Volles Rohr voraus

Hochgeschwindigkeitstransportsystem Hyperloop

09.10.2015 Sich selbst als Rohrpost Richtung Süden in den Urlaub verschicken, und das bei Geschwindigkeiten bis 1.225 km/h. So könnte die Zukunft aussehen, wenn die Idee von Elon Musk Realität wird.

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Der Internet-, Elektromobilitäts-, Raumfahrt- und nun auch Bahnvisionär veröffentlichte bereits im Jahr 2013 Pläne, die die Landreise revolutionieren würde. Eigentlich „mal wieder“, zählt man das sich bereits im Verkauf befindliche, aber etwas langsamere Elektroauto Tesla mit. Das System selbst besteht aus Röhren, durch die Personen und Güter in elektrisch getriebenen Kapseln transportiert werden. Die hohe Geschwindigkeit ist dabei möglich, weil die Röhren teilvakuumiert sind und die Kapseln auf Luftpolstern gleiten. Musk funktioniert in diesem Fall im Übrigen nur als Ideengeber. Die technische Entwicklung verfolgt einen Open-source-Ansatz, wie es bisher nur von digitalen Projekten wie Linux oder auch Wikipedia bekannt ist: Praktisch jeder kann Teil der Community werden und seine Ideen einbringen – was bis dato auch bereits einige Tausend ehrenamtliche Ingenieure und Designer taten.

Wettrennen der Bastler und Tüftler
Aufgrund dieser offenen Herangehensweise haben sich auch gleich mehrere Unternehmen gegründet, die das Transportsystem zur Marktreife bringen wollen. Diese sind dann allerdings natürlich nicht mehr von Idealismus alleine angetrieben, sondern haben auch monetäre Interessen. Vorne dabei ist Hyperloop Transportation Technologies unter Führung des deutsch-amerikanischen CEO Dirk Ahlborn. Dieser will bereits im Jahr 2018 den kommerziellen Betrieb des Hyperloops aufnehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, kooperiert er mit dem Unternehmen Oerlikon Leybold Vacuum, dessen Spezialisten sich um die Umsetzung der Vakuumtechnik kümmern. In einem ersten Schritt soll im Jahr 2016 im kalifornischen Quay Valley eine 8 km lange Teststrecke im Gegenwert von 150 Mio. US-Dollar entstehen, die dann den Einwohnern der konzeptionellen Stadt als Transportmittel zur Verfügung steht. Bevor die Röhre dort aber die angestrebten Vakuum-Bedingungen im Bereich zwischen 1 und 100 mbar erreicht und der Betrieb offiziell starten kann, bedarf es laut Unternehmen allerdings noch einiger Tests und Berechnungen durch die verantwortlichen Ingenieure.

Die Zeichen stehen auf Durchmarsch

„Mit unserer Simulations-Software Pascal können wir die gesamte Hyperloop-Anlage bis ins Detail auslegen und somit das erforderliche Vakuum-Equipment für den optimalen Betrieb berechnen. Zudem stehen wir bereits im Vorfeld als Ansprechpartner für alle Fragen des Designs und bei der anschließenden Realisierung des Projekts zur Verfügung“, erklärt Carl Brockmeyer, Head of Business Development bei Oerlikon. Investoren für die Teststrecke in Kalifornien stünden laut Firmengründer Ahlborn Schlange, womit auch die Finanzierung kein Problem darstelle. Sollten die Tüftler bei der Umsetzung also auf keine gravierenden technischen Probleme stoßen, dann heißt es vielleicht wirklich bereits in wenigen Jahren: Koffer packen und ab die Post! Top31115

Hier finden Sie den offiziellen Internetauftritt zum Hyperloop-Projekt.

Hier gelangen Sie zur Firma Hyperloop Transportation Technologies.

Und hier finden Sie einen Bericht zur Kooperation mit Oerlikon.

Heftausgabe: Oktober 2015

Über den Autor

Philip Bittermann, Redaktion
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