Trend zu Megaprojekten reloaded

CT-Trendbericht: Die größten Chemieanlagenprojekte der Welt

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13.11.2015 Asien schwächelt, der Schiefergas-Boom ist durch und der Ölpreis im Keller. Und nachdem die größten Projekte der Welt – die Gorgon-Gasraffinerie und der Sadara-Petrochemiekomplex – in den nächsten Monaten fertiggestellt sind, sollte man meinen, dass erst einmal Ruhe einkehrt. Weit gefehlt: Es zeichnen sich bereits weitere Megaprojekte am Horizont ab.

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Entscheider-Facts Für Planer und Interessierte

  • In den vergangenen Jahren wurden gleich mehrere Mega-(Petro-)Chemieprojekte mit Investitionskosten im zweistelligen Mrd.-Dollar-Bereich realisiert.
  • Die Megaprojekte Gorgon (Gasraffinerie und Export-Terminal), Sabine Pass (LNG-Terminal) und Sadara (Chemiekomplex) sind inzwischen nahezu abgeschlossen.
  • In Kuwait, Saudi-Arabien, Russland, China und USA zeichnet sich bereits eine ganze Reihe weiterer Projekte dieser Größenordnung ab.
Aktuelle Projektmeldungen  

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Insgesamt 80 Mio. Mannstunden wurden auf der Sadara-Baustelle in der saudischen Wüste geleistet – ohne nennenswerte Unfälle. Bild: KBR

Es ist eines der größten Petrochemieprojekte aller Zeiten: Das 54 Mrd. US-Dollar teure Gorgon-Projekt, das von Chevron, Shell und Exxon Mobil 200 Kilometer vor der australischen Nordwestküste realisiert (wir berichteten in CT 6/2014) – und nun, mit mehr als einem Jahr Verspätung – fertiggestellt werden wird. Eine Gasraffinerie und -verflüssigungsanlage, die ab kommendem Jahr jährlich 15 Mio. Tonnen Flüssiggas (LNG) produzieren soll. In 2009 gestartet, steht das Projekt für eine ganze Reihe von Mega- und eigentlich eher „Giga-„Projekten, deren Realisierungsentscheidung bis in die Zeit vor die Weltfinanz- und Wirtschaftskrise zurückreicht. Selbst die Kostenüberschreitung um 45 Prozent – in Zahlen ein Plus von 17 Mrd. US-Dollar – wäre akzeptabel, sofern die ursprünglichen Prämissen der Entscheidung stabil geblieben wären: Ein hoher Gaspreis für Abnehmer im asiatischen Raum.

Sadara: Der größte, in einem Stück gebaute Verbund-Chemiestandort wird angefahren

Ein anderes Beispiel für wahre Größe ist die 20-Mrd.-USD-Investition, die von Saudi Aramco und Dow Chemical derzeit im saudischen Al Jubail fertiggestellt wird (siehe diverse Berichte in CT). Das 2011 gestartete „Sadara Chemical Company“-Joint Venture soll noch in diesem Jahr erste Produkte liefern: 26 integrierte Anlagen im World-Scale-Maßstab werden ab kommendem Jahr jährlich 3 Mio. Tonnen Petrochemikalien und Kunststoffe produzieren. Auf  zwölf Quadratkilometern ist in den vergangenen drei Jahren in nur einer Bauphase der weltweit größte integrierte Chemiekomplex entstanden. Sage und schreibe 80 Mio. Mannstunden wurden dafür bis August 2015 auf der Baustelle eingesetzt. Rund 3.500 direkt beschäftigte Mitarbeiter und weitere 15.000 indirekte Arbeitsplätze sollen langfristig entstehen.

Für das saudische Staatsunternehmen ist das Projekt auch deshalb sehr bedeutend, weil es die Wertschöpfungstiefe der saudischen Chemie deutlich ausweitet: Sadara beheimatet künftig auch die ersten Anlagen in denen Polyurethane, Isocyanate und Polyole hergestellt werden. Eine weitere Besonderheit besteht darin, dass der Chemiekomplex Naphtha als Rohstoff für den grundlegenden Crack-Prozess nutzt. Doch der Cracker soll neben Naphta auch Ethan verarbeiten können.

Ebenfalls in diesem Jahr wird das LNG-Verflüssigungs- und Exportprojekt Sabine Pass des texanischen Gasexporteurs Cheniere fertiggestellt. Insgesamt 18 Mrd. Dollar investiert das Unternehmen in das Vorhaben, das dazu dient, nordamerikanisches Schiefergas per LNG-Tanker in alle Welt zu verschiffen (wir berichteten in CT 8/2014). Mit den drei Mega-Projekten findet eine ganze Reihe an Multi-Milliarden-Investitionen der vergangenen Dekade ihren Abschluss. Von den Vorhaben, die derzeit an der amerikanischen Golfküste realisiert werden, erreicht keines ein Investitionsvolumen im mehrstelligen Milliarden-Bereich.

Heftausgabe: November 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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