Auf Wachstum programmiert

Halbjahresbilanz des VCI zur Chemiekonjunktur

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20.07.2017 In der deutschen Chemie laufen die Geschäfte besser als geplant: Der Umsatz kletterte in den ersten sechs Monaten um fünf Prozent und auch das Produktionsvolumen legte zu - allerdings nicht in allen Sparten, bilanziert der Chemieverband VCI zum Halbjahr.

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Entscheider-Facts für Betreiber und Manager

  • Der Umsatz der deutschen Chemieindustrie kletterte in den ersten sechs Monaten um 5 %.
  • Die Erzeugerpreise stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 %. Vor allem der anziehende Ölpreis treibt laut VCI die Erzeugerpreise.
  • Die Produktion legte um 1,5 % zu, die Kapazitätsauslastung erreicht inzwischen 87 %.
  • Die Zuversicht der Branche spiegelt sich in den Plänen für Sachinvestitionen in Deutschland wider: Mit rund 7,5 Mrd. Euro steigen diese um 6,7 %.

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VCI-Präsident Dr. Kurt Bock, BASF, stellte die positive Bilanz des ersten Chemie-Halbjahrs 2017 vor. Bilder: VCI

Für den Umsatzanstieg auf 96,9 Milliarden Euro sind vor allem steigende Erzeugerpreise verantwortlich, diese kletterten im Vergleich zum Vorjahr um 3,5 %. Vor allem der anziehende Ölpreis treibt laut VCI die Erzeugerpreise. Die Produktion legte um 1,5 % zu, die Kapazitätsauslastung erreicht inzwischen stolze 87 %. Mit Ausnahme der petrochemischen Grundstoffe (-3,5 %) verzeichneten alle anderen Sparten einen Mengenzuwachs. Selbst VCI-Präsident Kurt Bock, der als BASF-Chef zuletzt eher durch vorsichtige Zurückhaltung aufgefallen war, zog deshalb auf der Pressekonferenz des Verbands am 20. Juli ein positives Resümee des ersten Halbjahrs: „Die aktuelle Lage ist positiv. Wir erwarten auch für die zweite Jahreshälfte anhaltend gute Geschäfte im In- und Ausland.“ In allen für die deutsche Chemie wichtigen Auslandsmärkten rechneten die Unternehmen bis ins kommende Jahr hinein mit einem stabilen Wirtschaftswachstum. „Das gilt nicht nur für Europa, sondern auch für unseren wichtigsten Handelspartner, die USA“, erklärte Bock.

VCI erhöht Jahresprognose, Chemie investiert mehr

Vor dem Hintergrund des Aufwärtstrends in der Branche erhöht der VCI seine Prognose für das Gesamtjahr 2017: Der Chemieverband geht nun von einem Produktionswachstum von 1,5 % (bisher 1 %) aus. Der Umsatz wird sich voraussichtlich um 5 % auf 194 Mrd. Euro erhöhen. Die Zuversicht der Branche spiegelt sich in den Plänen für Sachinvestitionen in Deutschland wider: Die Unternehmen wollen in diesem Jahr mit rund 7,5 Milliarden Euro mehr als jemals zuvor in Produktionsanlagen und Maschinen investieren. Dieser Rekordwert entspricht einem Anstieg von 6,7 % oder rund 470 Millionen Euro gegenüber 2016. Aber auch die Auslandsinvestitionen sollen sich auf 8,4 Milliarden Euro (+5,8 %) erhöhen.

Wünsche an die Politik: Planungssicherheit, F&E und Infrastruktur-Investitionen

Der VCI-Präsident appellierte mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl an alle Parteien, den Standort Deutschland durch gute Industriepolitik zu stärken. In den letzten vier Jahren seien kaum konkrete Fortschritte für mehr Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit des Standorts erzielt worden. Der Verband fordert beispielsweise durch mehr Markt in der Energiewende die Energiekosten zu bremsen. „Die Planungssicherheit für die Industrie muss erhöht werden, damit energieintensive Unternehmen wieder mehr investieren“, betonte Bock.

Zudem müsse mehr in Forschung und Entwicklung investiert werden. Konkret sollen, so Bock, die F&E-Ausgaben mittelfristig von heute 3 auf 3,5 % des Bruttoinlandsprodukts steigen. Bock richtete den dringenden Appell an die Politik, mehr in Bildung zu investieren und Schulen sowie Universitäten finanziell und personell besser auszustatten. Ein weiteres Defizit sieht der VCI in der Infrastruktur: Die Substanz der Verkehrswege in Deutschland drohe zu erodieren, was für die transportintensive Chemie ein großes Problem darstellt. Für die Digitalisierung und für neue Geschäftsmodelle benötige die Industrie schnelle Datenverbindungen ins Internet. Der Breitbandausbau als technische Basis für diese Transformation müsse deutlich Fahrt aufnehmen – auch in der Fläche. Bock verwies darauf, dass viele der „Hidden Champions“ aus dem Chemie-Mittelstand, der rund 1.900 Unternehmen umfasst, nicht in den Ballungszentren angesiedelt sind. „Unsere  mittelständischen Firmen, aber auch ihre Kunden und Lieferanten, brauchen leistungsfähige Anschlüsse zum Internet, wenn sie mit Wettbewerbern in Indien und China künftig auf Augenhöhe bleiben wollen.“

Investitionen: Chemie investiert, Chemieanlagenbau leidet

Mit einem Volumen von 7,5 Mrd. Euro investiert die deutsche Chemie in diesem Jahr so viel wie noch nie in neue Anlagen. In den Zahlen des deutschen Chemie-Großanlagenbaus findet sich die seit einigen Jahren abzeichnende Entwicklung allerdings nicht wieder. Woran das liegt, und wie die Situation weltweit aussieht, haben wir in CT 6 in einem ausführlichen Trendbericht analysiert.

Hier finden Sie eine Analyse zu den Trends im Chemieanlagenbau.

(as)

Heftausgabe: August 2017
Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK

Über den Autor

Armin Scheuermann ist Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
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