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Geräteintegration mit FDI

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07.12.2015 Das hatte es bislang noch nie gegeben: fünf Exponate, direkt vor dem Plenarsaal – für die Namur-Hauptsitzung im November ein kleiner Tabubruch. Dass erstmals Geräte an so prominenter Stelle gezeigt werden durften, hatte einen einfachen Grund: Die Anlagen markieren den Startpunkt der von den Anwendern sehnlichst herbeigewünschten Geräteintegrationstechnik FDI. Doch was haben diese davon und wie kann die Einführung vonstatten gehen?

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Bislang ist guter Rat meist teuer, wenn ein neues Messgerät oder ein neuer Aktor an ein Leitsystem angebunden werden soll, das dessen Gerätebeschreibung nicht lesen kann. Es ist die Hinterlassenschaft eines „Krieges der Welten“: Vor mehr als einem Jahrzehnt hatten Leitsystemanbieter getrennte Wege bei der Frage eingeschlagen, auf welche Art sie die Funktionen von Feldgeräten einbinden sollen. Während eine Fraktion die standardisierte Softwareschnittstelle „Field Device Tool“ – FDT – nutzen wollte, weil diese die Programmierung und Beschreibung komplexer Funktionen und Darstellungen erlaubt, setzten andere auf die textbasierte Parameterbeschreibung mittels „Device Description Language“ (DDL oder EDDL). Da es für Letztere allerdings verschiedene Dialekte gab, war das Chaos perfekt.

Anwender stöhnten nicht nur über Einschränkungen bei der Geräteauswahl, sondern auch über komplizierte Update-Prozesse und Probleme bei der Versionspflege über die zum Teil sehr langen Laufzeiten ihrer Anlagen. Für Feldgerätehersteller bedeuteten die verschiedenen Standards ebenfalls viel Aufwand: Um den gesamten Markt und alle Leitsysteme bedienen zu können, mussten sie für ein Gerät mehrere Treiber entwickeln und über die Jahre sicherstellen, dass sich diese sowohl mit alten als auch mit neuen Geräte- und Leitsystemversionen vertragen.

Henne-Ei-Deadlock,
oder kann es nun losgehen?

Unter dem Druck der Anwender in der Namur rauften sich deshalb vor neun Jahren Vertreter wichtiger Automatisierungshersteller zusammen, um einen auf der Namur-Hauptsitzung 2006 vorgestellten Kompromissvorschlag (FDD-UA) zu einem herstellerübergreifenden Standard für die Feldgeräteintegration weiterzu entwickeln. Mitte 2015 meldeten die Protagonisten nun Vollzug: Die „Field Device Integration“ – oder kurz: FDI – genannte Technik kombiniert die Vorteile der beiden ehedem verfeindeten Welten: die inzwischen harmonisierte (d. h. von Dialekten bereinigte und in IEC 61804 genormte) EDDL und die grafischen Möglichkeiten wie sie von FDT bekannt sind. Aus Sicht der Feldgerätehersteller kann die Branche nun mit FDI starten. Was dem Einsatz allerdings noch entgegensteht, ist der Fakt, dass die Prozessleitsysteme – die sogenannten „Hosts“ – bislang noch keine FDI-Gerätepakete lesen können. Erst mit den für 2016 angekündigten Versions-Updates der Leitsysteme sollen diese nach und nach FDI-fähig werden. Wie sollten sich also Anwender verhalten, die derzeit die Beschaffung neuer Geräte oder den Neubau oder die Erweiterung von Anlagen planen? Ist weiterhin Abwarten angesagt? Wenn nun aber Anwender abwarten – werden die Hersteller trotzdem Geld in die Programmierung von FDI-Treibern für ihre Geräte investieren? Ein typisches Henne-Ei-Problem.

Auf der Namur-Hauptsitzung 2015 wurde nun anhand von fünf kleinen Anlagen gezeigt, dass und wie FDI funktioniert. Verbaut waren darin Geräte und Automatisierungssysteme von Krohne, Samson, Rosen und Phoenix Contact. Die komplette Beschreibung eines Gerätes in einem FDI Device Package, bei dem die die Geräteparameter via harmonisierter EDD beschrieben werden, ergänzt um komplexe grafische Elemente in – wie bei FDT – frei programmierbaren User Interface Plugins (UIPs).

Beim Hersteller Krohne geht man das Thema aktiv an: „Wir können bei einer Anfrage auf Knopfdruck die einzelnen FDI-Packages für die meisten unserer Geräte zur Verfügung stellen“, sagt Dr. Christian Brehm, Technology Adviser Communications bei Krohne. Mangels verfügbarer Hosts ist die Nachfrage derzeit noch nicht zu sehen. Doch die verschiedenen Szenarien für die Einführung von FDI sind bereits durchdekliniert: ob künftige Neuanlage mit FDI-fähigem Host oder der Einsatz von FDI-Geräten in existierenden Anlagen und den bisherigen Leitsystemen, die entweder EDD oder FDT „verstehen“. Für Letztere gibt es eine Lösung, mit der Gerätehersteller aus ihren neuen FDI-Gerätebeschreibungen einen Device Type Manager (DTM) für FDT 2.0 generieren können: Der Softwareanbieter Codewrights hat dazu einen „iDTM“ genannten Konverter entwickelt und bietet diesen Weg kommerziell an. Auch die FDT Group hat angekündigt, dass sie Migrationslösung in Erwägung zieht. „Wichtig ist, dass die Anwender jetzt damit starten, sowohl für Geräte als auch Host-Systeme von ihren Lieferanten FDI zu fordern“, erklärt Christian Brehm im CT-Interview.

Heftausgabe: Dezember 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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