Chefs von Bayer und Monsanto treffen Donald Trump

Kommentar: Grabbed by the balls

13.01.2017 Zugegeben, die Überschrift ist eine Zumutung - genauer gesagt, ein Zitat auf niedrigem Niveau. Sie drängt sich aber auf, sobald man über die Motive spekuliert, die Bayer-Chef Werner Baumann und seinen Monsanto-Kollegen Hugh Grant zu einem frühen Antrittsbesuch beim „President-Elect“ Donald Trump bewogen haben. Ein Kommentar.

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Kommentar: Grabbed by the balls

Auch Ballspiele können eine Form der Machtdemonstration sein. Trumps „America first“-Anspruch zeigt offenbar bei Konzernchefs bereits Wirkung. Bild: Beto Chagas – Fotolia

Wenn sich Firmenchefs bemüßigt fühlen, die Mächtigen der Weltpolitik zu umgarnen, dann kann das verschiedene Gründe haben. Als Siemens-Chef Joe Kaeser kurz nach der russischen Krim-Annektion vor zwei Jahren Wladimir Putin besuchte, fand er sich sofort im medialen Kreuzfeuer wieder. Dabei tat Kaeser das, wofür er von seinen Shareholdern bezahlt wird: Das Geschäft ankurbeln – damals konkret den Verkauf von Siemens-Zügen.

Eine etwas andere Ausgangslage veranlasste Bayer-Chef Werner Baumann und seinen Monsanto-Kollegen Hugh Grant im Januar dazu, Donald Trump ihre Aufwartung zu machen. Baumann und Grant fürchten um die Genehmigung ihres 66 Mrd.-Dollar-Deals durch die US-Behörden. Deshalb ihre Botschaft an Trump:  Die Monsanto-Übernahme durch den deutschen Chemieriesen wird in den USA keine Arbeitsplätze kosten. Wenige Tage zuvor hatte der US-Autokonzern Ford verlautbart, dass man eine für Mexiko geplante Fabrik doch lieber auf der anderen Seite der künftigen Mauer, nämlich im US-Bundesstaat Michigan, bauen will.

Bayer-Monsanto: Übernahme unter Dach und Fach

Werner Baumann (Bayer) und Hugh Grant (Monsanto) bei der Einigung zum Übernahme-Deal. Die beiden Konzernchefs haben am dem kommenden US-Präsidenten offenbar versprochen, dass sie keine Jobs in den USA streichen wollen. (Bild: Bayer)

Für die Monsanto-Übernahme rechnet Bayer nach dem dritten Jahr mit Synergien in Höhe von 1,5 Mrd. US-Dollar. Ob diese auch durch Personalkürzungen erreicht werden sollen, hatte der Konzern im vergangenen Jahr offen gelassen. Dass Monsanto die Übernahme durch Bayer selbst bezahlt, wie es eine Faustformel im Merger&Aquisitions-Geschäft eigentlich besagt, war zwar schon immer unwahrscheinlich, aber die Wahl von Donald Trump drüfte von den Mitarbeitern des US-Konzerns wie ein Kündigungs-Schutzprogramm wahrgenommen werden.

Kommentar: Grabbed by the balls

Der künftige US-Präsident hat derzeit gut Lachen. Bild: Xaver Klaussner – Fotolia

Interessant ist aber auch das Timig des Treffens mit dem „President-Elect“: Dieses fand mitten in der heißen Phase der Vorbereitung zur Amtsübernahme, acht Tage vor der Inauguration Trumps als US-Präsident, statt. Dass Bayer die US-Republikaner im Wahlkampf mit einer Spende von 433.000 USD unterstützt hatte (die Demokraten erhielten 162.000 USD) hat der schnellen Terminfindung wahrscheinlich auch nicht geschadet.

Der vorauseilende Gehorsam der Konzernlenker – darunter nicht nur Ford, Bayer und Monsanto – erhärtet die Vermutung, dass Trump auch abseits der Umkleidekabine nicht nur weibliche Weichteile im Griff hat.   (as)

 

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Armin Scheuermann, Chefredakteur
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