Import-Export made in USA

Erstes Export-Terminal für US-Schiefergas vor der Fertigstellung

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07.08.2014 Der 30. Juli 2014 war wahrscheinlich ein guter Tag für Charif Souki. Denn just an jenem Mittwoch kündigte der russische Präsident Wladimir Putin an, dass Westeuropa für die angekündigten Sanktionen in Zukunft einen hohen Preis für russisches Gas und Öl zu zahlen haben wird.

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Entscheider-Facts


Für Stauner

  • In den USA sind bereits 20 LNG-Terminals für den Export von verflüssigtem Schiefergas genehmigt.
  • Was auf dem Papier gut aussieht, hat in Wirklichkeit einen Haken, der bislang 19 dieser Terminals unwahrscheinlich macht: Lediglich das derzeit im Bau befindliche LNG-Terminal Sabine Pass verfügt über eine Genehmigung, Gas in Länder zu exportieren, die kein Freihandelsabkommen mit den USA haben.
  • Dass US-Schiefergas helfen kann, die europäische Abhängigkeit von russischem Gas zu verringern, ist deshalb bislang nur Wunschdenken.

August 2014

LNG made in USA – bislang zeichnet sich noch kein Export in großem Maßstab ab. (Bilder: chalermchai k und viperagp – fotolia / Montage: CHEMIE TECHNIK)

Charif Souki, CEO des US-Gasexporteurs Cheniere Energy, dürfte dadurch einer Sorge ledig sein: Sein Geschäft wäre gefährdet, wenn russisches Gas billiger würde.
Und Sorgen hatte Souki in seiner Karriere als Gashändler wahrlich genug: 2007 gegründet, baute Cheniere Energy 2008 an der Golfküste Lousianas ein Import-Terminal für die Einfuhr von Flüssiggas aus Katar. Energieexperten hatten einige Jahre zuvor prognostiziert, dass der amerikanische Gasbedarf die inländische Produktion ab 2010 überschreiten würde. Doch es kam anders: Der Schiefergas-Boom machte die Kalkulation zunichte. Der Gaspreis sank in den USA zwischen 2008 und 2009 innerhalb eines Jahres um 70 Prozent. Cheniere-Aktien verloren im gleichen Zeitraum 97 Prozent ihres Werts.

Doch aufgeben war für den Manager mit libanesischen Wurzeln keine Option. Warum nicht die Fließrichtung einfach umkehren? Da für den Import aus dem Ausland alle behördlichen Voraussetzungen erfüllt waren, war der Weg zur Exportgenehmigung vergleichsweise einfach. Und so erhielt das Terminal in Sabine Pass an der Grenze zu Texas als erstes die Genehmigung des US-Energieministeriums, um amerikanisches Erdgas zu verflüssigen und zu exportieren. Und – das macht diese Genehmigung bislang einzigartig – sie gilt auch für Länder, die kein Freihandelsabkommen mit den USA haben.

Monopol für LNG-Export in Länder ohne Freihandelsabkommen

Für Cheniere bedeutet dies praktisch eine Monopolstellung. Denn obwohl das US-Energieministerium 19 weitere Exportterminals genehmigt hat, gilt für diese eine entscheidende Einschränkung: Lediglich Südkorea ist ein nennenswerter Gasimporteur der über ein Freihandelsabkommen mit den USA verfügt.
Bereits Ende 2015 soll erstes Flüssiggas in Sabine Pass auf Tankschiffe verladen werden. Vor allem Energiekonzerne aus Frankreich, Spanien, Großbritannien, Indien und Südkorea haben bereits langfristige Lieferverträge mit dem Gasexporteur abgeschlossen.

Das Bauprojekt mit einem Investitionsvolumen von ca. 10 Mrd. US-Dollar ist bereits weit gediehen: Im Februar waren für die ersten beiden Verflüssigungslinien über 60 Prozent des Projekts abgeschlossen und ein Viertel der Projektziele für zwei weitere Verflüssigungslinien erreicht. Unter Federführung des EPC-Kontraktors Bechtel arbeiten derzeit über 3.500 Monteure auf der Baustelle. Im kommenden Frühjahr sollen es gar bis zu 4.500 Arbeiter sein. Insgesamt sollen an dem Standort in Louisiana sechs Linien zur Gasverflüssigung gebaut werden. Die Verflüssigungskapazität beläuft sich für die ersten vier Verflüssigungslinien auf nahezu 57 Mio. Kubikmeter pro Tag. Künftig könnten noch zwei weitere Linien hinzukommen.

Das Erdgas für den Export strömt aus den Pipelines der Schiefergasvorkommen Barnett, Haynesville, Woodford, Fayetteville/Arkoma, und Eagle Ford. Außerdem will Cheniere Gas aus drei der größten Tight-Sand-Vorkommen in Ost-Texas,  Anadarko und der Golfküste beziehen.

Ob sich das rechnet, hängt an einer Reihe von Faktoren – zuvorderst dem Gaspreis. Nur bei einem Preisvorteil von mindestens sechs US-Dollar lohnt sich für die Abnehmer der Bezug des Flüssiggases aus Louisiana. Die jüngsten politischen Entwicklungen deuten darauf hin, dass die Rechnung aufgehen kann.

Zum Projekt
LNG-Terminal Sabine Pass

Der Standort Sabine Pass liegt in der Nähe des texanischen Port Arthur an der Golfküste von Louisiana. Derzeit sind vier Verflüssigungslinien für Erdgas mit einer Gesamtkapazität von ca. 57 Mio. Kubikmetern pro Tag im Bau. EPC-Kontraktor ist der US-Anlagenbauer Bechtel, genutzt wird die Technologie von Conoco Phillips. Die Linien 1 und 2 haben ein Investitionsvolumen von 3,97 Mrd. USD und sollen Ende 2015 in Betrieb gehen. Die Linien 3 und 4 werden 2016/2017 folgen und sollen 3,77 Mrd. USD kosten. Top3914

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Heftausgabe: August 2014

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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