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Endress+Hauser Jahresbilanz: „Wir sind nicht zufrieden.“

03.05.2016 Der erfolgsverwöhnte Mess- und Automatisierungsspezialist Endress+Hauser hat für 2015 ein gemischtes Resümee gezogen: Das erzielte Umsatz-Plus war vor allem Währungseffekten geschuldet - der Gewinn ist um 6,3 % gesunken. “Wir sind nicht zufrieden”, urteilte CEO Matthias Altendorf.

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Währungseffekte, chinesische Wirtschaft, Ölpreis

Neben Währungseffekten drückte das langsamere Wirtschaftswachstum in China auf den Geschäftslauf. „Die geringere Nachfrage der chinesischen Wirtschaft nach Rohstoffen und Energie hat sich in vielen Ländern vom Pazifik über Südostasien bis Südamerika negativ ausgewirkt“, erklärte CEO Altendorf. Spürbar sei ein Wandel von der exportgetriebenen Industrie hin zu einem Fokus auf Privatkonsum und den chinesischen Binnenmarkt. Politische Krisen und wirtschaftliche Unsicherheit hätten zusätzlich weltweit auf das Investitionsklima gedrückt. Die Zeit der Großinvestitionen, “das Geschäft mit riesigen Anlagen auf der grünen Wiese” sei vorbei und werde auch nicht wiederkommen, so Chief Operating Officer Michael Ziesemer.

Hinzu kommt der Verfall der Rohstoffpreise, insbesondere des Ölpreises. Auch hier zeigen sich zwei Seiten: Während beispielsweise in den USA das Öl- und Gasgeschäft leidet, boomt die Petrochemie. Die billige Energie wirke “wie ein gigantisches Konjunkturprogramm”, so Altendorf. “Doch bis diese Effekte bei uns ankommen, vergeht viel Zeit.” Das anlaufende Geschäft an einer Stelle habe das ausbleibende Geschäft an anderer Stelle noch nicht ausgleichen können.

Plus bei Lebensmittel, Wasser/Abwasser und Pharma

Gut entwickelt haben sich 2015 dem Firmenchef zufolge konsumnahe und nicht-zyklische Branchen wie Lebensmittel, Wasser/Abwasser und Life Sciences. Hohe Zuwächse verzeichnete das Geschäft mit Dienstleistungen und umfassenden Automatisierungslösungen. Auch im Bereich Analyse sei ein überdurchschnittliches Wachstum erzielt worden. Matthias Altendorf: „Das bestätigt unsere Strategie, die Prozessanalyse zu stärken und die Laboranalyse als Markt zu erschließen.“

Als Folge der überproportional gewachsenen Kosten gab das Betriebsergebnis (Ebit) der Gruppe um 6,3 % auf 251,3 Millionen Euro nach. Trotz etwas niedrigerer Steuerquote ging auch das Ergebnis nach Steuern um 14,1 %t auf 164,7 Millionen Euro zurück.

Mit 166,1 Millionen Euro hat der Hersteller im vergangenen Jahr fast ein Drittel (31,5 %) mehr als im Vorjahr, hat Endress+Hauser 2015 in neue Gebäude und Anlagen investiert. Die Zahl der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter belief sich auf 12.952 zum Jahresende. 2015 hat das Unternehmen 517 Stellen geschaffen. Die Ausgaben für Forschung und Entwicklung stiegen um 11,1 Prozent auf 159,7 Millionen Euro. Das entspricht 7,5 Prozent des Umsatzes.

Noch schwierigeres Jahr 2016 erwartet

Der Verwaltungsrat und die Gesellschafter der Familie Endress seien “natürlich nicht glücklich über die Resultate des vergangenen Jahres”, fasste Verwaltungsratspräsident Klaus Endress zusammen. Doch die weltweite Präsenz mit Vertrieb und Produktion, die breite Abstützung über unterschiedliche Branchen und das umfassende Portfolio an Produkten, Lösungen und Dienstleistungen hätten im schwierigen Umfeld 2015 geholfen so die Geschäftsleitung. Diesen Weg will das Unternehmen mit der neuen Strategie 2020+ auch weiterhin verfolgen. Neben Fokus auf die Kernbranchen des Unternehmens und noch besser ausgerichtetem Portfolio beinhaltet diese Strategie auch konsequente Mitarbeiter-Förderung, ein gestärktes internationales Netzwerk und verantwortungsvollen Umgang mit Risiken. Neben den reinen Geschäftszahlen seien für das Unternehmen auch nicht-ökonomische Indikatoren wie Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit sowie Nachhaltigkeit als Zielgrößen relevant, bekräftigte Altendorf. Beispielhaft hierfür ist der in diesem Jahr zum zweiten Mal vorgelegte Nachhaltigkeitsbericht.

2016 ist Matthias Altendorf zufolge „noch schwieriger“ als das vergangene Jahr. Das Unternehmen hat sich einstelliges Wachstum vorgenommen und will den Gewinn auf ähnlichem Niveau halten wie 2015. Helfen sollen dabei vor allem weitere Innovationen wie der Optograf, den das Unternehmen mit 50 weiteren Produkten im vergangenen Jahr auf den Markt brachte. Dieser laserbasierte Gas-Analysator nutzt die Raman-Spektroskopie zur verfahrenstechnischen Analyse von Synthesegas und ähnlichen Anwendungen.

Zum Vergleich: Hier finden Sie den aktuellen Bericht des Herstellerverbands ZVEI zum Jahr 2015.

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