Engineering Summit: Anlagenbau diskutierte intensiv aktuelle Herausforderungen

03.07.2014 Der gestern beendete 3. Engineering Summit war auch in diesem Jahr ein voller Erfolg. Über 310 Teilnehmer diskutierten intensiv aktuelle Herausforderungen und zukünftige Geschäftsmöglichkeiten im Anlagenbau. In fast schonungsloser Offenheit sprachen Top-Manager über aktuelle Problemstellungen, stellten Best Practices im internationalen Anlagenbau vor und gaben eine Antwort darauf, was die Konkurrenz aus China und Südkorea in den vergangenen Jahren so stark gemacht hat.

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In der Keynote von Linde-Vorstand Prof. Dr. Aldo Belloni skizzierte dieser die Herausforderungen die durch Globalisierungseffekte für den europäischen Anlagenbau entstanden sind und schlug einen Bogen über die Themen des 3. Engineering Summit: Dem Zwang zur Größe, um EPC-Großprojekte übernehmen zu können, stellte er den Aufbau von Konsortien aus mehreren Anlagenbau-Unternehmen zur Seite. Allerdings erfordert dies Lösungen für das Problemfeld des Partner-Risikomanagements.

Aus der Sicht eines Betreibers und Owners Engineers für Chemieanlagen sowie eines global tätigen Lieferanten wurden Best Practices im globalen Anlagenbau aufgezeigt. VDMA-Präsident Dr. Reinhold Festge zeigte auf, wie der mittelständische Systemlieferant Haver & Boecker seien Aktivitäten globalisiert hat. In schonungsloser Offenheit zeigte Festge, was beim Aufbau ausländischer Niederlassungen schiefgehen kann und erklärte die Erfolgsfaktoren. Eindringlich warnte Festge vor dem systematischen Angriff chinesischer Wettbewerber, der für die kommenden Jahre erwartet wird, und forderte den deutschen Anlagenbau auf, Kooperationen und strategische Partnerschaften zu entwickeln.

Antworten auf den Angriff asiatischer Wettbewerber

Aber auch der Kostenaspekt und Möglichkeiten zur Produktivtätssteigerung wurden vorgestellt und diskutiert. So kann durch konsequente Modularisierung und Standardisierung im Anlagenbau einer aktuellen Studie des VDMA und von maexpartners zufolge das unternehmerische Gesamtergebnis um bis zu 10 Prozent gesteigert werden. Thomas Wehrheim vom koreanisch-deutschen Energie-Verfahrenstechnik-Anbieter Doosan Lentjes machte deutlich, dass Standardisierung im Anlagenbau überlebenswichtig ist. Auch die Frage vom 1. ES – was macht koreanische EPC-Anbieter so erfolgreich? – wurde von ihm beantwortet: Es ist die sehr konsequente Anwendung von Wissen und Methoden zur Produktivitätssteigerung, die Modularisierung und Standardisierung des „Produkts Anlagenbau“.

Ein weiteres Highlight des zweitägigen Kongresses war die Keynote von Technip-CTO Marie-Christine Charrier. Sie zeigte, wie ein europäisches Engineering-Unternehmen im globalen Projektgeschäft mit einer Kombination aus Technologie und Abwicklungskompetenz wachsen kann. „Der Erfolg hängt dabei entscheidend von den Mitarbeitern ab“, machte Charrier deutlich. Wie Technologieführerschaft im Unternehmen methodisch angestrebt werden kann, erläuterte Prof. Dr. Michael Weinhold von Siemens Energy. Demnach rollt eine ganze Welle neuer Technologien auf die Industrie zu, die auch das Geschäft der (Energie-)Anlagenbauer bereits in naher Zukunft prägen wird.

Eine Welle neuer Technologien bricht über die Industrie herein

Wie sich die Entwicklung neuer Produkte konkret bis 2020 in Geschäftszahlen auswirken kann und welcher Kraftakt im Anlagenbau notwendig ist, um diese Visionen Realität werden zu lassen, zeigte Prof. Dr. Wolfgang Gerhardt am Beispiel der BASF und deren Engineering auf. Um jährlich ein Investitionsvolumen von 4 Mrd. Euro abwickeln zu können, wird die Engineering-Struktur des Chemieunternehmens bereit seit einigen Jahren weltweit auf Effizienz getrimmt.

Ein immer wichtigeres Element im Projektgeschäft ist dabei die globale Beschaffung in Best Cost Countries. Dass diese ihre Fallstricke hat, war keine überraschende Erkenntnis aus dem Vortrag von Holger Bennies, Head of Supply Chain & Quality bei Mitsubishi Hitachi Power Systems. Er beeindruckte die versammelten Teilnehmer, in dem er sehr genau bilanzierte, wann sich Best Cost Country-Sourcing lohnt und ab wann die Risiken überwiegen.

Dass die Zukunft des Anlagenbaus aber nicht allein in Einsparungen sondern vor allem auch in der Erschließung künftiger Geschäftsfelder liegt, wurde in zwei Vorträgen zum Thema Service deutlich: Das Angebot von Dienstleistungen in der Betriebsphase kann zu einem Umsatztreiber und Stabilitätsanker für konjunkturanfällige Anlagenbau-Unternehmen werden.
Dr. Peter Weber, EMEA-Chef von Outotec, skizzierte schließlich die globalen Megatrends, die in den kommenden Jahren die aktuelle Aufstellung von Anlagenbauunternehmen herausfordern wird.

Wie bereits nach den sehr erfolgreichen Veranstaltungen in 2011 und 2012 lagen auch am Ende des 3. Engineering Summit bereits die ersten Anmeldungen für den kommenden Summit vor – dieser wird von den Kooperationspartnern VDMA und CHEMIE TECHNIK vom 1. bis 2. Dezember 2015 veranstaltet werden. Alle wichtigen Infos zu den Themen, Referenten und Beiräten des Engineering Summit gibt es auf www.engineering-summit.de.

(as)

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