Digitale Assistentinnen - Automatisierung der Frauenquote

CT-Spotlight: Mitarbeiterin des Monats

13.07.2017 IT-Branche und Verfahrenstechnik sind notorisch männerlastige Domänen. Dies war – trotz aller Gleichstellungsfortschritte – auf dem diesjährigen Engineering Summit zu beobachten. Und auch an Fachhochschulen und Universitäten sind die Hörsäle zu den entsprechenden Studiengängen vornehmlich männlich besetzt. Schaut man jedoch genauer hin, so findet sich ein Bereich der Branche, in dem die Geschlechter nahezu genau umgekehrt repräsentiert sind.

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Bild: Style-Photography – fotolia

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Gemeint sind Berufsbilder der assistierenden Art , die sich im Zuge der Digitalisierung wandeln: Vorzimmerdamen, Sekretärinnen, Büromanagerinnen und persönliche Assistentinnen. Denn wer heute etwas auf sich hält, ruft nicht mehr Fräulein Meier zum Diktat, sondern lässt Siri seinen Flug buchen, Cortana den Kalender organisieren und Alexa die Kinder ins Bett bringen.

Während der Vortragsreihe auf dem Engineering Summit fand eine weitere elektronische Dame besonderes Interesse. Ihr Name: Emelia. Sie entstammt der zunehmend stahlfreien Innovationsschmiede Thyssenkrupp und könnte sich künftig um deren Engineeringprozesse kümmern – und noch viel mehr. Was Amazons Alexa für den Haushalt wird, könnte Emelia einmal für den Anlagenbau sein, so die Idee.

Frauenmangel an vorderster Front

Weiblich-digitale Unterstützung ist in Zukunft auch bei der Deutschen Bahn am Zug, in Gestalt von Diana. Ihr Name stammt von „Diagnose und Analyse“, und genau das ist ihr Job. Diana ist bislang noch ein Testprojekt und soll Weichenstörungen aufspüren, noch bevor sie auftreten. Bemerkenswert an Dianas Einsatz ist, jenseits aller Gender-Fragen, vor allem die Tatsache, dass mittlerweile auch die Bahn erkannt hat: Proaktive Wartung senkt Stillstandszeiten.

Doch ist es ein Wunder, dass IT-ler und Ingenieure die Frauenquote erreichen wollen, indem sie sich nebenbei ihre Traumfrau basteln? Schließlich ist es der erste Reflex der „Karohemden“, die Lösung eines Problems zu programmieren oder zu konstruieren. Doch warum dann nur bei den Hilfskräften, während Superhirne wie IBMs Watson, die wichtige Forschungsaufgaben übernehmen dürfen, nach Männern benannt sind? So herrscht an vorderster Front weiterhin drastischer Frauenmangel, während im Hintergrund die digitalen Assistentinnen den Betrieb am Laufen halten.

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Heftausgabe: Juli 2017

Über den Autor

Ansgar Kretschmer, Redaktion
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