„Service beginnt mit der Inbetriebnahme“

Interview mit Dr. Bernd Garbe, KSB

26.02.2015 Der Blaumann hat Zukunft: Mit 450 Mio. Euro steuert der Geschäftsbereich Service bei KSB rund ein Viertel des Unternehmensgewinns des Pumpen- und Armaturenherstellers bei. Und es soll noch mehr werden. Denn je nach Region sind auch 40 Prozent drin. Im CT-Interview erklärt Dr. Bernd Garbe, Geschäftsführer der KSB Service GmbH, wo die Potenziale liegen und warum der Preisdruck im Servicemarkt hierzulande durch die Energiewende steigt.

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CT: Welche Bedeutung hat das Servicegeschäft für KSB und wo sehen Sie Potenzial?
Garbe: Das Servicegeschäft ist seit Jahrzehnten ein ganz wichtiger Baustein für KSB – es steuert zusammen mit dem Ersatzteilgeschäft heute mehr als  ein Viertel des Unternehmensumsatzes bei. In Deutschland und Frankreich erreicht das After-Market-Geschäft zum Teil einen Umsatzanteil von 40 Prozent. Doch in anderen Regionen stecken unsere Serviceaktivitäten mit Ausnahme des Mining-Geschäftes noch in den Kinderschuhen – beispielsweise in Überseemärkten wie USA, Kanada, Südamerika und vor allem China. Dort wollen wir sehr stark wachsen und ebenfalls einen Umsatzanteil von 40 Prozent erreichen.
 
CT: Wie sieht Ihr Angebot dazu aus und wie unterscheidet es sich von dem klassischer Industriedienstleister?
Garbe: Wir konzentrieren uns auf die mittlere und höherwertige Technik von Pumpen, Armaturen und sonstigem Rotating Equipment. Serviceaufgaben der Basistechnik wie Wartungsverträge von gebäudetechnischen oder einfachen industriellen Produkten  überlassen wir autorisierten Servicepartnern.. Ein wichtiger Markt ist die Kraftwerkstechnik. Im Nuklearbereich sind wir in Europa sehr gut aufgestellt, das wollen wir weltweit entwickeln. Direkt danach kommen fossile Kraftwerke.

CT: …was in Deutschland angesichts der Energiewende derzeit nicht besonders viel Freude machen dürfte…
Garbe: Das stimmt allerdings. Der Kraftwerksmarkt ist inzwischen in ganz Europa, aber insbesondere in Deutschland, alles andere als einfach. Insbesondere durch das Abschalten der deutschen Kernkraftwerke geht uns einiges an Volumen verloren. Aber nicht nur für uns, auch für viele Industriedienstleister, die dann – wie wir auch – verstärkt auf andere Branchen ausweichen. Dadurch ist der Servicemarkt auch im Raffineriebereich sowie in der Chemie extrem unter Wettbewerbsdruck geraten. Auch deshalb wollen wir unsere Aktivitäten in Übersee deutlich ausweiten und dort bislang ungenutzte Potenziale erschließen. Dabei muss man allerdings jeden Markt einzeln betrachten. Denn was in einem Land funktioniert, kann in einem anderen aussichtslos sein. Deshalb haben wir unsere Organisation im vergangenen Jahr neu aufgestellt und die Eigenständigkeit der regionalen Servicegesellschaften gestärkt. 

CT: Auch in Deutschland sind die Serviceaktivitäten von KSB in einer eigenen Gesellschaft gebündelt. Die meisten anderen Hersteller haben den Service in der Verkaufsorganisation angesiedelt. Was ist der Grund dafür?
Garbe: Im Service braucht man schnelle Prozesse und Entscheidungen, insbesondere beim Personal muss man sehr flexibel sein. Das ist in einer großen Gesellschaft so nur bedingt machbar. Diese Aufstellung haben wir außer  in Deutschland nur noch und Frankreich und neuerdings auch in China, weil diese Märkte und die dort angesiedelten Produktionsgesellschaften  sehr groß sind. In den anderen Auslandsgesellschaften ist der Service in der Regel in den Vertriebsgesellschaften oder Landesgesellschaften mit Produktion angesiedelt.

CT: Wie wichtig ist der Aspekt der globalen Präsenz im Hinblick auf die Auftragsvergabe von internationalen Chemieunternehmen?
Garbe: Das ist ein ganz wichtiger Faktor. Es gibt zahlreiche Beispiele, bei denen wir Produktaufträge auch deshalb gewinnen konnten, weil wir uns bereit erklärt haben, an einem neuen Standort direkt beim Kunden eine Service-Werkstatt zu errichten und vor Ort zu betreiben.

Heftausgabe: März 2015
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Über den Autor

Armin Scheuermann, Redaktion
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