Noch mehr Pfeffer für die Energiebilanz

Cefic verlängert Effizienzinitiative Spice3

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10.03.2016 Wie können kleine und mittelständische Chemieunternehmen energieeffizienter werden? Diese Fragestellung steht im Mittelpunkt der Initiative Spice3 - und diese geht mit frischem Geld nun in die zweite Phase.

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Entscheider-Facts

Für Mittelständler

  • Während sich Großunternehmen Fachleute leisten, die Energieeffizienz-Maßnahmen entwickeln und umsetzen, fehlt es in KMU häufig nicht nur an Investitionsmitteln für Effizienzmaßnahmen, sondern auch am Know-how.
  • Um das dazu notwendige Know-how zu entwickeln und zu stärken, haben elf nationale Chemieverbände und Organisationen die Spice3-Initiative ins Leben gerufen.
  • Die Initiative stellt kleinen und mittelständischen Chemieunternehmen in Europa zahlreiche Informationsressourcen rund um das Thema Energieeffizienz zur Verfügung.

Kleine und mittelständische Chemieunternehmen sind nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa eine Macht für sich: Denn was mit Blick auf wenige Chemieriesen wie BASF, Bayer oder Evonik häufig vergessen wird – auf eine Handvoll Großunternehmen kommen in Deutschland rund 1.800 kleine und mittelständische Chemieproduzenten. In Europa sind rund 27.000 Chemieunternehmen Mittelständler. Sie stehen für rund 30 % des Chemieumsatzes und 20 % des Energieeinsatzes der Chemie. Und während sich Großunternehmen schon aus schierem Eigennutz Fachleute leisten, die Energieeffizienz-Maßnahmen entwickeln, fehlt es in KMU häufig nicht nur an Investitionsmitteln, sondern auch am Know-how. Dabei lassen sich – so Schätzungen – im Durchschnitt ca. 15 % der in KMU eingesetzten Energie durch Effizienzmaßnahmen einsparen.

Getrieben wird das Thema auch von der Tatsache, dass Energiekosten für europäische Chemieunternehmen ein wichtiger Wettbewerbsfaktor sind – und vor allem hiesige Produzenten deutlich höhere Energiekosten verkraften müssen, als beispielsweise ihre Wettbewerber in den USA. So kostet Strom in Europa ca. 30 % mehr als in den USA, Erdgas ist mehr als doppelt so teuer. Energieeffizienz ist auch deshalb das Gebot der Stunde.

Um das dazu notwendige Know-how zu entwickeln und zu stärken, haben elf nationale Chemieverbände und Organisationen bereits 2013 die Spice3-Initiative ins Leben gerufen. Das Akronym steht für „Sectoral Platform in Chemicals for Energy Efficiency Excellence“. Die Initiative stellt kleinen und mittelständischen Chemieunternehmen in Europa zahlreiche Informationsressourcen rund um das Thema Energieeffizienz zur Verfügung. Dazu gehören Workshops, Vor-Ort-Analysen durch Experten, das Coaching der Unternehmen sowie Informationen über Best-Practice-Lösungen aus der Branche. So wird unter www.spice3.eu darüber informiert, welche Informationen, Werkzeuge und Fördermaßnahmen genutzt werden können. Dies beinhaltet zahlreiche Tools, auf die Unternehmen zurückgreifen können, um Enerigeeffizienz-Maßnahmen zu finanzieren und durchzuführen. Fallstudien aus Chemieunternehmen, die Energieeffizienzmaßnahmen bereits umgesetzt haben, helfen dabei, Potenziale zu identifizieren und Amortisationszeiten für Investitionen abzuschätzen.

Die Macher des Programms haben dabei durchaus ehrgeizige Ziele: Mindestens 5.000 kleine und mittelgroße Chemieunternehmen sollen mit der Initiative erreicht werden. In der ersten Runde wurden Energieeffizienz-Projekte mit einem Gesamtwert von 25 Mio. Euro angestoßen. Unter den Praxisbeispielen, die auf den Webseiten der Initiative dokumentiert sind, ist ein Effizienzprojekt der norddeutschen Worlée-Chemie: Dort wurden durch thermische Isolation von Reaktordeckeln und der Installation von Schnelllauf-Toren an Lagerhäusern Energieeinsparungen in Höhe von 3.456.000 kWh pro Jahr erreicht – umgerechnet spart der Spezialchemie-Hersteller durch die Investition in Höhe von 140.000 Euro nun jährlich über 100.000 Euro Energiekosten. Als Nebeneffekt wurden gleichzeitig die Arbeitsbedingungen der Mitarbeiter verbessert.

Zum Hintergrund
Energiebedarf von Chemie-KMU

Die Chemie in Europa ist eine energieintensive Industrie – rund 12 % des europäischen Energiebedarfs und rund ein Drittel des industriellen Energiebedarfs  in Europa entfallen auf die Chemie. Energieeffizienz-Maßnahmen in Chemieunternehmen stellen deshalb einen wichtigen Hebel für die Senkung des Energieeinsatzes in Europa dar. In der Vergangenheit wurden bereits wichtige Erfolge in Sachen Energieeinsatz erzielt: So sank der Energieverbrauch in der EU-Chemieindustrie zwischen 1990 und 2012 um 16 %. Die Energieintensität konnte halbiert werden, während die Produktion im selben Zeitraum um 59 % gesteigert wurde.

Link zur Spice3-Initiative

Heftausgabe: März 2016

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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