„Energieeinsparung bleibt der Dauerbrenner“

Interview mit Christoph Singrün, VDMA

07.03.2016 Die Pumpenbranche steht vor zahlreichen Herausforderungen: Klassische Absatzmärkte wie der Kraftwerksbereich und die Öl- und Gasbranche schwächeln, die EU-Kommission plagt die Hersteller mit teilweise wenig sinnvollen Effizienzvorgaben. Im CT-Gespräch verdeutlicht Christoph Singrün, Geschäftsführer des VDMA Fachverbands Pumpen + Systeme, wo neben dem Schatten auch die Lichtblicke für die Industrie liegen.  

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März 2016

Christoph Singrün, Geschäftsführer des VDMA Fachverbands Pumpen + Systeme, „Die Betrachtung der Ressourceneffizienz eröffnet neue Marktchancen für Pumpenhersteller“

CT: Im Pumpenmarkt gab es in den vergangenen Jahren Höhen und Tiefen – insgesamt ist die Produktion seit 2012 nur mäßig gewachsen. Wie stellt sich die Situation derzeit dar?
Singrün: Vereinfacht kann man sagen, dass sich der Pumpenmarkt von 2012 bis 2014 seitwärts bewegt hat. 2015 ist die Produktion allerdings um vier Prozent zurückgegangen. Über die Zahlen der ersten drei Quartale ist das bereits gesicherte Erkenntnis.

CT: Was sind die wesentlichen Gründe für den Rückgang?

Singrün: Vor allem der Bereich Öl und Gas, der für die Pumpenindustrie bis Anfang 2014 noch ein Wachstumstreiber war, hat sich schlecht entwickelt. Die Stimmung ist hier synchron zum Ölpreis gefallen. Auch die Petrochemie hat weniger Pumpen bestellt. Dazu kommt die in Westeuropa schon seit einigen Jahren leidende Energiewirtschaft.

CT: Welche Rolle spielt bei Projekten die zunehmende Beschaffung in den Regionen, wo die Anlagen gebaut werden?
Singrün: Dieser Trend hat sich in den vergangenen Jahren verstärkt. Gerade in der Energiewirtschaft ist das zu beobachten. Selbst wenn sich die Branche wieder belebt, wird diese Entwicklung kaum zurückzudrehen sein. So sind durch die Forderung nach lokalem Einkauf vor allem auch in China Wettbewerber stark geworden.

CT: Welches sind aktuell die größten Herausforderungen?
Singrün: Ganz klar die politische Unsicherheit. Russland ist für die Pumpenhersteller ein wichtiger Markt und als solcher stark von den aktuellen politischen Entwicklungen betroffen. Auch die Investitionszurückhaltung der Öl-Förderländer ist ein Problem. Dazu kommt, dass China seine Rolle als Wachstumstreiber verloren hat. In den USA ist die Reindustrialisierung zum Stillstand gekommen – hier erwarten wir keine weiteren Wachstumsimpulse.
Vor dem Hintergrund dieser Entwicklungen rechnen wir deshalb auch für 2016 mit einem weiteren, wenn auch leichteren Rückgang der Produktion um ein Prozent.

CT: Wie reagieren die Pumpenhersteller auf diese Situation?
Singrün: Bei einigen Herstellern gab es Kapazitätsanpassungen. Für Personalabbau wurde aber in der Regel die natürliche Fluktuation genutzt. Den Herstellern kommt außerdem zugute, dass es für ihre Pumpen vielfältige Anwendungen gibt – das schafft eine gewisse Flexibilität, um mit dem Produktportfolio verschiedene Märkte zu bedienen.

Heftausgabe: März 2016
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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