Fundamentaler Umbruch am Ende des Super-Zyklus

Engineering Summit adressiert Herausforderungen im Anlagenbau

19.02.2016 Zurück zu den Zyklen? Nachdem der Großanlagenbau 2006 das Auf und Ab in der Branche für beendet erklärt hatte, scheinen alte Mechanismen nun wieder zu greifen – so zumindest konnten einige Aussagen von Führungskräften auf dem Anlagenbau-Kongress Engineering Summit im vergangenen Dezember interpretiert werden.

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Vor anderthalb Jahrzehnten waren Zyklen im Anlagenbau die Norm: Nach zwei bis vier Jahren Aufschwung brach das Auftragsvolumen regelmäßig für ebenfalls zwei bis vier Jahre wieder ein. Doch nicht zuletzt der China-Boom der vergangenen 20 Jahre und allgemein der Aufstieg der BRIC-Staaten bescherte der Branche zuletzt einen stetigen Aufschwung. Auf dem 4. Engineering Summit diskutierten Anlagenbauer die Ursachen und die Folgen der aktuellen Herausforderungen im Engineering-Geschäft.

Und diese sind vielfältig: So führt beispielsweise der niedrige Ölpreis dazu, dass zahlreiche Investitionsprojekte verschoben oder gar komplett gestrichen werden. Auch in anderen Bereichen wie dem Bergbau werden Investitionen massiv gekürzt: Die wichtigsten 20 Unternehmen werden ihre Ausgaben in 2016 wie auch schon 2015 um je 25 Prozent zurückfahren. Auch die in verschiedenen Branchen – darunter die  Chemie- und Pharmaindustrie – angekündigten Übernahmen und Fusionen werden die Investitionstätigkeit erst einmal ausbremsen.

Dazu kommt der wachsende Wettbewerb durch chinesische Anlagenbau-Unternehmen, die aufgrund der wachsenden Investitionszurückhaltung im eigenen Land nun auf den Weltmarkt drängen. Im Kraftwerksbau hinterlässt die Energiewende sowie die Abkehr von klassischen Kohlekraftwerken Spuren. Dazu kommen vor allem in Europa, aber auch andernorts, Unsicherheiten am energiepolitischen Rahmen und der wieder erstarkende Protektionismus in nationalen Märkten. Hersteller von Metallurgieanlagen sehen sich zudem einer massiven Überkapazität gegenüber, die neue Investitionen hemmt. Also nur düstere Zukunftsaussichten für den europäischen Anlagenbau?

Langfristig auf keinen Fall – ist sich Dieter Rosenthal, Geschäftsführer beim Metallurgieanlagenbauer SMS, sicher. Er machte in einer Keynote zum 4. Engineering Summit deutlich, dass die langfristigen Wachstumstreiber für den Anlagenbau nach wie vor intakt sind: In allen Industriesektoren und Weltregionen, so führte Rosenthal anhand von Zahlen des Internationalen Währungsfonds und des Marktforschungsunternehmens IHS aus, stehen die Zeichen langfristig auf Wachstum. Aber: Die europäischen Engineering-Firmen müssen in dem herausfordernden Umfeld flexibler werden. Helfen sollen dabei auch Methoden der Digitalisierung, wie sie im Leitbild Industrie 4.0 beschrieben werden. Und: Neue Geschäftsmodelle sind gefragt. So sollen Serviceangebote und Modernisierungsleistungen helfen, das zyklische Investitionsgeschäft auszugleichen und das Geschäft zu verstetigen.

Service und Hightech sollen die Wettbewerbsposition im Anlagenbau stärken

Auch Jens Michael Wegmann, Vorstandsvorsitzender des Geschäftsbereichs Thyssen­krupp Industrial Solutions AG,  betonte, dass der Großanlagenbau künftig nicht mehr vor allem Großprojekte aquirieren wird, sondern auch in weiteren Geschäftsfeldern wie dem Service wachsen will. Wegmann sieht vor allem auch in Methoden wie der Modularisierung von Anlagen und der Standardisierung der „Engineering Produkte“ Möglichkeiten, die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Der Anlagenbau-Konzern verspricht sich davon eine höhere Kalkulationsgenauigkeit, geringere Planungs-,  Bau- und Montagekosten sowie das Vermeiden von Fehlleistungen und Gewährleistungskosten. Auch die Automatisierung von Anlagen sowie digitale Services bis hin zur Nutzung von Big-Data-Methoden sollen künftig verstärkt genutzt werden, um einen Wettbewerbsvorsprung zu sichern.

Heftausgabe: Januar/Februar 2016
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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