Turnaround vollzogen

Infrapark Baselland wird rechtlich eigenständig

04.03.2014 Noch vor vier Jahren dräuten dunkle Wolken über dem Clariant-Produktionsstandort Schweizerhalle. Die unweit von Basel über Jahrzehnte ansässige Textilchemie wurde ins Ausland verlagert, zahlreiche Gebäude am Chemiestandort drohten leer zu stehen. Um den Standort zu entwickeln, wurde ein kleines Team beauftragt, die Transformation hin zu einem offenen Chemiepark zu betreiben. Erstes sichtbares Zeichen: Die 2011 gegründete Marke „Infrapark Baselland“. Die Einheit hat sich zu einem Standortdienstleister gemausert – und ist mit der Ansiedlung neuer Unternehmen erfolgreich.

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März 2014

Bild: Infrapark Baselland

„Ursprünglich hatten wir die Aufgabe, die Verlagerung von große Teilen der Clariant-Produktion zu organisieren“ erläutert Renaud Spitz, Leiter des Infrapark
Baselland: „Inzwischen haben wir eine klare Vision und Strategie: Wir wollen der große Chemiepark in der Nordschweiz sein und die komplette Wertschöpfung – von der Forschung bis zur Produktion und Logistik – abdecken.“ Um diese Strategie umsetzen zu können, wurde im ersten Schritt Kostentransparenz geschaffen. „Das hat uns in die Lage versetzt, unserer Konzernleitung die Argumente für eine rechtlich eigenständige Einheit zu liefern“, verdeutlicht Spitz. Diese ist seit Januar 2014 als Infrapark Baselland AG aktiv. Dem Standortbetreiber und Infrastrukturdienstleister geht es mit dem Schritt darum, die Sichtbarkeit des Standorts gegenüber Nachbarn, Behörden und Kunden zu erhöhen. „Die Marke ist im Kontakt zu den Nachbarn sehr wichtig. Sie hilft dabei, die Gräben zwischen den einstmals konkurrierenden Unternehmen am Standort Schweizerhalle zu überwinden“, ergänzt Spitz.
Dass die Strategie aufgeht, wird anhand der Investitionstätigkeiten in den vergangenen drei Jahren deutlich: über 80 Mio. Euro haben die Ansiedler in diesem Zeitraum am Standort investiert. Der Standortdienstleister selbst steckt jährlich zwischen 8 und 12 Mio. Euro in den Ausbau der Infrastruktur am Standort. Zu den größten Projekten zählt der Ausbau der Fungizidproduktion von Bayer Crop Science und die Ansiedlung der Katalysatorproduktion von Comar Chemie. Der Chemie-Logistiker Brenntag betreibt seit einigen Monaten am Standort eine Anlage zur Schwefelsäure-Verdünnung und beliefert Kunden am Standort per Pipeline sowie in der Schweiz per Tankwagen.
Das Unternehmen AVA Biochem BSL ist aktiv in der Entwicklung und Produktion von 5-Hydroxymethylfurfural aus Biomasse. Beyond Surface Technologies entwickelt Spezialchemikalien für Sporttextilien.
„Vor vier Jahren waren 80 Prozent der Produktion am Standort noch in der Hand von Clariant. Heute werden bereits über 70 Prozent der Produkte von externen Kunden hergestellt“, verdeutlicht Spitz den Turnaround. Um die Vision des größten Chemieparks der Nordschweiz umzusetzen, denkt der Standortbetreiber auch über Kooperationen mit Nachbarn am Industriestandort Schweizerhalle nach. Schon heute ist der Dienstleister über Ver- und Entsorgungsleistungen mit Unternehmen in der Nachbarschaft verbunden. Spitz: „Wir diskutieren verschiedene Möglichkeiten und wägen die Vor- und Nachteile ab, die wir durch weitere Anteilseigner hätten.“ [AS]
Ein ausführliches Interview mit Renaud Spitz wird im Länderspecial Schweiz in CT 4 erscheinen.

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Heftausgabe: März 2014

Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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