Chemiepark

Infraserv Höchst: Rückläufiger Energiehandel lässt Umsatz schrumpfen

07.02.2017 Der Standortdienstleister Infraserv Höchst hat das vergangene Jahr mit Licht und Schatten abgeschlossen: Durch den rückläufigen Energiehandel schrumpfte der Umsatz, allerdings konnte der Industrieparkbetreiber in anderen wichtigen Geschäftsbereichen zulegen.

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Infraserv Höchst Vormann - Kreysing

Die Infraserv Höchst-Geschäftsführer Jürgen Vormann und Dr. Joachim Kreysing bei der Besichtigung des Ersatzbrennstoff-Kraftwerks im Industriepark Höchst. Bild: Redaktion

„Wir sind in wesentlichen wertschöpfenden Segmenten solide gewachsen“, sagte Jürgen Vormann, Geschäftsführer der Infraserv Höchst: So stiegen der Umsatz mit Standortdienstleistungen in 2016 um 3,1 % auf 151,8 Mio. Euro, das Entsorgungsmanagement trug 71,1 Mio. Euro (+3,1 %) bei. Beim Gesamtumsatz musste der Chemieparkbetreiber allerdings ein Minus von 9,7 % hinnehmen – dieser gab von 1,042 Mrd. Euro in 2015 auf 945 Mio. Euro in 2016 nach. Als Ursachen wurden einerseits der Preisverfall bei den Energieträgern Öl und Gas (-6 % Umsatz) sowie der teilweise Ausstieg aus dem Energiehandel angegeben – dort erlöste Infraserv 2016 nur noch 72, Mio. Euro (-45,9 %). „Den Energiehandel zurückzufahren ist eine bewusste Entscheidung, denn das ist margenschwaches Geschäft“, so Vormann. In Summe konnte das Unternehmen in 2016 eine Rendite von rund 10 % erwirtschaften und sieht sich damit im Markt sehr gut aufgestellt.

Eigenes Ersatzbrennstoff-Kraftwerk im Regelbetrieb

Freude macht dem Dienstleister inzwischen das eigene Ersatzbrennstoff-Kraftwerk: Die 2011 in Betrieb genommene Anlage ist mit 300 Mio. Euro die größte Einzelinvestition des Unternehmens und läuft nach anfänglichen Schwierigkeiten seit 2015 im Regelbetrieb. Hier konnte der Betreiber im vergangenen Jahr den Erlös um mehr als ein Drittel steigern.

Auch außerhalb des Standorts verzeichnet Infraserv wachsendes Geschäft: So betreibt das Frankfurter Unternehmen inzwischen auch für Merck in Darmstadt Gebäude und hat im vergangenen Jahr weitere Projekte an Standorten im Rhein-Main-Gebiet übernommen. In Köln wurde für die Personal- und Ausbildungstochter Provadis eine Niederlassung eröffnet. „Wir sind bestrebt, weitere Industrieparks zu betreiben“, erläutert Co-Geschäftsführer Dr. Joachim Kreysing die Zielsetzung.

Weniger Investitionen – Planungssicherheit angemahnt

Sorgen bereitet dem Standortbetreiber das sich eintrübende Investitionsklima: Nachdem die Unternehmen am Standort in 2015 rund 352 Mio. Euro investiert hatten, waren es 2016 noch 341 Mio. Euro. Seit dem Jahr 2000 wurden insgesamt 6,99 Milliarden Euro im Industriepark Höchst investiert. „Kaum ein anderer Chemie- und Pharmastandort in Deutschland kann derartige Investitionssummen vorweisen“, so Kreysing. „Der Industriepark Höchst ist für den Markt immer noch sehr attraktiv, diese Attraktivität zu verteidigen ist allerdings kein Selbstläufer“, ergänzt Jürgen Vormann, der im Chemieverband VCI der Fachvereinigung Chemieparks vorsteht: „Wir beobachten, dass sich die Investitionen in Deutschland auf immer weniger Standorte konzentrieren.“ Die Ursache sehen die Infraserv-Manager auch in den politischen Rahmenbedingungen: „Uns macht die fehlende Planungssicherheit in der Energiepolitik zu schaffen“, konkretisiert Kreysing. Dazu kommen unklare Abstandsregelungen bei der Umsetzung der europäischen Seveso-III-Richtlinie in deutsches Recht.

Dennoch sieht sich der Standortbetreiber 20 Jahre nach der Unternehmensgründung gut aufgestellt: „1997 gab es viele Zweifel, ob das neue Konstrukt des Industrieparkbetreibers zukunftsfähig ist – diesen Beweis haben wir klar erbracht“, so Vormann.

(as)

 

 

 

 

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