Sicherheit und Zuverlässigkeit haben oberste Priorität

Interview mit Alexander Peters und Dr. René Peters zum Kongress Introequipcon

29.08.2016 Auf der Introequipcon im September treffen sich Anwender, Hersteller und Forscher, um die aktuellen Entwicklungen zu diskutieren. Im CT-Interview erläutern der Vorsitzende der VDMA-Fachverbände Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik, Alexander Peters, und der Vorsitzende des European Forum of Reciprocating Compressors EFRC, Dr. René Peters, die Schwerpunkte der Konferenz sowie aktuelle Herausforderungen.

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Dr. René Peters ist Vorsitzender des European Forum
of Reciprocating Compressors, EFRC,
„Durch gesunkene Öl- und Gaspreise befindet sich der Upstream-Sektor deutlich im Abschwung. Andererseits profitieren der Raffinerie- und Chemiesektor von niedrigen Rohstoffpreisen und investieren verstärkt.“

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Alexander Peters ist Vorsitzender des VDMA-Fachverbandes Kompressoren,
„Energieeffizienz und Anlagenverfügbarkeit spielen eine zentrale Rolle. Darüber hinaus beschäftigen wir uns auch mit den Möglichkeiten der Digitalisierung unserer Produkte und Dienstleistungen.“

Kompressoren und Kolbenverdichter gehören zu den Arbeitspferden der Prozessindustrien. Auf der Introequipcon im September treffen sich Anwender, Hersteller und Forscher, um die aktuellen Entwicklungen zu diskutieren. Im CT-Interview erläutern der Vorsitzende der VDMA-Fachverbände Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik, Alexander Peters, und der Vorsitzende des European Forum of Reciprocating Compressors EFRC, Dr. René Peters, die Schwerpunkte der Konferenz sowie aktuelle Herausforderungen.

CT: Welche aktuellen Themen zu Verdichtern und Kolbenkompressoren beschäftigen Sie derzeit am meisten und wie finden sich diese im Programm der International Rotating Equipment Conference wieder?
Alexander Peters: Energieeffizienz und Anlagenverfügbarkeit spielen für das Compressor Users International Forum eine zentrale Rolle. Darüber hinaus beschäftigen wir uns auch mit den Möglichkeiten der Digitalisierung unserer Produkte und Dienstleistungen. Beispielhaft genannt seien hier die „Sessions“ Energy Efficiency in Compressed Air Systems, Energy Savings, Reliability and Maintenance. Der Produktentwicklung wird Rechnung getragen durch die „Sessions“ Positive Displacement Compressors (Design and Application), Turbo Compressors (Components, Design and Application, Research), Vacuum Technology (Application, Research, System Design).
Dr. René Peters: Der Kolbenkompressor wird in vielen verschiedenen Märkten angewendet und sieht sich unterschiedlichen Herausforderungen bezüglich der Marktbedingungen, Emissionsvorschriften, Wartung und Effizienz gegenübergestellt. Ganz allgemein fördern die Notwendigkeit, die durchschnittliche Dauer zwischen Wartungen zu reduzieren, Emissionen in die Luft zu verringern und Automatisierung Innovationen im Bereich neuer Materialien, Zustandsüberwachung und Fernsteuerung. Zum Beispiel werden neue Leichtbau-Materialien auf Basis von Verbundmaterialien entwickelt, um kritische Bestandteile der Maschine zu ersetzen, was mit verbesserter Leistung und geringerem Wartungsaufwand einhergeht. Ein spezieller Weiterbildungsworkshop wird den Herausforderungen in Zusammenhang mit dem Schmieren und dem Verschleiß („Lubrication and Wear“) von Kolbenmaschinen gewidmet sein. Auch die Ergebnisse der EFRC-Forschung zur innovativen Kolben- und Ventilkonstruktion werden in einem eigenen Themenblock während der Konferenz vorgestellt.

CT: Welche Anforderungen stehen seitens der Anwender derzeit im Mittelpunkt?
Alexander Peters: Für den Anwender ist eine hohe Anlagenverfügbarkeit bei gleichzeitiger Energieeffizienz wichtig.
Dr. René Peters: Neben Effizienz haben Sicherheit und Zuverlässigkeit der Maschinen oberste Priorität. In letzter Zeit liegt der Schwerpunkt noch stärker auf

den Emissionen, insbesondere Treibhausgas-Emissionen wie CO2 und CH4. Dies hat zu mehr Innovationen bei Dichtungskonzepten geführt. Neue Anwendungsbereiche entstehen ebenfalls, zum Beispiel bei der Energiespeicherung, einer der größten Herausforderungen bei Energieversorgung, bei der sehr viel schwankungsanfällige Energie aus Wind und Sonne erzeugt wird. Großflächige Druckluftspeicher in Salzkavernen sind eine von mehreren Möglichkeiten zum Ausgleich von Angebot und Nachfrage, wobei Kolbenkompressoren eine wichtige Rolle spielen können.

CT: Bei der letzten Introequipcon im Herbst 2012 hatte der Fracking-Boom in den USA seinen Höhepunkt erreicht. Inzwischen hat sich das Projektgeschäft dort deutlich abgekühlt. Wie stellt sich das aus Sicht der Kompressoren-Hersteller dar und welche Industrien sind heute besonders wichtig?
Alexander Peters: Für die Kompressorenhersteller sind neben der traditionell bedeutenden Abnehmerbranche Öl und Gas besonders die Branchen Chemie, allgemeine Verfahrenstechnik und Energie wichtig. Bei den Prozesskompressoren spüren wir derzeit sehr stark die Abkühlung im Öl- und Gasgeschäft. Dazu zählt natürlich auch das Frackinggeschäft in den USA.
Dr. René Peters: Durch gesunkene Öl- und Gaspreise befindet sich der Upstream-Sektor deutlich im Abschwung, mit einem sehr niedrigen Investitionsniveau bei der Kompression, Förderung, Gewinnung und Speicherung von Gas. Andererseits profitieren der Raffinerie- und Chemiesektor von niedrigen Rohstoffpreisen und investieren verstärkt. Spezifische Anwendungen, für die Kolbenkompressoren hergestellt werden, wie die Wasserstoffverdichtung, profitieren von diesem Investitionsboom. Im Allgemeinen gilt Wasserstoff als Schlüsselkomponente des zukünftigen Energiesystems, einschließlich der Verwendung für den Schwertransport, wodurch neue Möglichkeiten entstehen.

CT: Aus welchen Branchen erwarten Sie die meisten Teilnehmer?
Alexander Peters: Mit unserer Konferenz richten wir uns an all diejenigen, die im beruflichen Umfeld schon jetzt oder zukünftig mit Pumpen, Kompressoren, Druckluft- und Vakuumtechnik zu tun haben, z. B. Anwender, Hersteller, Zulieferer, Anlagenbauer, Komponentenlieferanten und in Forschung & Entwicklung Tätige. Diese kommen aus den Branchen Öl und Gas, Chemie, Petrochemie, Wasser/Abwasser, Allgemeine Verfahrenstechnik, Energie. Für unsere Konferenz gehen wir davon aus, dass die meisten Teilnehmer aus den nach wie vor „robusten“ Bereichen Chemie und Verfahrenstechnik kommen. Wir gehen auch davon aus, dass die Teilnehmer ganz international sein werden, denn unsere vorrangigen Zielländer/-regionen sind neben Europa die USA, Brasilien, Naher und Mittlerer Osten, Russland, Indien, China, Korea und die ASEAN-Staaten.
Dr. René Peters: Der Upstream-Öl- und Gassektor wird infolge von Budgetkürzungen weniger stark vertreten sein. Andererseits wird der Downstream- und Chemiesektor angesichts seiner geplanten Investitionen verstärkt angezogen. Der Nahe Osten investiert weiterhin in Produktion und Downstream-Aktivitäten, während Brasilien sich zurückhält. Viele Teilnehmer werden aus den Reihen der OEMs, Lieferanten von Ausrüstungsgütern und Anlagenbauern erwartet.

Zum Interview mit dem dritten Konferenz-Chairman, Dr. Sönke Brodersen

Heftausgabe: September 2016

Über den Autor

Die Fragen stellte Armin Scheuermann, Chefredakteur der CHEMIE TECHNIK
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