Eine Frage des Prozesses

Drehkolben- oder Schraubengebläse?

Anlagenbau
Chemie
Pharma
Ausrüster
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

28.09.2016 Luftverdichter gibt es mittlerweile viele, entsprechend steht so manchen Anwender vor der Qual der Wahl. Der Beitrag gibt praktische Hilfestellungen, die Anwendern die Orientierung vereinfachen sollen.

Anzeige

Entscheider-Facts für Betreiber

  • Möglichkeiten haben Betreiber viele, wenn es um die Auswahl bei Luftverdichtern geht. Doch nicht jede Lösung ist gleich effizient.
  • Drehkolben- und Schraubengebläse haben beide ihre Vorteile. Allerdings können sie diese nur ausspielen, wenn sie in der korrekten Anwendung zum Einsatz kommen.
  • Dabei können reine Papierwerte in die Irre führen: Nur eine genaue Prozessanalyse, die nicht nur Leistungsspitzen betrachtet, sondern auch den häufigsten Betriebsbereich identifiziert, führt zur effizientesten Lösung.

Wer Luftverdichter für den Niederdruckbereich sucht, steht häufig vor der Qual der Wahl zwischen unterschiedlichen Technologien, die alle möglich sind. In der Familie der zweiwelligen Drehkolbenverdichter waren lange Drehkolbengebläse die Standard-Lösung für Betreiber, bis vor Kurzem speziell für den Niederdruck optimierte Schraubenverdichter hinzukamen. Die Frage ist seitdem, welcher Typ eignet sich wann und warum am besten? Gleich vorneweg: Eine pauschale Aussage gibt es nicht, aber es gibt einige Faktoren, anhand derer eine Orientierung möglich ist.

Jeder Anwendung ihre Lösung

Die Bandbreite der möglichen Anwendungen für Gebläse ist groß. Im Bereich der Industrie reichen diese vom Belüften von Flüssigkeiten (Abwasseraufbereitung, Bioreaktoren, Flotation), über die Luftzufuhr zu Feuerungsanlagen bis zum pneumatischen Fördern von Schüttgütern und dem Fluidisieren. In der Regel spielen sich diese Anwendungen im Niederdruck bis 1 bar Druckdifferenz ab, weisen jedoch teilweise sehr unterschiedliche Last- beziehungsweise Laufzeiten auf. Einige dieser Anwendungen, meist die im Bereich der Flüssigkeitsbelüftung, erfordern von den Gebläsen einen sehr variablen Volumenstrom, während der zeitliche Druckverlauf konstant ist. Andere Anwendungen, beispielsweise die pneumatische Schüttgutförderung, weisen zeitlich stärker schwankende Drücke auf und erfordern gleichzeitig einen stabilen Volumenstrom. Zeitweise arbeiten die Gebläse auch im Leerlauf; das heißt sie bleiben ohne prozessseitigen Gegendruck aus dem sich anschließenden Verteilernetz in Betrieb. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Anwender kein Schüttgut in die Förderleitung einschleust, während das Gebläse läuft.

Betriebspraxis entscheidet

Relevant für die Wahl der für die jeweilige Anwendung geeignetsten Verdichtertechnologie ist zunächst, ob der Volumenstrom variabel sein muss und in welchem Bereich. Danach gilt es herauszufinden, wie der erforderliche Betriebsdruck zeitlich verläuft. Beides sollte nicht nur bekannt sein, um generell im Vorfeld herauszufinden, welcher Verdichter geeignet ist. Sondern ist auch wichtig, um prognostizieren zu können, welche Energieeinsparungen zu erzielen sind. Mancher Verdichter, der im ersten Moment am effizientesten erscheinen mag, kann dennoch mitunter schlechter abschneiden, wenn es um Energieeinsparung geht. Nämlich dann, wenn er im Unternehmen nur bei Teillast oder mit nur sehr wenigen Betriebsstunden läuft.

Auf der nächsten Seite erfahren Sie u. a., wie sich die Systeme unterscheiden.

Heftausgabe: Oktober 2016
Seite:

Über den Autor

Daniela Köhler, Pressesprecherin, Kaeser Kompressoren
Loader-Icon