Den Schlamm und nicht den Geldbeutel entwässern

CT-Trendbericht: Dekanter zur Klärschlammeindickung

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05.08.2016 Insbesondere bei Dekantern, die in der Abwassertechnik eingesetzt werden, zeichnen sich zahlreiche Entwicklungen ab. Zum Teil sind diese getrieben durch neue Vorschriften. Wir berichten über die regulativen und technischen Trends.

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Entscheider-Facts für Betreiber

  • Beim Entwässern und Eindicken von Schlämmen, die anschließend entsorgt werden müssen, spielen die Kosten eine entscheidende Rolle.
  • Bei der Investition und im Betrieb sollten nicht nur einzelne Positionen wie Energie- oder Investitionskosten betrachtet werden, sondern die Gesamtkosten.
  • Aktuelle Entwicklungen zielen darauf, den Einsatz von polymeren Flockungshilfsmitteln zu reduzieren und Dekanter nach verschiedenen Zielgrößen zu regeln.

Wenn Abfall-Schlämme behandelt werden, dann geht es vor allem um eines: Geld. Denn die Bereitschaft von Prozessbetreibern, in Entsorgungsprozesse zu investieren, ist verständlicherweise wenig ausgeprägt. So auch bei der Entwässerung von Klärschlamm. Allerdings gibt es hier einige Hebel, mit denen die Betriebskosten reduziert werden können.

„Wirtschaftlichkeit ist bei der Schlammentwässerung das A und O“, bringt es Brigitte Kirmeier, beim Zentrifugenhersteller Hiller verantwortlich für Marketing und Kommunikation, auf den Punkt. In den vergangenen Jahren wurde die Wirtschaftlichkeit von Maschinen zur Eindickung und Entwässerung kommunaler und industrieller Schlämme allerdings meist recht eindimensional diskutiert – vor dem Hintergrund der Energiedebatte standen vor allem Stromkosten für Antriebe im Zentrum. „Der Stromverbrauch ist vor allem politisch wichtig, bei der Schlammentwässerung spielt er aber eine untergeordnete Rolle“, gibt Kirmeier zu bedenken. Denn hier sind es vor allem der Bedarf an Flockungshilfsmitteln sowie die erreichten Trockensubstanz-Werte, die den Löwenanteil der Betriebskosten ausmachen. „Beim Trocknen und beim Transport von Klärschlamm ist jedes Prozent Trockensubstanz-Gehalt entscheidend“, bestätigt Ulrich Grünsfelder, Verkäufer beim Dekanteranbieter Alfa Laval. Eine Einschätzung, die Sabrina Guillerez, Marketingverantwortliche beim Zentrifugenhersteller Andritz nicht uneingeschränkt teilt: „Der Trockensubstanzgehalt ist wichtig, ist aber nicht das alleinige Entscheidungskriterium.“ Energiebedarf, Prozesssicherheit und Wartungsaufwand spielen nach Ansicht von Guillerez eine ebenfalls wichtige Rolle. Gegenüber den in der Klärtechnik klassisch genutzten Bandeindickern zeichnen sich Dekanter vor allem durch ihren niedrigen Bedarf an Flockungsmitteln aus. Die vergleichsweise teuren Polymere bewirken, dass feine Schlammpartikel zu Agglomeraten zusammenfinden und dadurch schneller sedimentieren. Bei der Schlammeindickung mit Dekantern liegen die Kosten für Flockungshilfsmittel um den Faktor 2 bis 3 niedriger als bei Bandeindickern – in der Praxis bedeutet das für einen Kläranlagenbetreiber durchaus ein- bis mehrstellige Tausend-Euro-Beträge pro Jahr. Der Trockensubstanz-Gehalt kommt insbesondere dann zum Tragen, wenn der Klärschlamm anschließend getrocknet werden muss. Und das ist immer dann der Fall, wenn das Abfallprodukt nicht in der Landwirtschaft als Düngersubstrat eingesetzt wird. Bislang ist das bei rund zwei Dritteln des in Deutschland anfallenden Klärschlamms der Fall. Dass die Mengen in naher Zukunft noch weiter zurückgehen könnten, liegt auch an der aktuellen Gesetzgebung: So dürfen nach der aktuellen Novelle der Klärschlammverordnung ab 2017 keine Schlämme ausgebracht werden, die synthetische Polymere enthalten bzw. deren Bestandteile nicht innerhalb von zwei Jahren um mindestens 20 % abgebaut werden. „Hier hat die Politik einseitig etwas festgelegt, wofür es in der Praxis noch keine Lösung gibt“, erklärt Michael Wünsch, Senior Sales Manager bei Pieralisi Deutschland.

Heftausgabe: August 2016
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Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
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