Jahrespressekonferenz des VDMA

Für freien Handel, gegen Daten-Freibier

14.12.2016 Die Maschinen- und Anlagenbauer in Deutschland und Europa benötigen offene Märkte und freien Handel, um Exporterfolge erzielen und Arbeitsplätze sichern zu können. Angesichts zunehmend nationalistischer Tendenzen in Europa und in vielen anderen Regionen der Welt, fordert der VDMA daher, dass sich die Politik stärker für den Erhalt des Freihandels und die Belange der mittelständischen Industrie einsetzt.

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Für freien Handel, gegen Daten-Freibier

Der VDMA sieht sich beim Thema Industrie 4.0 zu Unrecht in der Kritik. (Bild: cherezoff – Fotolia)

„Mauern und Schutzzölle sind keine Lösung! Die EU und die Bundesregierung sind gefordert, jetzt eindeutig Flagge zu zeigen für das Industrieland Deutschland und damit auch für die Sicherung von Arbeitsplätzen und Wohlstand“, betont VDMA-Präsident Carl Martin Welcker auf der Jahrespressekonferenz des Verbands in Frankfurt. Angesichts einer Exportquote von mehr als 75 % im Maschinenbau mahnte er: „In einer globalisierten Welt die Handelsschranken wieder aufzubauen ist der falsche Weg, der am Ende alle zu Verlieren macht. Wir dürfen das Erreichte nicht leichtfertig aufs Spiel setzen und das Feld den Populisten überlassen.“

Leichter Produktionszuwachs 2017 erwartet

Für das kommende Jahr rechnet der Verband unverändert mit einem leichten Produktionszuwachs von real 1 %. Die Belastungen aus einigen großen Entwicklungs- und Schwellenländern sollten nachlassen, die leichte Erholung in den EU-Partnerländern (ohne Großbritannien) dürfte sich fortsetzen. Andererseits drohen die Unsicherheiten in Großbritannien und den USA eher zuzunehmen. Die Exporte nach China könnten im kommenden Jahr weiter sinken. Allerdings zeigt die jüngste VDMA-Geschäftsklimaumfrage unter Mitgliedsfirmen, die in China ansässig sind, dass deren Optimismus zuletzt wieder spürbar gestiegen ist. Der Saldo von positiven und negativen Beurteilungen zur aktuellen Lage hat sich seit dem Sommer auf 18 Prozentpunkte verdoppelt. Offenbar rechnen die Unternehmen vor Ort damit, von den milliardenschweren Projekten der chinesischen Regierung profitieren zu können.

Für 2016 geht der Verband weiterhin von einer Stagnation der Produktion im Vergleich zum Vorjahr aus. In den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres sank die Produktion im Maschinenbau preisbereinigt um 0,7 %. Dieses Minus ging im Wesentlichen auf Arbeitstageeffekte zurück, weshalb die VDMA-Volkswirte zuversichtlich sind, dass das Minus bis Jahresende wieder ausgeglichen werden kann. Seit 2012 kommt die Produktion kaum vom Fleck. Die Kapazitätsauslastung im Maschinen- und Anlagenbau lag im Oktober bei 84,6 % und damit unterhalb des langjährigen mittleren Werts der Maschinenbauindustrie (85,9 %). Mehr als ein Viertel der Unternehmen (26 %) klagten im Oktober über Produktionsbehinderungen, die von einem Mangel an Aufträgen verursacht wurden. Auch der Weltumsatz mit Maschinen stagniert.

Bürokratieabbau gefordert

Der VDMA wird gerade im Wahljahr 2017 die immer weiter steigenden Belastungen im Mittelstand durch neue Regeln und die damit verbundene Bürokratie deutlich anprangern. Präsident Welcker nannte als Beispiel für unnötig Kosten verursachende Vorschriften die Berichtspflichten für sozial und ökologisch verantwortungsvolle Unternehmensführung (Corporate Social Responsibility), die Auftraggeberhaftung im Rahmen des Mindestlohngesetzes sowie das Entgeltgleichheitsgesetz und das Teilzeit- und Befristungsgesetz. „Gerade kleine und mittlere Unternehmen bekommen immer mehr organisatorische Herausforderungen aufgebürdet“, erklärt Welcker. Das koste viel Geld, das an anderer Stelle – etwa für Investitionen – fehle. „In der Politik fehlt leider häufig die Erkenntnis, dass Bürokratie auch eine Wachstumsbremse sein kann“, beklagt der VDMA-Präsident.

Maschinenbauer prägen die Digitalisierung

Allen skeptischen Stimmen zum Trotz sehen sich die Maschinen- und Anlagenbauer bei der Digitalisierung und Vernetzung der Produktion (Industrie 4.0) international in der Vorreiterrolle. Eine neue Studie der Impuls-Stiftung des VDMA zeige, dass das Thema in der Breite des Maschinen- und Anlagenbaus angekommen ist, erläutert Welcker. Immer mehr Unternehmen verfolgten eine klare Digitalisierungsstrategie. „Die manchmal von Beratern geäußerte Kritik, der industrielle Mittelstand verschlafe Industrie 4.0, ist schlicht falsch“, betont er. Nötig sei allerdings, dass beispielsweise in der Personalentwicklung und der Weiterbildung der Mitarbeiter mehr getan werde. „Industrie 4.0 und Arbeit 4.0 gehören untrennbar zusammen“, so Welcker. Auch das Thema IT-Security benötige noch viele Anstrengungen Der VDMA hat dazu jüngst ein Pilotprojekt mit auf den Weg gebracht, das Start-up „University4Industry“, das Online-Kurse zu Industrial Security anbietet und damit Know-how in einem ganz zentralen Teil der Digitalisierung aufbaut.

„Die Digitalisierung der Industrie wird aber nur dann funktionieren, wenn die Politik die richtigen Rahmenbedingungen hierfür schafft. Wir haben in Deutschland eine Industrie, die Weltklasse ist. Was aber noch fehlt ist eine Datennetzinfrastruktur, die Weltklasse ist und zwar nicht nur in den Großstädten, sondern vor allem auch in den ländlichen Regionen, wo viele unserer Mitglieder zuhause sind“, fordert Welcker. Darüber hinaus müsse Datensouveränität gesichert werden, also das Recht, über seine eigenen Daten frei zu verfügen. „Die teilweise vorgebrachten Ideen, Geschäftsdaten zwangsweise offen zu legen, um anderen Unternehmen den Markteintritt zu ermöglichen, sind kontraproduktiv. Daten-Freibier für alle darf es nicht geben“, warnt der VDMA-Präsident.

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