Turnkey-Lösung in Rekordzeit

Haver & Boecker installiert vollautomatische Verpackungslinien für Sabic

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06.10.2016 In knapp acht Monaten von der Auftragserteilung zur erfolgreichen Inbetriebnahme: Für die Saudi Arabian Basic Industries Corporation, Sabic, hat Haver & Boecker drei komplette Verpackungslinien für Kunststoffgranulate installiert.

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Entscheider-Facts für Betreiber und Planer

  • Haver & Boecker hat für Sabic im niederländischen Geleen drei komplette Verpackungslinien für Kunststoffgranulate installiert.
  • Das Turnkey-Projekt umfasste Verpackungsmaschinen, Palettierer, Haubenstretch-Verpackungsanlage und ein automatisiertes Beladesystem.
  • Projektmanagement aus einer Hand und der Einsatz standardisierter Komponenten ermöglichten es, das Projekt innerhalb von acht Monaten und damit drei Wochen vor geplantem Termin abzuschließen.

Das Turnkey-Projektmanagement ermöglichte es, dass Verpackungsmaschinen, Palettierer, Haubenstretch-Verpackungsanlage und ein automatisiertes Beladesystem für LKW-Trailer drei Wochen vor dem vereinbarten Termin in Betrieb gehen konnten.
Rund 1.000 Menschen (von insgesamt 40.000 Mitarbeitern weltweit) arbeiten aktuell in den Anlagen von Sabic am Produktions­standort in Geleen. Das Werk umfasst rund
40 % der Fläche im Industriepark Chemelot. In Geleen, einem von den fünf großen Sabic-Produktionsstandorten in Europa, werden Grundstoffe wie Ethylen und Propylen für die Produktion von verschiedenen, qualitativ hochwertigen Kunststoffen wie Polyethylen und Polypropylen produziert. Die Tagesproduktion für die Spezialmassenkunststoffe umfasst mehrere Tausend Tonnen pro Tag, die jedes Jahr im vollautomatischen 24-Stunden-Betrieb produziert und auf Paletten abgesetzt werden.

Hohe Produktivität und schnelle Amortisation als Projektziele

Ende 2014 entschied das Management, den Produktionsstandort in Geleen zu modernisieren und zukunftsorientiert auszubauen. „Wir haben in der Projektierung Wert darauf gelegt, dass die Produktivität durch leicht handhabbare, leicht palettierbare, kastenförmige Gebinde deutlich erhöht wird, die Anlagensicherheit zu jeder Zeit gewährleistet sein muss und möglichst schnell ein Return on Investment erreicht wird“, blickt Sabic-Projektleiter Marc Beuten  zurück. „Jede der drei neuen Linien sollte eine Kapazität von mindestens 1.800 Schlauchfoliensäcken pro Stunde, im Idealfall bis zu 2.000 Säcken pro Stunde haben.“ Bis zu 40 Paletten pro Stunde pro Linie sollte die Packkapazität betragen, über die nachfolgende LKW-Verladung – so die Vorgabe – mussten jeweils 20 Stapel gleichzeitig automatisch verladen werden können.

Nach ersten konkreten Gesprächen legten die Spezialisten für das Abfüllen, Verpacken und Verladen von chemischen Schüttgütern aus Oelde im Dezember 2014 ein Angebot für das Turnkey-Projekt vor. Der Auftrag ging schließlich nach einem Auswahlverfahren an Haver & Boecker – zwei weitere Mitbewerber gingen leer aus. „Bereits im Auswahlverfahren hat uns
Haver & Boecker durch technische Kompetenz, zuverlässiges und leistungsstarkes Equipment, umfassende Visualisierungen, die extreme Orientierung an unseren Wünschen und vor allem durch Enthusiasmus für dieses Projekt überzeugt. Bereits in einem sehr frühen Stadium wurden die Zustände aller Maschinenkomponenten umfassend dargestellt“, so Marc Beuten. „Wir haben außerdem Wert daraufgelegt, dass Planung, Projektierung und Abwicklung sowie die Baustellenleitung aus einer Hand angeboten wurden.“ „Der Preis, aber vor allem auch die Anlagenphilosophie und die Vision der Haver-Ingenieure haben einfach zu uns gepasst“, begründet Sabic-Anlagenleiter Peter Drent weiter die Vergabe.

Sportliches Ziel: Projektabschluss im Dezember 2015

Vom ersten Gespräch an war klar, dass die Projektbeteiligten ein sportliches Ziel hatten: Bis zum 15. Dezember 2015 sollte das Projekt erfolgreich abgeschlossen werden. „Die besondere Herausforderung bestand auch darin, den Aufbau der Anlage im laufenden Betrieb zu schaffen, die Stillstandzeiten so gering wie möglich zu halten und für alle Montagearbeiten ein sehr kurzes Zeitfenster zu nutzen“, so Robert Brüggemann, Leiter des Geschäftsbereichs Haver Chemicals. Der Startschuss für das Projekt vor Ort fiel im März 2015. Von September bis Mitte November wurden die Verpackungslinien während der laufenden Produktion Zug um Zug montiert und in Betrieb genommen. Der Maschinenhersteller aus Oelde übernahm neben Engineering, Projektsteuerung und Baustellenleitung die Lieferung der kompletten Absack-, Palettier-, Verpackungs- und Beladetechnik samt automatisierter LKW-Beladung.

Drei Linien mit Abfüllmaschinen vom Typ Haver FFS 2000

Das Layout der neuen Anlage berücksichtigte die Anforderungen des Betreibers und bildet den aktuellen Stand hochwertiger Anlagentechnik ab: Kern der neuen Anlage sind drei Abfüllanlagen vom Typ Haver FFS 2000 mit einem Transportsystem für 25-Kilo-Säcke mit Förderern, Gewichtskontroll- und Metallausschleusungssystem sowie Sackrückführungseinheit. Eine der drei Linien wurde dabei als mobile Lösung konzipiert. „Damit nutzen wir die räumlichen Gegebenheiten in der Anlage optimal aus“, freut sich Marc Beuten. Für die Palettierung der handelsüblichen Schlauchfolien-Säcke mit Seitenfalte wird in Geleen das Palettiersystem Chimipal 2000 eingesetzt. Bei der Ausrüstung des Standortes in Geleen setzte die Maschinenfabrik aus Oelde auf das Know-how ihrer Technologietochter Newtec Bag Palletizing. Der Hersteller von automatischen Palettiersystemen mit Sitz in Illzach (Frankreich) gehört seit Mai 2012 zur Unternehmensgruppe.
Die Verpackungslösung wurde in Zusammenarbeit mit MSK Verpackungs-Systeme aus dem niederrheinischen Kleve entwickelt: „Entscheidend für die Auswahl des Systems war unter anderem die Sicherheit der Bediener: Der Maschinenkopf der Haubenstretchmaschine lässt sich auf Bodenniveau absenken. Das macht die Wartung einfacher und schneller, da keine Leitern oder Arbeitsbühnen benötigt werden. Das von MSK entwickelte Verfahren bietet außerdem zusätzliche Stabilität in besonders kritischen Ladungsbereichen der Palette“, so Martin Vermeulen, Geschäftsführer von Haver Service Benelux.

Im Zusammenspiel mit Haver und MSK Verpackungs-Systeme lieferte der niederländische Spezialist Ancra die Lösung für die LKW-Trailerbeladung. Zwischen Andockung des Trailers und der Abfahrt des LKW vergehen maximal sechs Minuten, bis die 20 Paletten mit Schlauchfolien-Säcken (FFS-Säcke) verladen werden. Das System ermöglicht auch die Beladung geschlossener Trailer.
Drei Wochen früher als geplant vermeldete Projektleiter Marc Beuten seiner Geschäftsführung das erfolgreiche Projektende. „Es hat sich dabei bewährt, dass wir in Zusammenarbeit mit Sabic auf einen modularen Aufbau aus standardisierten Komponenten gesetzt haben. Das hat erheblich dazu beigetragen, die Lieferzeiten unter sechs Monaten zu halten“, informierte Martin Vermeulen. Mehr als ein Dutzend Mitarbeiter von Sabic wurden geschult, Ingenieure des Maschinenlieferanten sorgten dafür, den Bedarf an Information in Schulungen im Hauptquartier und auf der Baustelle zu decken. Dabei kam nicht nur klassisches Schulungsmaterial zum Einsatz, sondern es wurden auch Video-Tutorials gehalten.

Komplette Steuerung mit umfassendem Maintenance-Paket

Die übergeordnete Steuerung wurde von den Spezialisten aus Oelde geliefert. Über einen umfassenden Remote-Maintenance- Service kann der Anlagenbetrieb komplett online kontrolliert werden. Durch die Remote-Unterstützung per Haver-Service-Pad lassen sich Ausfall- und Stillstandzeiten verringern. Durch den direkten Zugriff auf die Steuerung kann der Hersteller die Ferndiagnose durchführen und Probleme lösen. Ein Tastendruck verbindet den Betreiber mit dem Support. Um diese Anforderungen erfüllen zu können, sind auf den Tablets spezielle Softwareprogramme installiert: Dazu zählen SPS-Projektierungssoftware zur Beobachtung und Anpassung des Programms zur Maschinensteuerung, ein HMI-Remote-Client zur Beobachtung und Fernbedienung der HMI-Bedienoberfläche sowie MEC-Wägeelektronik-Software. Auch Videokonferenzen sind möglich. Außerdem können per Webbrowser Ersatzteile direkt beim Anlagenlieferanten bestellt werden. Das erfolgreiche Projekt in Geleen hat inzwischen Folgen für die Turnkey-Planer aus Oelde:  Sabic hat einen weiteren Auftrag an Haver & Boecker vergeben.

Zur Technik: FFS-Anlagen

Die FFS-Anlagen des Herstellers eignen sich für das Abfüllen von körnigen, granulierten und pulverförmigen Schüttgütern in Kunststoffsäcke. Der Sack wird in der Füllmaschine aus einer vorgefertigten PE-Schlauchfolie gebildet. Die Abfüllung des Produktes und die Verschließung des Sackes erfolgen ebenfalls in der Verpackungseinheit. Die Säcke sind sauber, dicht und kompakt und bieten für die abgefüllten Produkte einen hohen Schutz. Haver & Boecker bietet heute FFS-Systeme mit einer konstanten Leistung bis 2.600 Säcke/h an. 1609ct924

K 2016 Halle 12 – A32

Website des Herstellers

CT-Artikel: Vollautomatisches Verpackungssystem deckt alle drei Dimensionen ab – Produkt, Gebinde, Gewicht

CT-Produktfokus: aktuelle Lösungen für das Abfüllen und Verpacken von Schüttgütern

Heftausgabe: Oktober 2016
Silvia Benneker, Haver & Boecker

Über den Autor

Silvia Benneker, Haver & Boecker
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