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CT-Spotlight: Energiequelle des Monats

16.08.2013 Laut Bundesumweltminister Peter Altmaier soll nicht zuletzt der Ausbau dezentraler Stromerzeugung die Versorgungssicherheit der Bürger dieses Landes ermöglichen. Biogasanlagen wären ein Beispiel, oder auch Solarmodule auf dem Hausdach. Britische Forscher arbeiten nun an der wohl dezentralsten Möglichkeit.

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Schon in nicht allzu ferner Zukunft  wird Sie Ihr Arbeitskollege vielleicht nicht mehr nach einem Ladekabel fragen. Sondern ob und wieviel Kaffee Sie heute schon getrunken haben. Denn Forscher der UWE Bristol (University of the West of England) arbeiten gerade an einer Methode, wie wir alle unser Handy künftig mit Urin aufladen können. Dabei nutzen die britischen Alchemisten die Stoffwechselprozesse von Bakterien, um aus Harn Ladestrom zu erzeugen. Bis dato reicht die Ausbeute allerdings nur aus, um einen kurzen Anruf zu tätigen oder eine SMS zu verschicken.

Strom ist also wirklich gelb
Das Verfahren, das die Wissenschaftler derzeit allerdings noch weiterentwickeln, funktioniert, indem der Urin durch eine sogenannte mikrobielle Brennstoffzelle läuft. Die Energie, die dort entsteht, ist ein Nebenprodukt der ablaufenden bakteriellen Stoffwechselprozesse. In Zukunft könnte die Technologie, so die Vorstellung der Forscher von der Insel, standardmäßig in allen sanitären Anlagen zum Einsatz kommen – und dort beispielsweise die Energie für Duschwasser oder auch die Beleuchtung spenden. Ingolf Lück könnte also Recht behalten, verkündete er uns doch im Auftrag eines Energiedienstleisters „Der Strom ist gelb!“. Das eigentlich geniale an der Sache: Da wir maximal so viel Flüssigkeit als Urin ausscheiden, wie wir vorher unserem „System Mensch“ einflößen, ist diese Methode sogar eine laut Definition nachhaltige Form der Energiegewinnung; ökologischer geht es eigentlich nicht! Wer weiß, vielleicht werden die Minister Rösler und Altmaier ja schon bald den Slogan der 2005er Kampagne „Du bist Deutschland“ umdichten in „Du bist Kraftwerk“? Viel trinken sollten wir ja sowieso, gerade jetzt im Sommer. Na dann: Prost!

Heftausgabe: August 2013

Über den Autor

Philip Bittermann, Redaktion
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