Energieeffizienz vom Amt

Die Eco-Design Richtlinie und ihre Umsetzung aus Sicht des VDMA

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18.03.2009 Mit der EUP-Richtlinie wurde ein Rahmen geschaffen, um die Integration von Umweltaspekten in die Entwicklung und das Design von energiebetriebenen Produkten und damit die Verbesserung der Umweltauswirkungen dieser Produkte zu fördern. Doch die Umsetzung deren Anforderungen für spezifische Produkte gestaltet sich holprig. Die Gründe dafür sind vielfältig. Ein kritischer Blick auf die Richtliniengebung in der EU.

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Eco-Design – eine umweltgerechtere Herstellung, eine energieeffiziente Verwendung und eine umweltschonende Entsorgung von Produkten – ist das Ziel dieser EG Richtlinie. Sie führt zweifelsohne zu höherwertigen und effizienteren Produkten. Ganz außer Acht bleiben dabei die Folgen solcher Eingriffe in die Marktwirtschaften. In ihrer Rigorosität führt die Umsetzung mancher Maßnahme zu vermehrtem Einsatz teurer und seltener Rohstoffe, zur totalen Neukonstruktion von Produkten und deren Herstellungsprozessen und so in Zeiten aktueller „Kreditklemmen“ zur Vernichtung von Firmen und Arbeitsplätzen. Umsetzungsmaßnahmen für hocheffiziente E-Motoren und Heizungsumwälzpumpen sind bereits „errungen“ worden – für andere Produktgruppen laufen die Studien noch.

Die EuP-Richtlinie folgt dem Artikel 95 der EU Verträge und wurde im Sinn des sogenanntnen „New Approach“ erstellt. Somit ist festgelegt, dass die Richtlinie selbst nur Ziele formuliert, der Weg, wie diese Anforderungen zu erreichen sind, den harmonisierten (von der EU initialisierten) produktspezifischen Normen zufällt. Erfüllen Produkte die gesetzten Anforderungen der relevanten EG-Richtlinien, so können diese innerhalb der EU frei gehandelt werden. Dies wird durch das CE-Zeichen dokumentiert. Die Normen, die in Folge eines durch die EU ausgesprochenen Mandats zu einer Richtlinie entstehen, werden von den „betroffenen Kreisen“ erarbeitet. Den Großteil der anfallenden Arbeit leistet gewöhnlich die Industrie, also die Hersteller der Produkte. Wer nun darin einen Vorteil oder einen Ausweg aus hohen Anforderungen sieht, der verkennt die Realität.

Im Zuge wachsender internationaler Konkurrenz müssen europäische Hersteller ihr Heil in höherer Qualität (Langlebigkeit, Verfügbarkeit, Service) und höherer Umweltverträglichkeit (Energieeffizienz, Vibrations- und Geräuscharmut) suchen. „Normal“ geht anderswo auf dieser Welt billiger. Damit ergibt sich das Problem, den Anforderungen der EU gerecht zu werden, den Technologievorsprung zu erhalten und bei allem den Kostendruck auf einem Niveau zu halten, der noch Spielraum für Investitionen lässt. Die aktuelle Wirtschaftslage und der „Apparat Brüssel“ tragen gegenwärtig nicht viel Positives dazu bei. Im Gegenteil, durch Verzögerungen im zeitlichen Ablauf, sehen sich die Hersteller bereits betroffener Produkte aktuell mit einem hohen Zeitdruck konfrontiert, rechtzeitig zu den Stichtagen des Inkrafttretens geeignete und mit allen Interessenvertretern abgestimmte Normen fertiggestellt zu müssen. Die Personalressourcen für diese Arbeiten fehlen den Unternehmen an anderen Stellen.

Brüsseler Beamte machen die Regeln für Investitionsgüter

Das eigentliche Dilemma dieser Richtlinienumsetzung für Investitionsgüter oder Industrieprodukte ist jedoch, dass sie für Konsumprodukte angedacht war, und ohne auf die Spezifika von Investitionsgütern zu achten, auf diese ausgedehnt wurde. Während Konsumprodukte in der Regel autonom und unverknüpft mit anderen Geräten betrieben werden, werden Investitionsgüter oder Industrieprodukte in den überwiegenden Fällen in Anlagen betrieben, in denen komplexe Vorgänge und unterschiedliche Geräte anwenderspezifisch geregelt und kontrolliert werden.

Nun sitzen in Brüssel ausnahmslos Endverbraucher und andere Menschen mit einem ausgeprägten Umweltbewusstsein. Die halten sich nicht an Kleinigkeiten auf, die sehen das große Ganze. Dass die EuP-Richtlinie für Investionsgüter nicht das probate Mittel sein kann, signifikante Energieeinsparungen bei abhängig agierenden Geräten zu erzielen, wurde von der Industrie in Brüssel hinreichend erläutert und blieb trotz fundierter Alternativen weitestgehend ungehört. Fast scheint es, als wolle man in Brüssel die Gefahr nicht sehen, die bereits vor Jahren den Konsumgütermarkt vollkommen umgekrempelt hat. Während Investitionsgüter oder Industrieprodukte heute noch verbreitet in Europa produziert werden, findet im Bereich vieler Konsumprodukte gegenwärtig nur noch ein Bruchteil der Produktion früherer Jahre in den traditionellen Industrieländern statt. Die Verlagerung von Produktionsstätten von Deutschland in „billigere Länder“ ist bei vielen Firmen schon heute Normalität und kaum eine Branche blieb von diesem Trend unberührt. Der Bereich der Investitionsgüter, der im weitesten Sinn auf der mittelständischen Industrie aufbaut, hinkt hier noch etwas hinterher.

„Die EuP-Richtlinie wird, wenn an ihrem Ende die falschen Umsetzungsmaßnahmen stehen, einen gehörigen Anteil am Exodus der mittelständischen Industrie haben“

Bei Konsumprodukten geht es vornehmlich darum, eine ausreichende Qualitätsanforderung an Produkte zu stellen, die in die EU importiert werden, während Maßnahmen im Bereich der Investitionsgüter hauptsächlich die europäischen Hersteller trifft, die hier noch eine Domäne verteidigen. Die Ausweitung auf die Industrieprodukte könnte somit zum Anfang vom Ende werden. Zumal da die erneute Erweiterung des Anwendungsbereichs auf Energie bezogene Produkte (ErP – Energy related Products) beschlossene Sache ist.

Es mag Gründe für die skeptische und zweifelnde Grundhaltung der „Grünen“ geben, aber mit ein wenig mehr an Sachverstand und Objektivität seitens der EU-Kommission ließe sich ein für die Umwelt wesentlich positiveres Ergebnis erzielen. Es stellt ein grundlegendes Problem dar, mit dem zunächst federführenden EU-Direktorat „Transport und Energie“) und dessen „Fremdenlegionären“ ein Gespräch auf einem sachdienlichen Niveau zu führen. So genügen bloße Forderungen nach technisch nicht realisierbaren Wirkungsgraden der „Umweltseite“, den technisch untermauerten und unter den Vorgaben der Richtlinie vorgebrachten Lösungsansätze der Hersteller als gleichwertig gegenübergestellt zu werden und aus dem arithmetischen Mittel beider Vorschläge einen „zufriedenstellenden Kompromiss“ zu ermitteln und als Umsetzungsmaßnahme vorzuschlagen.

„Bei der Basarmentalität bleibt die Umwelt auf der Strecke“

Das hat in keinster Weise etwas mit der Suche nach machbaren und zielgerichteten Lösungen zu tun – das ist reine Basarmentalität, bei der die Umwelt auf der Strecke bleibt. Ein weiteres, nicht nachvollziehbares Ärgernis ist die indifferente Handhabung der einzelnen Produktgruppen durch die einzelnen Produktstudien. Von der Betrachtung einzelner Maschinenteile – „Pumpe ohne Antrieb“ bis hin zur Betrachtung „imaginärer Systeme“ – Produkt plus idealisierte Peripheriegeräte – reicht das Spektrum der Produktgrenzen, obwohl die EG-Richtlinie das Produkt als solches in der Form definiert, wie es in Verkehr gebracht, also verkauft wird. Dies trägt zur Unzufriedenheit vieler Beteiligten bei und führt zu dem Ergebnis, dass eine Vergleichbarkeit der Energieeffizienz verschiedener Produkte für den Anwender in weite Ferne rückt.

Ein weiteres Resultat dieses Vorgehens ist die unsaubere Abgrenzung von Produkten bei den verabschiedeten Umsetzungsmaßnahmen. So werden beispielsweise Heizungsumwälzpumpen in der Studie zum Los 11 und im Zusammenhang mit Warmwassererzeugern (Studie zum Los 2) behandelt. Auf diesem Weg werden Unternehmen zu Betroffenen, die an der Ausarbeitung der Umsetzungsmaßnahmen gar nicht beteiligt waren und die von ihrer Betroffenheit noch überzeugt werden müssen.

Der gesamte Prozess, die Entstehung und die Implementierung der beschlossenen Maßnahmen, der unter dem Begriff Komitologieverfahren firmiert, gaukelt den Betroffenen darüber hinaus eine Offenheit vor, die in der Realität nicht vorhanden ist. Gerade während der internen Abstimmung zwischen den verschiedenen Brüsseler Stellen dienen jeweils „die anderen“ als Alibi für eine quasidemokratische Lösungsfindung, deren Weg nur schwerlich nachvollziehbar ist. Argumente werden bilateral aufgrund gegenteiliger Aussagen, aus nicht näher bezeichneten Quellen, nicht berücksichtigt, während andere aufgrund „formaler Zwänge“ direkten Einzug in die Dokumente finden.

Faule Kompromisse enttäuschen

Selbst der Informationsaustausch der ausführenden Brüsseler Stellen mit den offiziellen nationalen Stellen ist nicht geeignet, ein optimales Ergebnis zu erreichen. Oft wissen, reges Engagement vorausgesetzt, die Industrievertreter Details wesentlich früher als die Regierungsstellen, die der Industrie verfahrensbedingt in Sachen Informationsfluss vorgeschaltet sein sollten.

Nicht federführende Stellen in Brüssel und vor allem die offiziellen nationalen Stellen sind von dieser Kritik auszunehmen und durchaus zu einem sachdienlichen Dialog willens und fähig. Umso enttäuschender ist dann die Tatsache, dass die Ergebnisse oftmals den Tatbestand eines faulen Kompromisses erfüllen.

In Sachen Energieeffizienz findet aktuell ein weltweiter Wettbewerb um die ambitioniertesten Effizienzwerte und Ziele statt, der vordergründig geführt wird, während dahinter die Abschottung von Märkten steht. Dabei gelten Regeln in fernen Wirtschaftsräumen lediglich in eine Richtung, während sie bei uns in Europa zunächst einmal bei denen angewendet werden, derer man habhaft werden kann.

Bei der ganzen Diskussion bleiben Vernunft und Nachhaltigkeit und eine Reihe von Unternehmen auf der Strecke. Jeder argumentiert mit anderen Zahlen und polemisiert mit anderen Szenarien. Dabei gibt es Randbedingungen, die wir gar nicht außer Acht lassen können. Unsere Volkswirtschaft ist auf Wachstum ausgelegt – wie jede andere weltweit auch. Den erreichten Lebensstandard möchte niemand nach unten verändern. Rohstoffe, die zur Herstellung von hocheffizienten Antrieben und anderer Technologien notwendig sind, sind örtlich wie auch mengenmäßig limitiert.

Durch überzogene Forderungen werden also neue Abhängigkeiten geschaffen, ohne dass die Abkopplung von Vorhandenen erreicht wäre. Mit den höheren Anforderungen steigen die Kosten für das Engineering und die Produktion. All dies sind Aspekte, die die Gesetzgeber in Brüssel weitestgehend ignorieren. Mit der zunehmenden Ausweitung des Anwendungsbereichs dieser Richtlinie werden weitere Produkte mit überzogenen Anforderungen konfrontiert, und vieles von dem, was in Brüssel einmal aus guter Absicht – das sollte man trotz allem unterstellen – angegangen wurde, wird am Ziel vorbeischießen und weitere Beispiele liefern, wie wenig effizient man das Thema Energieeffizienz behandelt. Der „böse Bube“ ist ja bereits gefunden – die Industrie.

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Entscheider-Facts       

Für Betreiber

Die EUP-Richtlinie bildet den Rahmen, um Umweltaspekte in das Design von energiebetriebenen Produkten wie Maschinen umweltgerecht zu gestalten.
Das eigentliche Dilemma der Richtlinienumsetzung für Investitionsgüter besteht darin, dass die Richtlinie für Konsumprodukte angedacht war und ohne auf die Unterschiede zu achten, auf Industrieprodukte ausgedehnt wurde.

Heftausgabe: März 2010
Friedrich Klütsch

Über den Autor

Friedrich Klütsch

Friedrich Klütsch ist technischer Referent im VDMA Fachverband Pumpen+Systeme

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