Heiß-kaltes Eisen

CT-Spotlight: Wärmebildkamera für Mobiltelefone

19.09.2014 Oh schöne neue Technikwelt! Immer wieder überraschen uns Hersteller mit – teils sinnigen, teils unsinnigen – Ideen, wie Technik unseren Alltag bereichern, zumindest aber verändern kann. Doch wie uns bereits in unserer Jugend die Schilder in der Umkleidekabine vor dem Sportunterricht warnten: Gelegenheit macht Diebe!

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September 2014

Bild: © violetkaipa /Fotolia.com

Hier ist nomen nicht gleich omen: Ein Smartphone ist, anders als der Name es suggeriert, weniger Telefon als vielmehr PC im Taschenformat. Und ist damit ebenso flexibel, was seine Aufgaben angeht. Industrieunternehmen haben daher bereits nützliche Apps entwickelt, mit denen Kunden beispielsweise Produktkataloge einsehen oder  auch Maschinen-Anleitungen sekundenschnell aus dem Web laden können. Es war also imgrunde nur eine Frage der Zeit, bis der eine oder andere Marktteilnehmer auch die Hardware-Seite bedienen würde. Und hier kommt ein bekannter Hersteller von Wärmebildkameras ins Spiel. Seine Idee: Smartphones haben ein großes, hochaufgelöstes Farbdisplay. Und die dahinter verfügbare Rechenpower stellt vieles in den Schatten, was vor gar nicht so vielen Jahren als High-end-Rechner galt. Also entwickelte er eine Infrarot-Kamera, die sich wie eine etwas klobige Schutzhülle auf eines der Smartphones mit dem angeknabberten Apfel setzen lässt. Die Kamera filmt, das Handy übernimmt die Auswertung der Daten und deren Visualisierung.
So viele schöne Applikationsmöglichkeiten hatten die Entwickler für ihr rund 350 USD teures Gadget dabei im Sinn: Ingenieure konnten auf die Schnelle Rohrleitungen auf Leckagen untersuchen, Heimbesitzer nun selbstständig nach undichten Fensterdichtungen innerhalb der eigenen vier Wände suchen, Handwerker Fußbodenheizungen auf reibungslosen Durchfluss prüfen und Naturliebhaber auch noch im Schatten der Nacht auf Wanderschaft gehen und wilde Tiere in ihrem natürlichen Habitat beobachten.

Datendiebstahl offline
Doch unterschätzte der Hersteller die kriminelle/kreative Energie seiner Kundschaft. Diese brauchte nämlich gar nicht lange, um auch Einsatzmöglichkeiten abseits der gezeichneten Pfade zu finden – inspiriert von Kinobesuchen und ein wenig Naturwissenschaft: Die durchschnittliche Körpertemperatur des Menschen liegt zwischen 36 und 37 °C, die Oberflächentemperatur von Extremitäten wie Händen noch zwischen 28 und 33 °C. Berührt eine Person dann einen Gegenstand niedriger Temperatur, kommt es zum Wärmeübertrag. Und nun stellen wir uns vor, dieser Gegenstand sei die Tastatur eines Geldautomaten… Film ab![pb]

Heftausgabe: September 2014

Über den Autor

Philip Bittermann, Redaktion
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