Analysieren, prüfen, schützen

Gefahrenpotenziale der Chemieindustrie minimieren

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27.04.2015 Soweit sollte es erst gar nicht kommen: Leicht entzündliche Flüssigkeiten, explosive Gase, komplexe und betriebswichtige technische Anlagen - zahlreiche Risiken finden sich in unterschiedlichsten Prozessen in der Chemiebranche. Gezielte Investitionen in ein effektives Risikomanagement, umfassende Brandschutzmaßnahmen und die betriebliche Notfallorganisation schützen Unternehmensstandorte gegen branchentypische Risiken und ihre Konsequenzen.

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Entscheider-Facts Für Betreiber und Manager


  • Um Gefahrenpotenziale der Chemieindustrie zu minimieren, ist ein auf den Standort bezogenes Modell empfehlenswert, das bei einem Brand, einer Naturkatastrophe oder einem anderen Zwischenfall eine längere Betriebsunterbrechung verhindert - und somit die Resilienz des Unternehmens stärkt.
  • Zur Unterstützung von Risikomanagement-Entscheidungen wurde das Analysetool Riskmark entwickelt. Damit prüfen Ingenieure Unternehmensstandorte auf die vorherrschenden Risiken und ermitteln einen bestimmten Wert. Je höher dieser individuelle Riskmark-Wert ist, desto umfassender ist der Standort geschützt.
Hier lesen Sie mehr über Riskmark

Doch zunächst gilt es, genau diese Gefahren zu erkennen – und ihnen entgegenzuwirken. Denn bereits kleinste Störungen, die zu Unterbrechungen im Betriebsablauf führen, können erhebliche Produktionsausfälle nach sich ziehen, da chemische Betriebe prozesstechnisch besonders eng mit Abnehmern und Zulieferern verbunden sind. Tritt der Schadenfall ein, können sich die Auswirkungen somit durch die gesamte Lieferkette ziehen und die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens gefährden.

Empfehlenswert ist daher ein auf den Standort bezogenes Modell, das bei einem Brand, einer Naturkatastrophe oder einem anderen Zwischenfall eine längere Betriebsunterbrechung verhindert – und somit die Resilienz des Unternehmens stärkt. Resilienz ist die Fähigkeit, vorausschauend zu denken und mögliche Widerstände einzuplanen und sich dementsprechend vorzubereiten. Resiliente Unternehmen überwinden Hindernisse und handeln zielgerichtet, sodass sie die Ausdauer besitzen, Schäden wie beispielsweise eine Lieferketten- oder Betriebsunterbrechung zu bewältigen und schnellstmöglich zum Alltagsgeschäft zurückzukehren und zuverlässig effizient zu handeln.

Risikoprofile unterstützen das Risikomanagement
Zur Unterstützung von Risikomanagement-Entscheidungen wurde das Analysetool Riskmark entwickelt. Mit diesem Programm prüfen Ingenieure Unternehmensstandorte auf die vorherrschenden Risiken und ermitteln einen bestimmten Wert. Je höher dieser individuelle Riskmark-Wert ist, desto umfassender ist der Standort geschützt und desto geringer ist das Risiko eines Sachschadens. Eigene Standorte können nicht nur separat betrachtet, sondern auch mit der Risikoqualität anderer innerhalb der Branche verglichen werden. Die Risikoingenieure haben dafür über 10.000 Kundendatensätze gesammelt und analysiert. Aus diesen Erkenntnissen kann somit ein „typischer Standort“ für die deutsche Chemieindustrie abgeleitet werden. Die hier gezeigten Grafiken zeigen einen solchen Standort und weisen auf jene Gefahren hin, die in der Chemiebranche weiter reduziert werden können.

Das Ergebnis wirkt zunächst ernüchternd, zeigt es doch, dass noch viel „Luft nach oben“ herrscht: Mit 57 % schöpft die Chemieindustrie ihr Risikominimierungspotenzial im Vergleich zu anderen untersuchten Industrien bisher verhältnismäßig bescheiden aus. Bei der Risikoanalyse der von dem Industrieversicherer FM Global versicherten deutschen Standorte der Chemieindustrie wurde ein Riskmark-Durchschnittswert von 46 von insgesamt 80 realistisch zu erreichenden Punkten ermittelt. 20 Punkte der theoretischen Höchstpunktzahl von 100 bleiben ohnehin unerreichbar, da es in der Chemieindustrie Gefahren gibt, die sich leider niemals vollends vermeiden lassen. Beispielsweise entfallen allein elf dieser insgesamt 20 unerreichbaren Punkte auf die nutzungsspezifischen Gefahren, die trotz erfolgreicher Maßnahmen zur Minimierung nicht zu beseitigen sind. Die speziellen Risiken, mit denen sich die Chemiebranche aus­einandersetzen muss, sind einzigartig in der deutschen Industrielandschaft: Sie variieren stark zwischen den Produktionsstandorten und sind abhängig davon, welche chemischen Substanzen zum Einsatz kommen. Letztere bestimmen das Gefahrenpotenzial im Wesentlichen. Die Analyse zeigt, dass für die deutsche Chemieindustrie ein durchschnittliches Verbesserungspotenzial von 34 Punkten besteht. Insbesondere im Bereich der organisatorischen Faktoren und der Brandgefahren ist eine erhebliche Risikominimierung möglich.

Das Risikopotenzial der Branche kann deutlich verringert werden
Die allgegenwärtig vorherrschende Brand- und Explosionsgefahr erfordert regelmäßige und gewissenhafte Kontrolle und Wartung der gesamten Räumlichkeiten, der Maschinen und der Anlagen zur Identifizierung möglicher Zündquellen. Neben chemischen Reaktionen gelten in der Industrie allgemein Flüssigkeiten mit niedrigem Flammpunkt wie Lösemittel als Ursache für Brände und Explosionen. Doch auch jene Flüssigkeiten mit hohem Flammpunkt wie Wärmeträgeröle oder Hydraulikflüssigkeiten stellen eine ebenso große Gefahr dar, wenn sie aus Behältern oder Rohrleitungen austreten. Dreidimensionale Feuer, die gleichzeitig auf mehreren Ebenen installierte Prozessanlagen involvieren können, stellen ein weiteres Risiko in der Chemiebranche dar.

Heftausgabe: Mai 2015
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Thomas Leidemer, Senior Account  Engineer, FM Global Deutschland

Über den Autor

Thomas Leidemer, Senior Account Engineer, FM Global Deutschland

Thomas Leidemer, Senior Account Engineer, FM Global Deutschland

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