Der Chemiestandort Deutschland verliert Wettbewerbsfähigkeit

30.09.2014 Die deutsche chemische Industrie erzielt 60 % ihres Umsatzes im Export. Doch globale Konkurrenz und sinkende Wettbewerbsfähigkeit setzen dem Chemiestandort Deutschland immer stärker zu. Nach einer neuen Studie von Oxford Economics im Auftrag des Verbands der Chemischen Industrie (VCI), Frankfurt, hat sich der Abwärtstrend seit 2008 verstärkt.

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In der Studie hat das Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics nachgewiesen, dass der Rückgang der Marktanteile der deutschen Chemie vor allem auf einen Verlust an globaler Wettbewerbsfähigkeit des Chemiestandorts zurückzuführen ist. Als Faktor mit dem größten Einfluss auf die Wettbewerbsfähigkeit eines Chemiestandorts hat das Institut die Energie- und Rohstoffkosten sowie die Forschungsausgaben der Branche identifiziert. So hat die Chemieindustrie seit 2011 weder die Produktion noch die Investitionen am Standort Deutschland ausgeweitet.

Bei der Vorstellung der Studie sagte der scheidende VCI-Präsident Dr. Karl-Ludwig Kley mit Blick auf die USA (und das dort billige Erdgas aus Ölschiefergestein): „Ein Blick über den Atlantik zeigt, wie man im Gegenzug mit günstigen Energiepreisen Wettbewerbsfähigkeit gewinnt.“ Weitere Faktoren, die die Wettbewerbsfähigkeit eines Chemiestandorts beeinflussen, sind die Qualität der Verkehrsinfrastruktur, Investitionen, Wechselkurse, Steuern, Regulierungskosten und die Dichte des Industrienetzwerkes.

Eine hohe Forschungsintensität wirkt sich langfristig positiv auf die Wettbewerbsfähigkeit und den Anteil am globalen Chemieexportmarkt aus, so die Studie. „Wir müssen schlicht besser sein als andere“, zog Kley als Schlussfolgerung. Daher habe die deutsche Chemieindustrie ihre jährlichen Aufwendungen für Forschung und Entwicklung seit 2009 auch um gut 2,5 Mrd. auf 10,5 Mrd. Euro gesteigert.

Auch Investitionen hat Oxford Economics als wichtigen Einflussfaktor auf die Wettbewerbsfähigkeit identifiziert. „Dass am Chemiestandort Deutschland seit Jahren kaum noch über die Abschreibungen hinaus investiert wird, ist ein alarmierendes Signal“, erklärte Kley. Besonders, da gleichzeitig in anderen Teilen der Welt massiv investiert werde.

Zusammenfassend sagte Kley: „Deutschland ist ein attraktiver Chemiestandort. Tatsache ist aber, dass wir in den letzten beiden Jahrzehnten Anteile am Weltchemiehandel und der Weltchemieproduktion verloren haben. Politik und Öffentlichkeit müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir uns in einer kritischen Phase befinden, was unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit angeht.“

Die Studie von Oxford Economics zeigt, welche Hebel die größte Wirkung auf die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit eines Chemiestandortes haben. „Deutschland braucht bezahlbare Energie und die besseren Ideen, um dauerhaft erfolgreich zu sein“, sagte Kley. Weichen für bessere politische Rahmenbedingungen für die Unternehmen ließen sich vor allem auf drei Feldern stellen: Durch die Senkung der staatlich verursachten Energiekosten, den Verzicht auf eine überambitionierte Vorreiterrolle im Klimaschutz sowie die Stärkung der Forschungsintensität und damit der Innovationsfähigkeit der Unternehmen am Chemiestandort Deutschland.

Die 63-seitige Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts „Die Wettbewerbsfähigkeit des Chemiestandorts Deutschland im internationalen Vergleich – Rückblick und Zukunftsperspektiven“ füllt eine Lücke: Bislang gab es keine wissenschaftlich vergleichenden Arbeiten zur Wettbewerbsfähigkeit verschiedener Chemienationen.

Weblinks zum Thema
Einen deutschsprachigen, 24-seitigen Bericht (PDF) des VCI auf Basis der Studie von Oxford Economics finden Sie auf der Internetseite des Verbandes oder direkt hier.
Das Statement von Karl-Ludwig Kley anlässlich der Vorstellung der Studie sowie die zugehörigen Grafiken finden Sie hier (Klicken Sie „5 Dateien zum Download anzeigen“).
Die englischsprachige Studie „Evolution of competitiveness in the German chemical industry: historical trends and future“ (PDF, 63 Seiten) von Oxford-Economics finden Sie ebenfalls beim VCI im Internet oder direkt hier.

(dw)

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