Mit Sicherheit Kosten sparen

Explosionsschutz von Entstaubungsanlagen

Anlagenbau
Chemie
Pharma
Ausrüster
Planer
Betreiber
Einkäufer
Manager

04.10.2016 Betriebsmittelkennzeichnung, Zündschutzarten, Ex-Zonen und Temperaturklassen: Der Staubexplosionsschutz ist ein komplexes Thema. Bei der Auswahl von Entstaubungsanlagen ist der Beratungs- und Planungsaufwand entsprechend hoch, und Expertenwissen ist gefordert.

Anzeige

Entscheider-Facts für Betreiber

  • Explosionsschutz ist für Betreiber keine Option, sondern Pflicht. Entsprechend der vorhandenen Ex-Zone müssen sie geeignete Maschinen und Anlagen installieren.
  • Die Auswahl an Lösungen ist hier für Unternehmen erfreulich groß, doch ist meist ein hoher Beratungsbedarf vorhanden, um das auf die jeweilige Situation passende System zu erhalten.
  • Die nötige Gefährdungsbeurteilung seiner Anlage nimmt dem Betreiber – schon aus rechtlichen Gründen – allerdings niemand ab.

Jedem Anwender von Anlagen, die in staubexplosionsgefährdeten Bereichen installiert sind, muss sich intensiv mit diesem Thema beschäftigen. Und das nicht nur aus Eigeninteresse: Er ist dazu sogar verpflichtet. Denn laut Atex-Richtlinie 137 („Betreiberrichtlinie“) steht er in der Verantwortung, eine Gefährdungsbeurteilung vorzunehmen, die Aufschluss über das Risiko einer Staubexplosion gibt. Die unterschiedlichen Staubarten und die Gefährlichkeit der Stäube sind dabei ebenso zu berücksichtigen wie die Dauer der Exposition. Aus dieser Beurteilung ergeben sich die Ex-Zonen, die wiederum maßgeblich sind für die Auswahl der Maschinen, Anlagen und Komponenten. Eine intensive Beschäftigung mit dieser Thematik ist aber auch sinnvoll, weil der Anwender Kosten sparen kann, wenn er die Ex-Schutzausrüstung in seinem Betrieb exakt an die tatsächlich vorhandenen Risiken anpasst.

Vier Bauformen für den Staubexplosionsschutz

Das Angebot von Entstaubungsanlagen, wie es beispielsweise von Donaldson von Grund auf für den Staubexplosionsschutz entwickelt hat, ist erklärungsbedürftig und am Ende im Grunde immer auch ein Einzelstück. Das hat seinen Grund darin, dass die Anlagen immer normenkonform und niemals überdimensioniert oder „over-engineered“ sein sollen. Deshalb gibt es jeden Anlagentyp in vier Bauformen: konventionell, verstärkt, Atex-konform sowie verstärkt und Atex-konform. Für viele Anwender – das zeigt die tägliche Beratungspraxis der Ingenieure des Anbieters – ist der Unterschied der beiden Varianten „verstärkt“ und „Atex-konform“ ohne nähere Erklärung nicht ersichtlich. Tatsächlich aber sind diese beiden Ausführungen grundverschieden und für jeweils andere Umgebungs- und Einsatzbedingungen des Staubexplosions-Schutzes geeignet.

Verstärkt oder Atex-konform

Eine Atex-konforme Entstaubungsanlage kann der Anwender sicher und normenkonform in einer Umgebung betreiben, in der mit dem Auftreten von explosionsfähigen Stäuben zu rechnen ist. Von den Anlagen darf daher keine Zündgefahr ausgehen. Entsprechend muss beispielsweise die Elektrotechnik ausgeführt sein (gekapselte Motoren und Schaltgeräte). Die Leitfähigkeit der Komponenten spielt ebenso eine Rolle wie die Oberflächentemperaturen. Hier geht es also um die Ex-Schutzeigenschaften der von außen zugänglichen Komponenten. Eine verstärkte Entstaubungsanlage hingegen kommt immer dann zum Einsatz, wenn die aufgesaugten Stäube explosibel sind. Hier geht es also um den Explosionsschutz im Inneren der Entstaubungsanlage, das heißt in Rohrleitungen, Filtern und Sammelbehältern. Typische Maßnahmen sind eine verstärkte Konstruktion von Gehäuse und Filtern sowie eine Druckentlastung (beispielsweise durch Berstscheiben).

Wo liegen Risiken vor?

Die Praxis zeigt, dass diese Unterscheidung – die längst nicht alle Hersteller von Entstaubungsanlagen machen – nicht nur sinnvoll und nötig, sondern auch kostensparend ist. Denn in der Mehrzahl der Fälle ist nur eine der beiden Ex-Schutzarten erforderlich. Eine Entstaubungsanlage kann beispielsweise Zementstaub absaugen, der aus Sicht des Explosionsschutzes völlig unkritisch ist, und in einem Raum zusammen mit der Gasheizung oder mit gasbefeuerten Temperieranlagen installiert sein. Dann spielt der „äußere“ Explosionsschutz (in diesem Fall der Gasexplosionsschutz) eine Rolle. Der Entstauber kann sich aber auch in einem von der Produktion abgetrennten, nahezu staubfreien Raum befinden und explosible Stäube aufsaugen. Dies ist häufig in der Lebensmittelproduktion und -verarbeitung der Fall, wo nahezu alle Stäube (weil organisch) entzündlich sind, wenn sie in einem bestimmten Mischungsverhältnis mit Luftsauerstoff auftreten.

Innen und außen getrennt betrachten

Bei diesen Anlagen muss also nur das Innere – das heißt alle Komponenten, die mit dem Sauggut in Kontakt kommen – explosionsschutzgerecht ausgeführt sein, und der Entstauber muss die Energie aufnehmen beziehungsweise ableiten können, die das System freisetzt, wenn es zu einer Explosion kommt. Hier ist eine verstärkte Konstruktion nötig, eine Druckentlastung und gegebenenfalls – je nach Risiko – weitere Maßnahmen wie Funkenfallen oder Löscheinrichtungen, die Betreiber optional nachrüsten können. Die verschiedenen Bauformen der Entstaubungsanlagen und ihre Einsatzbereiche verdeutlichen: Für den Anwender bringt es Vorteile, wenn er bei der Betrachtung der Risiken sorgfältig zwischen dem Inneren und dem Äußeren der Anlage trennt. Dabei kann sie der Lösungsanbieter unterstützen.

Nächste Seite: „Für den Ex-Schutz konstruiert“  und weiterführende, hilfreiche Links.

Heftausgabe: Oktober 2016
Seite:

Über den Autor

Koen Oostvogels, Entwicklungs- und Applikationsingenieur, Donaldson Europe
Loader-Icon