Nicht nur sammeln, sondern auch nutzen

Das Potenzial von Energiemanagementsystemen ausschöpfen

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27.04.2015 Energiemanagementsysteme à la ISO50001 sind in der chemischen Industrie weit verbreitet, seit die Bundesregierung Steuervergünstigungen und Investitionsförderungen an eine entsprechende Auditierung koppelt. Oft erlahmt aber mit der Implementierung das Interesse.

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Entscheider-Facts Für Betreiber und Manager

  • Energiemanagementsysteme à la ISO50001 sind äußerst sinnvoll – sie liefern Unternehmen umfangreiche Energiedaten und damit Transparenz in ihrem Energiehaushalt. Ohne Zweifel braucht es Zeit und Know-how, um Energiefressern auf die Schliche zu kommen und passende Maßnahmen zur Energieeinsparung zu planen.
  • Doch die Erfolgsaussichten rechtfertigen diesen Aufwand allemal. Praktisch jedes Chemieunternehmen, das seinen Energiehaushalt systematisch durchleuchtet, stößt auf überraschende Energiesparpotenziale, die sich mit geeigneten Maßnahmen direkt in Wettbewerbsvorteile übersetzen lassen.

Dabei fängt die eigentliche Arbeit dann erst richtig an: Die mit Hilfe des Energiemanagementsystems ermittelten Energiedaten sind – wie vom Gesetzgeber gewünscht – eine perfekte Basis zur Steigerung der Energieeffizienz. Vorausgesetzt, die Daten werden systematisch ausgewertet und in konkrete Maßnahmen übersetzt. Einige Beispiele aus der Praxis zeigen, welches Potenzial sich Unternehmen entgehen lassen, die diesen Datenschatz nicht heben.

Es ist wahr: Die „low hanging fruit“ der Energieeinsparung hat die chemische Industrie längst geerntet. Beispielsweise gehören heute Economizer zur Wärmerückführung aus dem Rauchgas von Feuerungsprozessen zur Standardausstattung. Das heißt jedoch nicht, dass es nur noch ein wenig Fallobst aufzuklauben gibt. Im Gegenteil: Im Geäst der Anlagen sind oft wahre Prachtexemplare der Energieeinsparung verborgen. Es braucht allerdings detektivischen Spürsinn, um diese Potenziale zu entdecken. Die Energiedaten geben wichtige Hinweise, wo es sich lohnt, genauer hinzusehen: Wo wird viel Energie verbraucht? Welche Prozesse sind daran beteiligt? Wie wirken sie sich auf den Gesamtenergiehaushalt der Anlage aus?

Erfahrungsgemäß verbergen sich die größten Energiefresser in den Kernprozessen einer Anlage. Genau hier haben viele Unternehmen aber einen blinden Fleck und agieren nach dem Motto: Never change a running system. Doch nur wer auch die Kernprozesse unter Energiegesichtspunkten kritisch hinterfragt, wird mit hohen Einsparungen belohnt. Eine Senkung des Energiebedarfs im zweistelligen Prozentbereich ist dann selbst mit überschaubaren Investitionskosten machbar. Einige konkrete Beispiele verdeutlichen, wo typische Energiefresser zu finden sind.

Energiefresser 1: Qualität gesichert – koste es, was es wolle
Bandtrockner sind in der Praxis weit verbreitet und verbrauchen in aller Regelgroße Mengen an Energie. Häufig ist die Heizleistung jedoch nicht optimal auf den Materialdurchsatz abgestimmt. Der Grund hierfür: Der Fokus bei der Planung einer Anlage liegt in der Regel auf der Produktqualität, nicht auf der Energieeffizienz. Bei genauerem Hinsehen zeigt sich deshalb häufig, dass ein allzu großzügiger „Puffer“ eingerechnet wurde, nach dem Motto: Hauptsache, die Qualität stimmt.

Nach einer derartigen gründlichenAnalyse können durch das Erhöhen des Durchsatzes eines Bandtrockners durchaus 10 bis 20 % des Energieverbrauchs eingespart werden. Und das mit denkbar wenig Aufwand: So könnte man die Bandauflage oder die Bandgeschwindigkeit erhöhen. Alternativ – oder auch zusätzlich – kann man  versuchen, die vorgeschaltete mechanische Entwässerung mit Hilfe von Filterpressen zu optimieren, die den Wassergehalt des Produkts vor der Behandlung im Trockner verringern.

Heftausgabe: Mai 2015
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Stefan Authier, Leiter Energie- und Prozessmanagement der Engineering-Sparte Infraserv Gendorf

Über den Autor

Stefan Authier, Leiter Energie- und Prozessmanagement der Engineering-Sparte Infraserv Gendorf

Stefan Authier, Leiter Energie- und Prozessmanagement der Engineering-Sparte Infraserv Gendorf

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