Bayer Crop Science setzt bei Gefahrgütern auf Innenfutterverpackungen

Im Wettbewerb punkten

11.05.2007 Verpackungen für Pflanzenschutz-Produkte müssen unzählige rechtliche Anforderungen erfüllen, um Mensch und Umwelt nicht zu gefährden. Bayer Crop Science setzt dabei auf spezielle Innenfutterverpackungen. Speziell, weil sie mehr können muss, als nur sicher zu sein. Was darunter zu verstehen ist, erfahren Sie hier.

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Verpackungen für Gefahrgüter müssen weder langweilig, noch unpraktisch sein, weiß Franz-Peter Schüller. Schüller muss es wissen: Er ist Leiter der Verpackungsentwicklung bei Bayer Crop Science in Monheim. Verpackungslösungen für diese Produkte müssen viele rechtliche Anforderungen erfüllen, um niemanden zu gefährden. Das Unternehmen setzt dabei auf spezielle Innenfutterverpackungen: „Innovative Konzepte zu überschaubaren Kosten, das ist notwendig, um im Wettbewerb zu punkten“, so Schüller. Und dafür sind Ideen externer Verpackungsspezialisten gefragt.

Herbizide, Fungizide, Insektizide und ähnliche chemische Substanzen werden in Granulat- oder Pulverform zum Pflanzenschutz eingesetzt. Die Stoffe stellen eine ganze Reihe von Anforderungen an die Verpackung. Anfang der 90er Jahre kamen die ersten Innenfutterverpackungen bei dem Global Player zum Einsatz, heute befinden sich fast alle Pflanzenschutzmittel für den europäischen Markt in solchen Verpackungen. Die Bayer Crop Science-Packmittelkonzepte werden mit externen Unternehmen realisiert oder weiterentwickelt. Eines dieser Unternehmen ist Karl Knauer, Mitglied der Copaco-Gruppe. „Wir brauchen Partner, die proaktiv sind, die aus eigenem Antrieb schon in der Entwicklungsphase unserer Produkte neue und bezahlbare Ideen vorstellen“, so Schüller zum Anforderungsprofil.

Proaktive Partnerschaft

Bereits seit über zehn Jahren arbeiten beide Unternehmen zusammen. Damals stellte der Packmittelhersteller ein neues Verpackungskonzept in Form einer Innenfutterverpackung vor, das die Herstellprozesse stark vereinfachte und so zu Kostenreduzierungen bei gleichbleibender Qualität und Funktion beitrug. Auch die Einführung von Mikrowelle statt Vollpappe bei den großen Gefahrstoff-Verpackungen (ab zwei Liter Füllmenge) geht auf eine Idee des badischen Packmittelherstellers zurück. Eine Lösung, die noch heute Material- sowie Entsorgungskosten einspart, denn Mikrowelle-Konstruktionen benötigen bei gleicher Füllmenge einen geringeren Einsatz von Rohmaterial im Vergleich zu Vollpappe.

Bayer Crop Science setzt im Wesentlichen auf zwei Konzepte: Innenfutter-Faltschachteln aus Mikrowelle mit Tragegriff für Füllgüter über zwei Kilogramm sowie solche aus Vollpappe, ohne Tragegriff, für Füllgüter bis zwei Kilogramm. Die formfest stehenden Innenfutterverpackungen sind einerseits hoch stabil und lassen sich problemlos befüllen, andererseits erfüllen sie die hohen Barriereanforderungen. „In der Food-Industrie hat die Verpackung die Funktion, das Produkt vor der Umwelt zu schützen, bei uns kommt zusätzlich der Schutz der Umwelt vor dem Produkt hinzu“, so Schüller. Innenfutterverpackungen schützen einerseits Mensch und Natur vor den chemischen Stoffen – andererseits wird das Produkt vor schädlichen äußeren Einflüssen wie Licht, Wasser(dampf), Sauerstoff und anderen Gasen geschützt. „Innenfutterverpackungen, deren Futter zum Beispiel aus Aluminiumverbund bestehen, sind absolut dicht. Es kann kein Austausch mit der Umgebung stattfinden“, so Frédéric Siedlik von der Verpackungsentwicklung des Unternehmens. Rund 80Prozent aller Innenfutterverpackungen verfügen über Innenfutter aus einem Aluminiumverbund, Zusammensetzung ALU-Innenfutter: Natronkraftpapier 30g/m2 +/-7%, LDPE mit 20g/m2 +/-3g/m2, Aluminium mit mindestens 7mm, LDPE 40g/m2 +/-3g/m2. Die restlichen etwa 20Prozent erfüllen einfachere Barriereanforderungen und sind mit Polyethylen beschichtet (PE-Innenfutter: Natronkraftpapier 50g/m2 +/-7%, LDPE 40g/m2 +/-3g/m2).

Die Verpackung als Kaufargument

Für die Entsorgung kann das Innenfutter problemlos herausgenommen werden, die Pappe dann dem Altpapierrecycling, das kontaminierte Futter einer fachgerechten Entsorgung zugeführt werden. Die Tatsache, dass sich das Innenfutter individuell an das Füllgut anpasst und das Volumen im Vergleich zum Beutel optimal ausgenutzt wird – denn das Innenfutter füllt die Faltschachtel komplett aus, was beim Beutel aus technischen Gründen nicht der Fall ist – spart Verpackungsmaterial. Diese Lösung schont nicht nur die Umwelt, sondern macht auch Transport und Lagerung wirtschaftlicher.

Zu den Zielgruppen der Produkte gehören neben Landwirten auch private Verbraucher, die die Pflanzenschutzmittel über Fachmärkte beziehen können. „Das Marketing orientiert sich bei der Kundenansprache immer mehr an der Konsumgüterindustrie“, weiß Martin Glatz, Marketingleiter bei Karl Knauer. Die Folge: Bedruckung, Verpackungsdesign und Convenience gewinnen eine zunehmend größere Bedeutung. Unter Convenience-Aspekten spielen neben Tragegriffen vor allem Öffnungs- und Wiederverschließbarkeitsmechanismen, Streu-, Ausgieß- sowie Dosierhilfen eine Rolle. Features, die den praktischen Nutzen erhöhen und letztendlich Kaufargumente sind. Franz-Peter Schüller: „Unsere Verpackungen müssen die selben Marketingfunktionen wie die von Konsumgütern übernehmen. Schließlich wollen wir dem Wettbewerb immer einen Schritt voraus sein.“

„In der Food-Industrie hat die Verpackung die Funktion, das Produkt vor der Umwelt zu schützen, bei uns kommt zusätzlich der Schutz der Umwelt vor dem Produkt hinzu“
Franz-Peter Schüller, Leiter der Verpackungsentwicklung bei Bayer Crop Science
„Das Marketing orientiert sich bei der Kundenansprache immer mehr an der Konsumgüterindustrie“
Martin Glatz, Marketingleiter bei Karl Knauer

Heftausgabe: Mai 2007

Über den Autor

Alexander Vogler , Journalist, Faktum
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