Peristaltisch dosieren

Desinfektionsmittel-Zusatz per Schlauchpumpe

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05.07.2016 Beim exakten Dosieren aggressiver Medien bieten peristaltische Schlauchpumpen Vorteile gegenüber Magnet-Membranpumpen. Der Verpackungsspezialist Huhtamaki dosiert darum Natriumhypochlorit zur Desinfektion mit Hilfe der Qdos-Pumpen von Watson-Marlow in den Kühlwasserstrom seiner Fertigungslinien.

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Entscheider-Facts für Betreiber und Einkäufer

  • Korrosive Chemikalien können Magnet-Membranpumpen auf lange Sicht beschädigen und Leckagen verursachen. Bei peristaltischen Schlauchpumpen kommt nur der Schlauch mit dem geförderten Medium in Kontakt, und sie kommen ohne wartungsintensive Ventile aus. Sie sind daher eine widerstandsfähige Alternative.
  • Auch bei Dosierpumpen erzielt das peristaltische Förderprinzip die notwendige Förderleistung und Präzision, um Zusätze wie Desinfektionsmittel oder Farbstoffe exakt zu dosieren.

An sieben Tagen in der Woche, rund um die Uhr, laufen die elf Fertigungslinien des Verpackungsspezialisten Huhtamaki Molded Fiber Technology im niederländischen Ort Franeker. Die finnische Unternehmensgruppe betreibt im Norden der Niederlande bereits seit 1938 einen ihrer weltweit 61 Fertigungsstandorte. Dort entstehen Faserformverpackungen für empfindliche Lebensmittel wie Eier, Steinfrüchte, Äpfel, Birnen oder Tomaten.
Bei der Produktion dieser Verpackungen spielen Pumpen bei vielen Aufgaben eine wichtige Rolle. Für eine anspruchsvolle Dosieraufgabe fehlte jedoch lange eine zufriedenstellende Lösung: „Für uns ist es sehr wichtig, dass wir der Bildung von Algen, Hefen und Pilzen im Prozesswasser vorbeugen“, erläutert Benno Koopmans, der Prozessmanager des Werks. „Daher dosieren wir Natrium-Hypochlorit zur Desinfektion in den Kühlwasserstrom, bei einem Gegendruck von zwei Bar.”
Bis vor Kurzem übernahmen Magnet-Membranpumpen diese Aufgabe. Das korrosive Natrium-Hypochlorit verursachte jedoch häufige Leckagen und dadurch Schäden an den elektrischen Leitungen. „Die Ausfallzeiten, Reparaturen und Kosten summierten sich“, so Koopmans. „Wie die meisten unserer Mitbewerber kalkulieren wir mit niedrigen Margen, so dass sich selbst kurze Ausfallzeiten bereits negativ auswirken.“

Schwierige Medien, ohne Ventile
Eine Lösung für dieses Problem für die Verpackungslinien in Franeker war die erstmals im Februar 2012 installierte Dosierpumpe Qdos von Watson-Marlow. Im Gegensatz zu anderen Dosierpumpen arbeitet sie nach dem peristaltischen Förderprinzip. Gerade bei schwierigen und korrosiven Fördermedien bieten solche Schlauchpumpen Vorteile gegenüber anderen Pumpenarten: Da lediglich der Schlauch mit dem Fördermedium in Berührung kommt, können keine anderen Teile der Pumpenmechanik verstopfen oder korrodieren. Säuren, Laugen, abrasive, viskose, scherempfindliche und gasförmige Medien lassen sich schonend und sicher verarbeiten. Darüber hinaus sind keine wartungsintensiven Zusatzkomponenten wie Rückschlagventile notwendig.
Da der Pumpenkopf der Dosierpumpe gekapselt ist, ist ein Austreten des Fördermediums praktisch ausgeschlossen. Dieser Pumpenkopf gilt als das einzige Verschleißteil der Pumpenserie. Er lässt sich als komplettes Teil auswechseln. Dies scheint jedoch selten nötig zu sein: „Die erste Pumpe ist zweieinhalb Jahre lang ohne Probleme mit dem Originalpumpenkopf gelaufen”, erklärt Koopmans.
Das bei Huhtamaki Molded Fiber Technology BV verwendete Modell Qdos 30 erzielt auch beim Dosieren schwieriger Medien eine lineare und wiederholbare Förderleistung von 0,1 bis 500 ml/min bei einem Druck von bis zu 7 bar und einer Fördergenauigkeit von etwa 1 %. Die größeren Modelle Qdos 60 und Qdos 120  erreichen Fördervolumen bis 1.000 bzw. 2.000 ml/min.

Kein Show-Stopper
Im Werk Franeker arbeitet die Pumpe in Kombination mit einem Durchflussmesser. Dieser misst die Menge an Kühlwasser in Kubikmetern pro Stunde und regelt die Dosierung des Natriumhypochlorits. Da der Betreiber bei der Installation der Pumpen auf die bereits vorhandenen 4…20-mA-Signalleitungen der früheren Membranpumpen zurückgreifen konnte, erwies sich die Installation als unkompliziert. Das gesamte System ließ sich per „Plug-and-Play“ einrichten.

Heftausgabe: Juli 2016
Seite:
Christian Paschen, Commercial Manager Germany,  Watson-Marlow  Fluid Technology

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Christian Paschen, Commercial Manager Germany, Watson-Marlow Fluid Technology
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