The Proof of the Pudding

CT-Spotlight: Spruch des Monats

19.05.2016 The Proof of the Pudding ... is in the eating – sprach keine geringere als Bundeskanzlerin Merkel und zog US-Präsident Barack Obama im Schlepptau im April über die Hannover Messe. „The lamest duck pres(id)ent“ revanchierte sich auf seiner Abschiedstournee mit guter Laune und flotten Sprüchen. Doch was hat es mit dem Pudding auf sich?

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Mai 2016

Bild: Deutsche Messe

Mit Pudding ist das ja so eine Sache. Man kann ihn bekanntlich nur unter großen Mühen an eine Wand nageln. Und auch die Assoziationen, die das Wort „Pudding“ beim Leser hervorrufen, sind – je nach Abstammung und Kulturkreis – durchaus unterschiedlich. So denken wir Deutschen beispielsweise in erster Linie an eine süße, vanilleweiße oder schokoladenbraune Masse, die vor Furcht erzittert, wenn ihr natürlicher Fressfeind die Schüssel ergreift. Der Pudding ist in der Regel dann missraten, wenn sich feste Partikel in der sonst homogenen Masse befinden.
Ganz anders sehen das die Bewohner der größten Nordseeinsel. Bei ihnen besteht der Pudding nicht aus Milch, Zucker und homogenisierter, durch Kochen polymerisierter Speisestärke, sondern aus Mehl, Rindernierenfett, Eiern, Pfeffer, Petersilie, Muskatnuss und Milch. Und  in der Bratröhre über diesem „Yorkshire-Pudding“ bruzzelt das Roastbeef, dessen Saft den darunter positionierten „Pudding“ tränkt. Ob das lecker ist? Spätestens hier kommt das Merkel´sche Testregime zur Anwendung: the eating.  So ganz ohne Hightech-Mess-Equipment und automatisierte Samplingprozeduren und auch nicht gefolgt von ausgefeilten Spektralanalysen. Einfach nur „essen“ – die orale Sensorik wird´s schon richten. Obgleich genau diese Testmethode schon dem einen oder anderen Potentaten zum Verhängnis geworden ist, wenn der Koch den Pudding um lebensverkürzende Zutaten ergänzt hatte.
Im frühesten schriftlichen Zeugnis des Merkel-Zitats, das sich auf ein 1605 erschienenes Werk des Briten William Camden zurückführen lässt, scheint der „Pudding“ ein Würstchen gewesen zu sein. Womit wir wieder bei der Hannover Messe wären: Denn vielleicht hatte unsere Kanzlerin ja nicht nur das Ausprobieren von VR-Brillen, Steckern für Elektroautos oder Golfschlägern für… was eigentlich?… im Sinn, sondern das traditionelle Messe-Mittagessen: Wiener Würstchen mit labbrigem Brötchen zu überhöhten Preisen?
Natürlich nicht. Merkel und Obama haben ihr Mittagsmahl im Beisein der Staatschefs aus Frankreich, Italien und England im Hannoverschen Schloss Herrenhausen eingenommen. Die älteren Herrschaften bekamen die Luxusversion von „Essen auf Rädern“  vom Garbsener Landhaus am See geliefert. Was es gab, bleibt ein Geheimnis. Nur für die Nachspeise haben wir eine konkrete Vermutung…

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Heftausgabe: Mai 2016

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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