründungsmitglieder auch wirklich Prozessanlagen-Betreiber im Hinterkopf hatten, als sie ihr Unternehmen Bierzuliebe ins Leben riefen. Aber das Geschäftsmodell ist definitiv dazu geeignet, die Vorzüge geringer Losgrößen auf Kundenwunsch ganz praktisch zu erfahren: Statt eine Sorte Bier in Mengen von mehreren Millionen Hektolitern in den Markt zu schütten, verbindet das Unternehmen klassische Brautechnik mit etwas, was bisher vor allem aus der Weinherstellung bekannt ist. Und dann je nach Qualität – und anvisiertem Marktpreis – mal Verschnitt oder auch Cuvée heißt. Dazu stellen die Bierbrauer eine bestimmte Anzahl an Suden her, wenn man so will: die Basischemikalien, und vermischen diese nach Eingang der Bestellung in genau dem Verhältnis, womit die vom Kunden gewünschte Hopfenintensität, der Alkoholgehalt oder auch die Farbe erreicht werden. Erst dann bringen sie den Brauprozess zum Abschluss und füllen das Ergebnis ab. Et voilà – Industrie 4.0 mit Schaumkrone. Wenn Sie also einen Ihrer Kollegen von den Vorzügen der vierten Industriellen überzeugen wollen und noch kein Weihnachtsgeschenk für ihn haben: Der Hersteller verspricht Lieferung binnen einer Woche.

Die Redaktion der CHEMIE TECHNIK wünscht
Ihnen erholsame Feiertage!

Hier gelangen Sie zum Hersteller der 4.0-Biere und hier zu weiteren CT-Spotlights.

Heftausgabe: Dezember 2015

Über den Autor

Philip Bittermann, Redaktion
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